Seit dem 1. Januar 2002 gibt es Euro-Bargeld. Was hat die Einheitswährung den Europäern gebracht? Hier zieht Thorsten Polleit, Chefvolkswirt von Degussa Goldhandel, Bilanz.
Lange wurde das Megaprojekt vorbereitet und intensiv die Werbetrommel gerührt. Die Einheitswährung werde, so wurde der europäischen Öffentlichkeit – vor allem den Deutschen – mitgeteilt, die Transaktionskosten senken, die Transparenz der Güterpreise verbessern, Wechselkursschwankungen und Währungskrisen verhindern, und all das trage dazu bei, Wachstum und Beschäftigung zu verbessern und den Frieden in Europa zu sichern. Es lohne sich also, auf die nationale Währungssouveränität zu verzichten und stattdessen ein Einheitsgeld, herausgegeben von einer supranationalen Instanz, der Europäischen Zentralbank (EZB), anzunehmen.
Der Plan, eine Einheitswährung für Europa zu schaffen, wurde mit großer medialer Euphorie und ohne nennenswerte Gegenstimmen in die Tat umgesetzt. Am 1. Januar 1999 führten elf europäische Nationen den Euro ein. Zunächst nur als Buchgeld. Ab 1. Januar 2002 dann auch als Bargeld. Mittlerweile ist der Euro das offizielle Geld von 19 Nationen, mehr als 340 Millionen verwenden ihn. Rechnet man die Länder hinzu, die ihre Währung an den Euro angebunden haben, oder die den Euro für Transaktionszwecke verwenden, hängen mittlerweile mehr als 460 Millionen Menschen an der Einheitswährung.
Dass die Menschen, die sich arbeitsteilig miteinander verbinden und Handel treiben – wie es in Europa der Fall ist –, das gleiche Geld verwenden, ist ökonomisch durchaus sinnvoll. Denn dadurch wird die Wirtschaftsrechnung, die mit Geld ausgeführt wird, bestmöglich ausgeschöpft, die produktive Wirkung des Geldes gewissermaßen optimiert.
Allerdings ist es in diesem Zusammenhang von entscheidender Bedeutung, von welcher Art das Geld ist. Und genau in diesem Aspekt liegt die eigentliche, häufig übersehene Tragik des Euro-Einheitsgeldes. Der Euro ist – wie übrigens alle anderen wichtigen Währungen der Welt wie US-Dollar, chinesischer Renminbi und japanischer Yen – ein sogenanntes „Fiat“-Geld.
Bei Fiat-Geld handelt sich um staatlich monopolisiertes Geld, das vorzugsweise per Kreditvergabe „aus dem Nichts“ in Umlauf gebracht wird, und das in bunt bedruckten Papierscheinen und in Form von Bits & Bytes auf Computer-Festplatten existiert.
Fiat-Geld leidet unter einer Reihe ökonomischer und ethischer Defekte. Es ist inflationär, verliert seine Kaufkraft im Zeitablauf ein. Es sorgt für nicht-marktkonforme Umverteilung von Einkommen und Vermögen. Es verursacht Wirtschaftsstörungen („Boom und Bust“), und es treibt die Volkswirtschaft, die es verwendet, in die Überschuldung – nicht nur Private und Banken, sondern vor allem auch Staaten.