Top-Finanzberaterin über die Riester-Rente "Riestern hat tatsächlich nur wegen seiner staatlichen Förderung Sinn“

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WhoFinance: Welche Bedenken äußern Ihre Kunden im Vorfeld eines möglichen Abschlusses der Riester Rente?

Gabriela Keinert: Das sind nicht überraschenderweise genau die Punkte, die auch in den Medien immer wieder aufgegriffen werden: hohe Kosten, hohe bürokratische Anforderungen, eine geringe Rendite und für einige auch das Risiko, dass die private Vorsorge später auf eine staatliche Grundsicherung angerechnet wird. Alle diese Bedenken haben durchaus ihre Berechtigung. Deshalb ist es ja so wichtig, im Vorfeld die Wünsche und Ziele zu erfragen sowie auf die Möglichkeiten und Einschränkungen hinzuweisen und einzugehen. Wie alles im Leben hat eben auch die Riesterrente ihre zwei Seiten.
WhoFinance: Äußern Kunden, die bereits eine Riester Rente abgeschlossen haben, Ihnen gegenüber nachträgliche Zweifel oder gar Ärger? Wenn ja, welche sind das?

Gabriela Keinert: Die sogenannte „Nachkaufreue“ ist ein psychologisches Phänomen, das uns allen wohl aus der einen oder anderen Kaufentscheidung bekannt ist. Dies gilt umso stärker für eine so langfristige und im Moment wenig greifbare Entscheidung wie einen über Jahrzehnte (Anspar- & Entsparphase) laufenden Rentenvertrag.
Ärger gibt es in der Praxis häufig dann, wenn sich zum Teil erst nach Jahren herausstellt, dass wegen geänderter Lebensumstände (familiärer oder beruflicher Status, Einkommen, Kinderzahl) Zulagen und Steuerermäßigungen (teilweise) zurückgebucht werden und eine Korrektur im Nachhinein häufig nicht mehr möglich ist. Deshalb kommt der laufenden Begleitung der Kunden über die gesamte Ansparphase eine so große Bedeutung zu. Denn klar ist eins: „riestern“ hat tatsächlich nur wegen seiner staatlichen Förderung Sinn.

WhoFinance: Nehmen wir einmal an, Sie hätten die folgenden drei Kunden in einem Beratungsgespräch zur Altersvorsorge: Einen fünfundfünfzigjährigen Facharbeiter, eine vierzigjährige Verwaltungsbeamtin und einen zwanzigjährigen Kaufmann für Bürokommunikation. Welchem dieser drei würden Sie den Abschluss einer Riester Rente empfehlen und warum?

Gabriela Keinert: Um eine sach- und kundengerechte Empfehlung aussprechen zu können, fehlen hier natürlich die bereits erwähnten individuellen Wünsche und Ziele und vor allem auch der Überblick über die bisher ergriffenen Maßnahmen zur Altersversorgung. Aber von dieser Papierform ausgehend, würde ich allein wegen der noch verbleibenden Ansparzeit sowohl der Beamtin als auch dem 20jährigen Kaufmann den Abschluss nahelegen. Letztgenanntem allein schon wegen der zusätzlichen „Junge-Leute-Einsteigerförderung“ von 200 € im ersten Jahr (zusätzlich zur Grundzulage von 154 € und nur vor vollendetem 25. Lebensjahr). Auch Beamte überschätzen regelmäßig ihre Pensionsansprüche, die sicher auf hohem Niveau doch durch diverse Reformen reduziert wurden. Und gehörte die unter Umständen jüngere Ehefrau des 55. Jährigen Facharbeiters nicht zum unmittelbar förderberechtigten Personenkreis (zum Beispiel als Hausfrau) und ergäbe sich eine Förderberechtigung nur durch einen ergänzenden Vertrag (mit 60 € Eigenbeitrag p.a.) zu einem Vertrag des Ehemannes, dann sähe ich auch hier eine effiziente Möglichkeit, die in der Regel geringeren Rentenansprüche der Frau(en) zu ergänzen.

WhoFinance: Wer ist aus Ihrer Sicht der „ideale“ Kunde für eine Riester Rente und warum?

Gabriela Keinert: Der „ideale“ Riester-Kunde ist sicher der, für den sich aus dem Verhältnis zwischen Eigennettoaufwand (also Bruttoaufwand bereinigt um die Förderung) und der Nachsteuernettorente das beste mathematische Verhältnis ergibt. Das aber nur unter der Bedingung, dass er gleichzeitig auch mit den Einschränkungen der Riesterrente (eingeschränkte Flexibilität, notwendige Beitragsgarantie, bürokratischer Aufwand) leben kann. Und dass der Kunde dann idealerweise neben aller Individualität auch noch an den Vorteilen des Kollektivsparens partizipiert, nämlich einer Lebenserwartung über dem Durchschnitt aller Versicherten.

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