Wilfried Wendt

Wilfried Wendt

Tiberius-Manager wetten auf steigende Zinsen

„Das Pendel bei Anleihen wird umschlagen – und zwar heftig“

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DER FONDS: Ihr Mischfonds Perpro-Universal AA2 ist Mitte 2013 mit Rückenwind und viel Vorschusslorbeer gestartet, hat 2014 aber das selbst gesteckte Performance-Ziel von 6 Prozent deutlich verfehlt. Woran hat’s gelegen?

Wilfried Wendt: Wir haben zwei Performancequellen – Anleihen und Aktien. Die Anleihe-Positionierung ist dabei rein passiv, und wir setzen in diesem Bereich schon seit längerer Zeit auf steigende Zinsen. So war der Fonds nahezu das ganze Jahr 2014 hindurch zu 45 Prozent short in 30-jährigen Staatsanleihen.

Was die schwache Performance bereits zu einem großen Teil erklären dürfte – die Anleihe-Renditen sind 2014 schließlich noch ein ganzes Stück weiter gefallen.

Wir waren mit dieser Positionierung eindeutig zu früh dran, das stimmt leider. Letztlich hat uns das bislang seit dem zweiten Quartal 2014 rund 8,5 Prozent Rendite gekostet. Aber auf dem aktuellen Zinsniveau habe ich kein schlechtes Gefühl mehr. Irgendwann wird das Pendel bei den Anleihen in die andere Richtung ausschlagen – und zwar heftig. Dann werden viele Portfolios schlecht aussehen, die 2014 noch einmal massiv an der Rally verdient haben. Wir dagegen werden ordentlich Geld verdienen.

Was macht Sie so sicher, dass Ihre Strategie aufgeht? Zumindest in Europa deutet derzeit nichts in diese Richtung. Manche Marktteilnehmer erwarten sogar negative Zinsen.

Wir lassen uns von der Vernunft leiten. Würden Sie Ihr Geld der deutschen Regierung für 30 Jahre anvertrauen, wenn Sie dafür weniger als ein Prozent Rendite bekommen? Wenn man die Sache unter diesem einfachen Aspekt betrachtet, ist klar, dass die aktuelle Entwicklung nicht gesund sein kann. Die Leute, die solche Papiere momentan kaufen, entscheiden nicht mehr frei, sondern weil sie einem Druck ausgeliefert sind. Als Fondsmanager in der Asset-Klasse Anleihen müssen sie am Jahresende die Benchmark geschlagen haben. Im Grunde sehen viele Marktteilnehmer Anleihen ähnlich negativ wie wir. Nur wenige trauen sich aber, dies auch wirklich umzusetzen und short zu gehen.

Und was machen Sie, wenn die Zinswende 2015 nicht kommt?

Dann warten wir einfach weiter – irgendwann wird sie kommen. Das zeigen langfristige Zinstrends, zum Beispiel in Japan. Dort tendierten die Renditen schon in den 90er Jahren Richtung Null. Aber es kam auch immer wieder zu massiven Gegenbewegungen – gerade am langen Ende. Da ist eine Bewegung von 0,9 Prozent auf 2,5 Prozent, wie wir sie aktuell bei 30-jährigen Bundesanleihen erwarten, gar nicht so viel.

Bis auf weiteres müssen Sie Ihre Performance also auf der Aktienseite holen. Wie gehen Sie dabei vor?

Da investieren wir in den Index – vor allem in den Euro Stoxx 50, aber auch in den S&P 500 und den Nikkei 225. Der maximal erlaubte Aktienanteil des Fonds liegt bei 100 Prozent. Im Ernstfall dürfen wir aber auch dort bis zu 50 Prozent short gehen. Über die vergangenen sechs Jahre lag die Quote im Schnitt bei 22 Prozent, bei einer Bandbreite von plus 65 Prozent und minus 20 Prozent.

Wie kommt die jeweilige Gewichtung zustande?

Wir nutzen ein Scoring-Modell, bei dem wir uns zum Beispiel anschauen, wie sich die Notenbankpolitik sowie Sentiment und Konsensbildung als auch neue Themen auf die Asset-Klasse Aktien auswirken. Auf Basis des US-Marktes analysiert das Modell, ob das gesamte Umfeld günstig für Aktien ist oder nicht. Anschließend prüfen wir, ob dies auch für die europäischen Märkte zutrifft und entscheiden dann, ob wir die Aktienquote anheben oder senken.

Und – wie lautet Ihre Einschätzung derzeit?

Der Markt ist zwar weit gelaufen, aber wir sind positiv für Aktien. Die unterschiedliche Zinspolitik in den USA und Europa wird gerade die europäischen Märkte in den kommenden Wochen und Monaten weiter befeuern. Deshalb sind wir hier mit etwa 30 bis 35 Prozent long – was für unseren Fonds schon relativ viel ist. Trotzdem überlegen wir momentan, ob wir die Quote nicht noch ein Stückchen höher fahren sollen.

Was müsste passieren, damit Sie es tun?

Unter anderem kommt es darauf an, wie die Börsen auf die Themen Ukraine und Griechenland reagieren. Da prasseln viele Belastungsfaktoren auf den Markt ein. Trotzdem korrigieren die Kurse kaum. Im Umkehrschluss bedeutet das: Lösen sich die Probleme auf, dürfte es einen massiven Sprung nach oben geben. Das Grundumfeld für Aktien ist weiter massiv positiv – vor allem, weil es kaum Alternativen gibt. Der Bullenmarkt wird unseres Erachtens erst enden, wenn es auf der Anleihe-Seite einen Faktor gibt, der das Ganze zum Kippen bringt.

Wie sieht vor diesem Hintergrund Ihre konkrete Renditeerwartung für 2015 aus?


Wenn wir davon ausgehen, dass Anleihen in diesem Jahr insgesamt negativ performen, dann werden wir dort eine Rendite von 2 bis 4 Prozent erzielen. Auf der Aktienseite waren es in der Vergangenheit immer mindestens 6 Prozent, in der Spitze sogar bis zu 19 Prozent. Da müssten wir 2015 unter dem Strich unser Ziel von 6 Prozent deutlich erreichen.

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