DAS INVESTMENT: Herr Portner, wie kam es dazu, dass Pictet AM frühzeitig auf thematische Investments gesetzt hat?
Hans Peter Portner (l.) und Philippe Rohner
Hans Peter Portner: Wir haben unsere Biotech-Strategie bereits 1995 ins Leben gerufen – zu einer Zeit, als die Entschlüsselung der DNA noch eine gewaltige wissenschaftliche Herausforderung darstellte und fast zehn Jahre bevor das menschliche Genom vollständig kartiert werden konnte. Das war ein vorausschauender Schritt. In den Folgejahren konnten wir eine überzeugende Erfolgsbilanz vorweisen – und als der Nasdaq gegen Ende des Jahrzehnts stark anzog, stieß unsere Strategie auf entsprechend hohe Nachfrage.
Im Jahr 2000 – als das Internet die Schlagzeilen dominierte – befassten wir uns intensiv mit dem Thema Wasser und stellten fest, dass globale Trends wie Urbanisierung, Industrialisierung, Bevölkerungswachstum und Klimawandel die Nachfrage nach Wasserressourcen beeinflussen würden. Wir waren eindeutig auf der richtigen Spur, denn unsere Water Strategie war von Anfang an ein Erfolg: In den ersten drei Jahren übertraf sie den globalen Aktienindex um 7 Prozent auf Jahresbasis, sodass beträchtliche Anlagesummen in die Strategie flossen.
Welche Rolle haben Sie bei der Entwicklung der Water Strategie gespielt?
Portner: Die Water Strategie war das eigentliche Sprungbrett für die Entwicklung des thematischen Fondsangebots von Pictet Asset Management. Ich war von Anfang an an der Strategie beteiligt und übernahm schon früh die Leitung. Wir entwickelten einen rigorosen Investmentprozess, der die Grundlage für alle nachfolgenden Strategien bildete.
Water wurde zu unserer thematischen Leitstrategie. Kurze Zeit später legten wir weitere Strategien auf: Timber, Clean Energy, Nutrition und Global Environmental. Alle konzeptionellen Überlegungen orientierten sich an der Water Strategie, alle beruhten auf denselben Anlageüberzeugungen, die es uns ermöglichten, eine gemeinsame Plattform für thematische Aktien aufzubauen.
Wie gelang es, die breit angelegte Global Environmental Strategie schon früh aus der thematischen Nische in eine marktführende Position zu bringen?
Portner: Ich bin sehr stolz auf das starke Team, das ich für die Global Environmental Strategie – die mittlerweile eine der größten ihrer Art ist – begeistern konnte. Anfangs war das einfach nur eine lineare Kombination unserer Strategien Water, Timber, Clean Energy und Agriculture. Wir waren Vorreiter bei der Anwendung des wissenschaftlichen Konzepts der planetaren Belastungsgrenzen zur Bestimmung unseres Anlageuniversums (siehe Grafik 1). Dank dieses Ansatzes und der starken absoluten und relativen Performance der Strategie im Vergleich zum globalen Aktienindex konnten wir die Global Environmental Strategie in kurzer Zeit erheblich ausbauen.
Grafik 1: Planetare Belastungsgrenzen
Wie können Sie sich einen Vorteil verschaffen, wenn ein und dieselbe Aktie von Dutzenden weiterer Analysten bei anderen Investmentgesellschaften beobachtet und analysiert wird?
Portner: Es geht nicht nur um die Betrachtung von Zahlen. Ein Beispiel: Vor etwa 20 Jahren nahm ich an einer Konferenz der Wasserversorger teil, die in einem teuren Hotel in Zürich stattfand. Auch die Geschäftsführer von zwei führenden US-Wasserunternehmen nahmen daran teil. An dem Morgen, an dem die Konferenz begann, regnete es in Strömen – wahrscheinlich ganz passend für eine Veranstaltung der Wasserwirtschaft. Ich war bis auf die Haut nass, als ich ankam – und wen sehe ich da? Den Geschäftsführer eines der Unternehmen, wie aus dem Ei gepellt, weil er eine Suite direkt in diesem sehr teuren Tagungshotel gebucht hatte. Hinter mir stand der andere Geschäftsführer. Er war genauso durchnässt wie ich, hatte in einem günstigen Hotel übernachtet und sah etwas müde aus, weil er in der Economy Class aus den USA hergeflogen war. In diesem Moment lernte ich viel über die Kostenkulturen dieser beiden Unternehmen. Ich habe immer die Aktien des Unternehmens mit dem sparsamen Geschäftsführer bevorzugt – und das hat sich für mein Portfolio bezahlt gemacht.

