In unserer Jubiläumsreihe zum 25-jährigen Bestehen von DAS INVESTMENT stoßen wir diesmal auf eine Geschichte, die ein besonders dramatisches Kapitel der deutschen Anlegerkultur einfängt: Die September-Ausgabe 2002 fragte provokant „Wie sexy ist die T-Aktie jetzt?“ – begleitet von einem auffälligen pinkfarbenen Cover im unverkennbaren Telekom-Magenta.
Die Geschichte der T-Aktie gehört zu den emotionalsten Kapiteln des deutschen Kapitalmarkts. Kaum ein anderes Wertpapier hat so viele Menschen bewegt und enttäuscht. Vor allem aber markiert sie einen Wendepunkt in der deutschen Anlegerkultur.
Als die Deutsche Telekom im November 1996 an die Börse ging, war die Euphorie grenzenlos. „Mehr als 80.000 Interessenten riefen damals an manchen Tagen bei der Deutschen Telekom an“, berichtete DER FONDS (heute DAS INVESTMENT) damals. Insgesamt 3 Millionen Anrufer registrierte das Unternehmen, 1,4 Millionen Privatanleger zeichneten schließlich die Aktie zum Preis von 14,57 Euro.
„Die T-Aktie ging in den freien Fall über“
Was folgte, war zunächst ein Triumph: Am ersten Handelstag legte die Aktie knapp 19 Prozent zu. Nach dreieinhalb Jahren und einem Kursplus von 620 Prozent erreichte sie am 6. März 2000 im laufenden Handel ihren Höchststand von 104,90 Euro. Doch dann kam der Absturz: „Zwei Tage später platzte die weltweite Spekulationsblase. Die T-Aktie ging in den freien Fall über.“
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Faszinierend ist der politische Aspekt der T-Aktie. Der Staat war mit 43 Prozent Anteil größter Aktionär und hatte zunächst hinter Vorstandschef Ron Sommer gestanden. Doch im Wahlkampfjahr 2002 wendete sich das Blatt: „Nach einer der peinlichsten Personalpossen in der Geschichte der Bundesrepublik trat Sommer am 16. Juli entnervt zurück“, beschrieb DER FONDS die Situation.
Das Foto im Artikel zeigt Ex-Telekom-Chef Ron Sommer und Finanzminister Hans Eichel bei der Bilanzpressekonferenz im April 2002 – ein historisches Dokument einer zerrütteten Beziehung, die nur wenige Monate später in der öffentlichen Demontage Sommers gipfeln sollte.
Die Meinungen der Fondsmanager waren damals geteilt: Jens Ehrhardt, Berater des FMM-Fonds, sah die Ablösung Sommers als überfällig an. „Wer soll sich denn sonst in ein Unternehmen einmischen, wenn nicht der mit 43 Prozent größte Aktionär?“, fragte er. Andere kritisierten die Regierungseinmischung, begrüßten aber Sommers Abgang, da sie auf einen „notwendigen Strategiewechsel“ hofften.
Bemerkenswert aus heutiger Sicht: Der Artikel sprach vom Wandel der „Volksaktie“ zur „Volkszornaktie“. Eine Umfrage der „Wirtschaftswoche“ hatte damals ergeben, dass 50 Prozent der Deutschen Ron Sommer für den Kursverfall verantwortlich machten und seine Ablösung forderten – obwohl damals lediglich 2 Millionen Bundesbürger direkt die T-Aktie im Depot hatten.
Die Telekom wurde zum Dividendengaranten
Was aus dieser bewegten Geschichte wurde? Die T-Aktie erholte sich in den folgenden Jahren langsam, erreichte aber nie wieder die Höchststände von 2000. Stattdessen etablierte sich die Deutsche Telekom unter Tim Höttges als solider Dividendenwert – weniger sexy als in den Anfangsjahren, aber deutlich verlässlicher.
Diese Geschichte von 2002 steht wie kaum eine andere für den Übergang vom Börsenrausch der späten 1990er zur Ernüchterung der frühen 2000er Jahre – ein Stück deutsche Finanzgeschichte, das auch nach 23 Jahren noch nachhallt.