Thomas Böcher, Paribus Capital

Thomas Böcher, Paribus Capital

Thomas Böcher: „Lokomotiven sind ein langlebiges Investitionsgut“

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Herr Böcher, Sie haben mit dem Paribus Rail Portfolio vor einigen Jahren den ersten geschlossenen Fonds auf den Markt gebracht, der in Lokomotiven investiert. Inzwischen haben Sie bereits einen Nachfolgefonds aufgelegt. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Thomas Böcher: Der Anlass war eigentlich trivial: Kollegen saßen beim Seehafen in Kiel und haben dort beobachtet, wie die Güter mit der Eisenbahn abtransportiert wurden. Die Frage war: Wäre das nicht eine interessante Investition? Da ich zuvor lange für ein Emissionshaus von Schiffsfonds gearbeitet hatte, wusste ich, welche Bedeutung dem Hinterlandverkehr zukommt und dass dieser weiter wächst.

Schließlich haben wir 2008 gemeinsam mit dem Seehafen Kiel die Gesellschaft Northrail gegründet, in die zum einen das Know-how der Hafengesellschaft zu Vermietung und Auswahl von Lokomotiven einfloss, zum anderen unser Wissen darüber, wie sich diese Objekte in ein Anlageangebot für Investoren verpacken lassen.

Wie genau funktioniert denn das Geschäft mit Lokomotiven?

Böcher: Wir kaufen mit dem Geld der Investoren überwiegend gebrauchte und teils neue Diesel- und Elektro-Lokomotiven – derzeit besitzen wir rund 75 – und vermieten diese an Eisenbahngesellschaften im Güterverkehr, vorwiegend in Deutschland, aber auch in Polen, Skandinavien und weiteren Ländern. Aktuell sind wir in Deutschland mit zehn Prozent der rund 400 Eisenbahngesellschaften im Geschäft.

Warum ist es für Eisenbahnunternehmen interessant, zu mieten statt zu kaufen?

Böcher: Es gibt beispielsweise durch die Liberalisierung, die noch nicht sehr lange zurückliegt, immer wieder neue Unternehmen, die sich ihre Nische im Güterverkehr suchen. Diese haben nicht unbedingt die Kapitalkraft und die Finanzierungsmöglichkeiten, um eine große Lok für 1,8 Millionen Euro in die eigenen Bücher zu nehmen oder investieren ihr Eigenkapital lieber an anderer Stelle.

Daher ist die Miete eine interessante Möglichkeit. Zudem bleiben die Unternehmen so flexibler, weil sie immer den Loktyp mieten können, den sie gerade benötigen oder so auch schnell auf wachsende Nachfrage reagieren können. Mit einer gekauften Lokomotive wäre das nicht der Fall.

Northrail Gravita im Einsatz. Quelle: Paribus Capital
Welche Charakteristiken weist das Investitionsgut „Schienenfahrzeuge“ auf?

Böcher: Eine der hervorstechenden Eigenschaften ist sicher, dass Lokomotiven ein sehr langlebiges Wirtschaftsgut sind. Die Lebens- und Verfügbarkeitsdauer einer Lokomotive kann bis zu 60 Jahre erreichen. Wir haben Loks mit Baujahr 1959 in unserem Portfolio. Diese Langlebigkeit hat aus Investorensicht bestimmte Wirkungen. Für viele Einsatzgebiete ist eine ältere Lok völlig ausreichend und kann deutlich günstiger als ein Neubau profitabel vermietet werden.

Zudem wird sich das Eisenbahnsystem nicht ändern – es besteht kein Risiko, dass wir plötzlich mit einer neuen Schienenbreite rechnen müssen. Hinzu kommt, dass sich die Rolle Deutschlands als wichtigstem Transitland in Europa nicht ändern wird und es keine günstigere ökologische Variante für den Gütertransport gibt. Auf langen Strecken ist die Schiene unter Umweltgesichtspunkten unschlagbar. Und: Es gibt in Deutschland 3300 Unternehmen mit eigenem Gleisanschluss. Das zeigt das Potenzial der Schiene – es ist aus unserer Sicht ein nachhaltig wachsender Markt.

Wie unterscheidet sich ein geschlossener Fonds, der in Lokomotiven investiert, von anderen geschlossenen Fonds?

Böcher: Wesentlicher Unterschied ist das große Portfolio an verschiedenen Loks und entsprechend viele unterschiedliche Mieter. Dadurch, so unsere Hypothese, müsste sich das Risiko verteilen und geringer werden. Unsere Idee ist, dass man in Marktschwächephasen dadurch nicht so tief fallen sollte. Das lässt sich durch die vergleichsweise kurze Erfahrung damit noch nicht beweisen. Aber es scheint so zu sein. Insgesamt kalkulieren wir mit einer Auslastung von 90 Prozent.

Wie identifizieren Sie bonitätsstarke Mieter im sehr zyklischen Logistikgeschäft?

Böcher: Wir arbeiten überwiegend mit kommunalen Gesellschaften, etwa Hafengesellschaften, die ziemlich stabil aufgestellt sind. Es gab allerdings vor einigen Monaten auch schon einen Konkurs eines Mieters. Doch durch die Risikostreuung wollen wir solche Ausfälle auffangen.

Kommen Lok-Fonds auch bei Investoren an?

Böcher: Es hat uns selbst überrascht, wie groß die Nachfrage ist. Denn mit dem ersten Portfolio sind wir 2008 kurz vor der Lehman-Pleite gestartet, als neues Emissionshaus und mit einer neuen Assetklasse. Schon bis Ende 2008 hatten wir aber zehn Millionen Euro Investorengelder eingesammelt.

Das lag sicher daran, dass es eine unverbrauchte Investmentstory war und wir nur mit Eigenkapital kalkuliert hatten. Das Paribus Rail Portfolio II haben wir im Dezember 2012 mit 50,4 Mio. Eigenkapital geschlossen. Und im 2. Quartal 2013 werden wir mit dem Paribus Rail Portfolio III an den Markt gehen.

Lockt diese Anlageform besonders Eisenbahnfreaks?

Böcher: Es gibt schon Investoren und Vertriebspartner, die sich sehr gut mit Bahnen und Lokomotiven auskennen. Manche schicken uns sogar Fotos unserer Loks. Das Investment ist natürlich nicht für jedermann gedacht: Die Mindestzeichnungssumme beträgt 10.000 Euro, die Laufzeit mindestens 10 Jahre. Ein Investor sollte sein Vermögen gut gestreut, und er sollte mehr als 10.000 Euro zur freien Verfügung haben, bevor er eine Beteiligung in einem geschlossenen Fonds eingeht.

Wahrscheinlich sind doch bereits die ersten Wettbewerber auf den Plan getreten.

Böcher: Durch die Finanzkrise gab es eine gewisse Zurückhaltung. Bislang gibt es einen Wettbewerber in diesem Segment, demnächst kommt wohl ein weiterer hinzu.

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