Im ersten Quartal 2024 setzten die globalen Aktienmärkte die gute Performance aus dem Jahr 2023 fort. Besser als erwartet ausgefallene US-Konjunkturdaten bestärkten Anleger in ihrer Erwartung einer „sanften Landung“ der US-Wirtschaft, woraufhin die US-Aktienindizes neue Allzeithochs erreichten. Der japanische Aktienmarkt übertraf sein Allzeithoch aus dem Jahr 1989 – Aktienrückkäufe und andere aktionärsfreundliche Unternehmensreformen beflügelten die Kurse.

Neben positiven Unternehmensnachrichten sorgte vor allem die Erwartung einer baldigen Zinswende in den USA und im Euroraum für eine insgesamt positive Anlegerstimmung.

„Den Schwung aus dem vierten Quartal 2023 haben wir ins erste Quartal 2024 mitgenommen“, berichtete Simon Frank. „Getrieben wurde der Markt von sehr ordentlichen Berichtszahlen der Unternehmen, vor allem der Indexschwergewichte. Die Unternehmensgewinne sehen erbaulich aus. Zudem wurde der Markt von den Zinssenkungserwartungen gestützt. Das resultierte in einem Plus von 11 Prozent in Euro für Aktien im ersten Quartal – mehr als wir für das ganze Jahr erwartet hatten. Der japanische Aktienmarkt ist mit knapp 20 Prozent in Lokalwährung sehr gut gelaufen, aber auch Aktien aus der Eurozone und den USA mit knapp zweistelligen Renditen machten Freude. Asien insgesamt blieb hingegen zurück, weil hier viel an der Konjunktur in China hängt. Auch Lateinamerika hat sich als Nachzügler herausgestellt.“

Tech, Energie, Finanzen und Industrie besonders gefragt

IT- und Kommunikationsdienstleister hätten sich im ersten Quartal klar an die Spitze gesetzt, aber auch Energie-, Finanz- und Industrieaktien hätten zu den Top-Performern gehört, so Frank. Weniger gefragt waren Grundstoffe, Versorgungsdienstleistungen und Immobilien, die unter den hohen Zinsen litten. Auffallend war die Outperformance von Growth-Aktien und großkapitalisierten Unternehmen, während Small Caps hinterherliefen.

„Wenig Bewegung gab es bei Anleihen, wir sind ungefähr dort, wo wir am Jahresanfang waren. Bei den Anlageklassen, bei denen ein etwas höherer Kupon draufstand, sind wir im Plus, bei denen mit etwas weniger Rendite im Minus“, so Frank. „Auf der Währungsseite performte Gold ausgesprochen gut. Allein seit Jahresbeginn liegt das Plus bei 10 Prozent – obwohl der US-Dollar stark war. Verlierer waren Schweizer Franken und Japanischer Yen.“

 
Walter Liebe, Head of
Intermediaries Germany

Walter Liebe unterstrich, dass sich bei den Glorreichen Sieben (Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla) starke Ungleichgewichte mit vier Gewinnern und drei Verlierern zeigten.

Liebe wies darauf hin, dass ungeachtet der Allzeithochs an vielen Aktienmärkten jeweils unterschiedliche Wertentwicklungen zu verzeichnen seien. So habe der Nikkei die Glorreichen Sieben outperformt. Die GRANOLAS (elf europäische Top-Werte, darunter ASML, Novo Nordisk, LVMH und SAP) wiederum hätten fast so gut abgeschnitten wie die Glorreichen Sieben.

Wie könnte es nach dem starken ersten Quartal weitergehen? „Die Deutsche Bank hat 100 Jahre zurückgeblickt und kommt zu dem Ergebnis, dass bei Renditen von 15 bis 20 Prozent im ersten Quartal der Rest des Jahres nicht mehr so euphorisch verläuft“, so Liebe. „Bei einer schwachen Performance kommt es im weiteren Jahresverlauf häufig zu einem Rebound. Wenn es so läuft wie aktuell, ist das Jahr oft von einem weiteren guten Verlauf geprägt.“

Zinsen: Die geldpolitische Lockerung lässt auf sich warten

Frank wies darauf hin, dass erwartete Zinssenkungen zunehmend ausgepreist würden, vor allem in den USA. „Während es in der Eurozone zu zwei weiteren Zinssenkungen kommen könnte, ist es in den USA möglich, dass es im weiteren Jahresverlauf – vor allem auch nach den jüngsten Verbraucherpreisdaten – gar keine Zinssenkung mehr geben wird. Auf den Punkt gebracht: Die geldpolitische Lockerung wird langsamer und später kommen als erwartet.“

Als potenzielle Risiken für den Markt machen Frank und Liebe drei Faktoren aus:

  • Die Zentralbanken übertreiben es mit der Inflationsbekämpfung
  • Der Konflikt im Nahen Osten eskaliert
  • US-Wahl

Wichtige Implikationen für Kapitalanlagen

Im Segment Globale Aktien erwarten Frank und Liebe 5 Prozent Gesamtrendite für den Rest des Jahres. Bei Staatsanleihen rechnen sie ebenfalls mit einem Plus von 5 Prozent. Der europäische Markt dürfte sich ihrer Einschätzung nach aufgrund der schlechten Stimmung, der wirtschaftlichen Erholung und der attraktiven Bewertung künftig besser entwickeln. Mit Blick auf die Schwellenländer sehen sie dagegen große Hürden angesichts der geopolitischen Risiken sowie der Unsicherheiten mit Blick auf die Konjunktur und Regulierung in China. Dennoch dürfte sich China makroökonomisch erholen.

Für defensive Value- und Qualitätspositionen sei es noch zu früh. Besser schnitten US-Staatsanleihen, IG-Unternehmensanleihen und Schwellenländeranleihen ab. Gold und Private Equity halten beide derzeit für die attraktivsten Anlagen. Insgesamt dürfte eine „Renaissance“ des Multi-Asset-Ansatzes aus Aktien, Anleihen, Geldmarkt- und Alternativen Anlagen bevorstehen.

Bei thematischen Aktienfonds die Themen Digital und Robotics gefragt

Wie haben sich die thematischen Aktienfonds von Pictet Asset Management im Marktumfeld des ersten Quartals entwickelt? Bei den Mittelzuflüssen und der Wertentwicklung der Themenfonds beobachtet Frank „spürbare, aber nicht problematische Netto-Mittelabflüsse im ersten Quartal. Dies gilt insbesondere in der Relation zu den teils sehr großen Fondsvolumina“. Rückgänge habe es vor allem bei den thematischen Aktienfonds Global Megatrend Selection, Security und Global Environmental Opportunities gegeben. Gefragt seien hingegen die Themen Digital und Robotics gewesen.

Die Performance von Themenfonds sehe derweil ganz ordentlich aus. Frank: „Das erste Quartal 2024 war für alle Themenfonds ein positives Quartal. Wir haben uns wacker geschlagen.“

 

Robotik & Automatisierung: Die Portfoliomanager sehen attraktive Anlagemöglichkeiten

Innovationen treiben die digitale Wirtschaft. Allein fünf große Tech-Unternehmen in den USA (Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft und Datadog) investierten im Jahr 2023 rund 200 Milliarden US-Dollar in Forschung und Entwicklung, so Frank. Unternehmen aus sechs Schlüsselindustrien (Verarbeitendes Gewerbe, Chemie, Konsumgüter, Hightech & Elektronik, Automobil & Transport, Pharma & Medizintechnik) dürften in den nächsten Jahren 1.150 Milliarden Euro pro Jahr in die Industrie 4.0 (Digitalisierung & Automatisierung) investieren. Die Unternehmen würden sich davon Produktivitätssteigerungen von 15 bis 30 Prozent, eine Senkung der Lagerhaltungskosten um 15 bis 20 Prozent, eine Reduzierung der Maschinenstillstandszeiten um 30 bis 50 Prozent und eine Verkürzung der Markteinführungszeit um 10 bis 30 Prozent versprechen, so Frank.

„Robotik & Automatisierung stehen aktuell als Profiteure der KI-Revolution im Fokus der Aufmerksamkeit und verzeichnen hohe Wachstumsraten und sehr gute Wertentwicklungen. Trotz des signifikanten Drawdowns im Jahr 2022 – der vor allem auf die Korrektur von Wachstumstiteln  generell im Zuge des starken Zinsanstiegs zurückzuführen war – ist die langfristige Nettoperformance seit Auflage mit 18 Prozent p.a. immer noch beachtlich“, unterstrich Frank und wies darauf hin, dass 2024 für die Unternehmen im Portfolio grundsätzlich ein weiteres solides, wenn nicht wachstumsstarkes Jahr anstehe: „Die Endmärkte sind vergleichsweise wenig konjunktursensitiv, die Preissetzungsmacht vieler Firmen hoch und tendenziell sollten sinkende Zinsen positive Auswirkungen haben.“

Liebe betonte, dass trotz der sehr guten Wertentwicklung im Segment Robotik & Automatisierung die Bewertungen sich aktuell auf dem historischen Durchschnitt seit Fondsauflage bewegten: „Selektivität, Disziplin und aktives Management werden auch zukünftig für den Anlageerfolg entscheidend sein.“

 

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