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Vermitteln mit Mittelsmann Das sind die Vorteile und Fallstricke beim Tippgeber-Modell

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Der VSAV bietet Mitgliedern einen umfangreichen VSH-Schutz, in der Mitgliedschaft enthalten ist auch ein Strafrechtsschutz. Als Vermittler tritt das Unternehmen Conav auf, an dessen Spitze ebenfalls Barth steht. Der VSH-Experte will erfahren haben: In Streitfällen werden Vermittler, die eigentlich nur den Tipp gegeben haben, durch scharfe anwaltliche Formulierungen mitunter sogar strafrechtlich angeklagt. „Es wurden sogar schon Strafverfahren anberaumt, um Vermittler in Bedrängnis zu bringen oder um Wettbewerber zu blockieren“, sagt Barth.

Letztlich wird jedoch auch das Thema VSH – ebenso wie die Abgrenzung zwischen Tippgeberschaft und Vermittlung – überhaupt nur dort virulent, wo es zu einem Rechtsstreit kommt. Und der bleibt gemeinhin die Ausnahme. Allerdings sollte sich jeder Vermittler, der auch als Tippgeber arbeitet, mit den Grenzen des Tippgeber-Modells auskennen.

Tippgeberschaft kommt nicht allein im Investment-Bereich vor, sondern auch im Dunstkreis der Versicherungen. Auch dort sollten sich Tippgeber tunlichst im erlaubten Rahmen bewegen. Wer keine Erlaubnis als Versicherungsvermittler besitzt, darf nicht an der Verwaltung und Erfüllung von Versicherungsverträgen mitwirken, insbesondere im Schadensfall. Auch wer auf einer Internetseite über Versicherungen informiert und Interessenten gleichzeitig ermöglicht, die Policen auch dort zu kaufen, gilt nicht mehr als Tippgeber, sondern als Vermittler.

Die Regel haben in der Vergangenheit vor allem einige Vergleichsportale zu umgehen versucht. Auch der Kaffeehändler Tchibo wurde vom Bundesgerichtshof bereits in die Schranken gewiesen (siehe Kasten). Nachdem der Bundesgerichtshof das Geschäft 2013 untersagte, bietet Tchibo aktuell erneut Haftpflicht-, KFZ-, Zahnzusatz- und Tierversicherungen an, diesmal mit einer Erlaubnis nach Paragraf 34d Gewerbeordnung. Tchibo ist jetzt Versicherungsvertreter des Hamburger Versicherers Hansemerkur.

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Bei den Maklerpools hat man sich auf das Tippgeber-Geschäft schon lange eingestellt. Bislang sei das Modell bei der Vermittlung von Versicherungen noch verbreiteter als im Investmentbereich, beobachtet JDC-Chef Sebastian Grabmaier.

Zur JDC-Gruppe gehört der Maklerpool Jung, DMS & Cie. Allerdings könnte sich das Verhältnis in Zukunft noch wenden. „Falls Finanzanlagenvermittler wirklich der Bafin unterstellt werden sollten, kann ich mir vorstellen, dass auf einen Schlag mehrere tausend Tippgeber neu hinzukommen“, schätzt Grabmaier. Hintergrund sind die Pläne der Großen Koalition, Finanzanlagenvermittler und Honorar-Finanzanlagenberater nicht mehr von den Industrie- und Handelskammern, sondern von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) beaufsichtigen zu lassen. Jeder zweite Profi würde dann sein 34f-Geschäft aufgeben, hat der Bundesverband Finanzdienstleistung in einer Umfrage ermittelt. Viele Vermittler würden sich wohl auf den Bereich Versicherungen verlegen, das Finanzgeschäft aber nebenher als Tippgeber weiterverfolgen, vermutet Grabmaier. Die Bedingungen sind günstig: Alle großen Pools bieten mittlerweile standardisierte Vermögensverwaltungen an, die auch Tippgeber ohne Lizenz an den Kunden bringen können.

Versicherungsvermittler, die nebenher Vermögensverwaltungen empfehlen, betrieben ein nachvollziehbares Geschäftsmodell, findet Grabmaier. Immerhin seien sie bereits im weiteren Thema Finanzen zu Hause. Ganz im Gegensatz etwa zu Großvertrieben, die neben Nahrungsmittelzusätzen vielleicht noch Vermögensverwaltungen ins Programm nähmen und als Tippgeber aufträten – was grundsätzlich zulässig ist. Allerdings schwinde mit der fehlenden Aufsicht im Tippgeber-Bereich auch ein Stück Verbraucherschutz, gibt Grabmaier zu bedenken. Finanzanlagenvermittler neu regulieren zu wollen, sei daher der falsche Ansatz. Der Gesetzgeber erreiche damit das Gegenteil dessen, was eigentlich als Absicht hinter der Bafin-Aufsicht für 34f-Vermittler steckt.

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