1. Gesundheit im Zeitalter der Langlebigkeit
Wir leben länger, und die Weltbevölkerung wird zunehmend älter. Die Herausforderung besteht darin, diese zusätzlichen Lebensjahre bei guter Gesundheit zu verbringen. In diesem Jahr werden die ältesten Babyboomer 80 Jahre alt – ein Alter, in dem die Ausgaben für Gesundheitsversorgung deutlich steigen. Wir erwarten, dass Präventivmedizin stärker in den Fokus von Regierungen, Gesundheitsunternehmen und Einzelpersonen rückt. Dazu gehört die Nutzung von Daten, um besser vorherzusagen, wer für bestimmte Krankheiten anfällig ist, die Entwicklung umfassenderer und effektiverer Screening-Programme für Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden sowie die Bekämpfung von Risikofaktoren wie Adipositas und Rauchen. Laut einer Studie von Deloitte1 könnte proaktive Investition in Krankheitsprävention jedem US-Bürger bis zu 15 gesunde Lebensjahre zusätzlich verschaffen. Außerdem erwarten wir Innovationen in den Bereichen Therapeutika und Medizintechnik, wobei KI den Prozess der Arzneimittelentwicklung und Diagnostik beschleunigen wird.
2. Produktivität steigern mit KI
Da immer mehr Babyboomer ein hohes Alter erreichen, nehmen auch die Ausgaben und die Inanspruchnahme medizinischer Leistungen deutlich zu. Gleichzeitig drückt die alternde Bevölkerung zunehmend auf die Produktivität der Volkswirtschaften. Die letzten Babyboomer erreichen nun das Rentenalter, und Arbeitskräftemangel wird in den kommenden Jahren zunehmen. Technologie kann hier eine entscheidende Rolle spielen – insbesondere durch die Entwicklung von agentischer KI, bei der Maschinen eigenständig Ziele setzen und Aufgaben ausführen, ohne menschliches Eingreifen. Erste groß angelegte Anwendungen agentischer KI sind bereits sichtbar: So haben KI-Code-Assistenten Softwareentwickler in Unternehmen um 20 bis 40 Prozent produktiver gemacht. Auch im Kundenservice hilft KI, Abläufe effizienter zu gestalten und Prozesse zu optimieren.
3. Der Aufstieg der Roboter
2026 könnte das Jahr sein, in dem die Robotiktechnologie einen gewaltigen Sprung macht. Generative KI hat die Art und Weise, wie Roboter mit ihrer Umgebung interagieren, insbesondere im Konsumbereich, grundlegend verändert. Weitere Entwicklungen im Bereich KI verkürzen die Forschungs- und Entwicklungszyklen für Robotik und Automatisierung. Für 2026 wird erwartet, dass weltweit rund 575.000 Industrieroboter installiert sind – im Vorjahr waren es 555.000.2 Zudem wächst der Einsatz von kollaborativen und humanoiden Robotern deutlich. Sie kommen zunehmend in abgeschlossenen Arbeitsumgebungen wie Autofabriken und Rechenzentren zum Einsatz – Bereiche, in denen Hitze oder Dunkelheit für Maschinen kein Problem darstellen – ebenso wie in autonomen Fahrzeugen. In diesem Jahr wird zudem mit der Einführung mehrerer neuer Modelle autonomer Fahrzeuge sowie dem Debüt von Robotaxis auf den Straßen Londons gerechnet.3
4. Gesunde Ernährung
Beim Thema Ernährung besinnen sich viele Menschen wieder stärker auf einfache, möglichst unverarbeitete Lebensmittel. Natürliche und regionale Zutaten gewinnen an Beliebtheit, da viele Menschen einen gesünderen und nachhaltigeren Lebensstil anstreben. Das Bewusstsein für die gesundheitlichen Risiken stark verarbeiteter Lebensmittel wächst. Das zeigt sich zum einen in Initiativen wie „Make America Healthy Again“ (MAHA), zum anderen in strengeren staatlichen Vorgaben zu Inhaltsstoffen, Kennzeichnung und Werbung. Auch Appetitzügler wie GLP‑1-Medikamente gewinnen an Bedeutung. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Menschen, die diese Mittel einnehmen, ihr Einkaufsverhalten ändern und zunehmend auf nährstoffreiche, natürliche Lebensmittel wie Joghurt und Eier setzen.
5. Energiespeicherung
Der Fortschritt bei sauberer Energie kommt voran: Strom aus nicht-fossilen Quellen wie erneuerbaren Energien und Kernkraft macht inzwischen 41 Prozent der weltweiten Stromerzeugung aus.4 Ein Hemmnis für noch größeren Fortschritt war bislang die schwankende Verfügbarkeit von Wind- und Solarenergie; entscheidend sind daher leistungsfähigere Speicherlösungen, um Dunkelflauten – kalte, bewölkte und windstille Tage – zuverlässig zu überbrücken. In diesem Jahr sind weitere Fortschritte bei Energiespeichersystemen (ESS) zu erwarten. Diese reichen von großflächigen Batterien, die mit Wind- und Solarkraftwerken gekoppelt werden können, bis zu kleineren, zunehmend erschwinglichen Batterien für private Solardächer. Laut Bloomberg NEF5 wächst die weltweite Speicherkapazität jährlich um 23 Prozent. Zu den Innovationen zählen unter anderem längere Speicherzeiten für Lithium-Ionen-Batterien (von sechs auf acht Stunden) sowie die Entwicklung wasserstoffbasierter Lösungen.
6. Auf dem Weg zur Resilienz
Neben dem Eindämmen des Klimawandels müssen wir auch widerstandsfähiger gegenüber seinen Auswirkungen werden. Immer häufiger auftretende extreme Wetterereignisse zwingen Regierungen, Investitionen in belastbare Infrastruktur, Katastrophenvorsorge und nachhaltige Anpassungsstrategien zu priorisieren. Allein 2025 gab es weltweit mehr als 150 extreme Wetterereignisse, die geschätzte 320 Milliarden US-Dollar an wirtschaftlichen Schäden verursachten6 – 40 Prozent über dem durchschnittlichen Jahreswert des letzten Jahrzehnts. Angesichts der zunehmenden Folgen von Klimawandel und Umweltzerstörung wird deutlich, dass es nicht ausreicht, nur die globale Erwärmung zu begrenzen. Genauso wichtig sind Investitionen in Anpassung und Resilienz, zum Beispiel der Einbau von Regenwasserpumpstationen, die Nachrüstung bestehender Gebäude mit effizienten Kühlsystemen oder die Einführung von Frühwarnsystemen bei Überschwemmungen und Waldbränden.
7. Maschine-zu-Maschine-Lernen
Je mehr wir Large Language Models – beruflich oder privat – nutzen, desto mehr potenziell sensible Daten geben wir preis, was die Verantwortung für deren Sicherheit erhöht. Gleichzeitig ebnet agentische KI den Weg für immer ausgefeiltere Cyberangriffe. Phishing-Mails mit Rechtschreibfehlern lassen sich leicht erkennen, aber eine authentisch wirkende Nachricht von der Personalabteilung oder eine realistische Sprachnotiz kann selbst die aufmerksamsten Nutzer täuschen. Maschinen, die andere Maschinen hacken, werden zu einem neuen Problemfeld im Datenschutz. Diese Entwicklung stellt die Cybersecurity-Branche vor große Herausforderungen – bietet aber zugleich Chancen für Sicherheitsunternehmen, die KI einsetzen, um Organisationen und Verbraucher zu schützen. Alle 39 Sekunden erfolgt ein Hackerangriff, und täglich werden Millionen von Datensätzen durch Sicherheitsverletzungen gestohlen.7 Kein Wunder also, dass laut Gartner die weltweiten Ausgaben für Cybersecurity voraussichtlich um fast 14 Prozent pro Jahr steigen werden. Die zentrale Aufgabe besteht darin, Maschinen und Software zu entwickeln, die Organisationen und Einzelpersonen vor Angriffen durch andere Maschinen schützen.
1 https://www.deloitte.com/us/en/insights/industry/health-care/proactive-care-medicare-savings.html
2 World Robotics, 2023
5 https://about.bnef.com/insights/clean-energy/global-energy-storage-boom-three-things-to-know/
[7] https://deepstrike.io/blog/how-many-cyberattacks-happen-every-day