Cybervorfälle wie Ransomware-Attacken, Datenpannen und IT-Ausfälle sind für Unternehmen in Deutschland in diesem Jahr das Top-Geschäftsrisiko. Das geht aus dem „Allianz Risk Barometer 2024“ hervor, für das mehr als 3.000 Risikoexperten aus 92 Ländern befragt wurden. Demnach zählen 44 Prozent (2023: 40 Prozent) Cybervorfälle zu den drei größten Risiken.

Betriebsunterbrechung nicht mehr Top-Risiko hierzulande

Die damit eng verknüpften generellen Betriebsunterbrechungen folgen auf dem zweiten Platz, fallen in ihrer Bedeutung aber im Vorjahresvergleich deutlich – von 46 auf 37 Prozent. Noch drastischer ist der Rückgang beim Thema Energiekrise. Hier sehen viele Experten offenbar eine Entspannung. Nach 32 Prozent im Vorjahr beurteilen nur noch 17 Prozent die Energieknappheit als eines der drei Top-Risiken. 

Fachkräftemangel in Deutschland überdurchschnittlich großes Risiko

Auffällig ist laut der Autoren, dass in Deutschland der Fachkräftemangel als großes Risiko wahrgenommen wird. Hierzulande liegt er auf Platz 4. Damit steigt er gegenüber dem Vorjahr um zwei Positionen auf. Dabei seien Datenexperten besonders schwer zu finden, was sich im Hinblick auf den Umgang mit Cyberattacken wiederum als Problem erweise. Weltweit erreicht der Fachkräftemangel in der Risiko-Rangliste lediglich Platz 10.

Einen höheren Stellenwert als im globalen Vergleich haben in Deutschland auch Änderungen von Gesetzen und Vorschriften – etwa Zölle, Sanktionen oder protektionistische Bestrebungen. Sie liegen mit 23 Prozent auf Platz 3 der Top-Risiken. Erst dahinter folgen Themen wie Naturkatastrophen und der Klimawandel. Auch ein bislang in Deutschland nicht in der Rangliste auftauchendes Risiko ist auf Platz 9 vorgerückt: politische Risiken und Gewalt. Die makroökonomische Entwicklung liegt erst auf Platz 10 (2023: Platz 6).

Die Zahlen geben an, wie oft ein Risiko als Prozentsatz aller Umfrageantworte ausgewählt wurde. Alle Befragten konnten bis zu drei Risiken pro Branche auswählen, weshalb sich die Zahlen nicht auf 100 Prozent summieren. Quelle: Allianz Commercial

Weltweit sind Cybervorfälle (36 Prozent) zum dritten Mal in Folge – und erstmals mit deutlichem Abstand von fünf Prozentpunkten – das Hauptrisiko für Unternehmen. In insgesamt 17 Ländern stufen Experten Gefahren durch Cyberattacken als größtes Risiko ein. 59 Prozent der Befragten nennen Datenpannen als die am meisten besorgniserregende Bedrohung, noch vor Angriffen auf kritische Infrastruktur oder Vermögenswerte mit 53 Prozent. Ransomware-Attacken treiben ebenfalls mehr als die Hälfte der Unternehmen um, da diese im vergangenen Jahr deutlich zugenommen hätten.

2023 sind entsprechende Schadenfälle gegenüber 2022 um mehr als 50 Prozent gestiegen, so die Studienautoren. „Kriminelle suchen stets Mittel und Wege, um neue Technologien, wie Generative AI, zur Automatisierung und Beschleunigung von Angriffen mit effektiverer Malware und Phishing einzusetzen. Die steigende Anzahl an Vorfällen aufgrund von schwacher Cybersicherheit, hauptsächlich bei mobilen Endgeräten, wird in diesem Jahr erneut die Anzahl der Cybervorfälle erhöhen. Fehlende Cyber-Fachkräfte und die zunehmende Abhängigkeit kleinerer Unternehmen von IT-Outsourcing befeuern diesen Trend“, sagt Scott Sayce, globaler Chef für den Cyber-Bereich (Global Head of Cyber) bei Allianz Commercial.

Hohe Abhängigkeit von Lieferketten bleibt bestehen

Störungen von Lieferketten sind nach der Corona-Pandemie zwar seltener geworden, dennoch bleiben Betriebsunterbrechungen mit 31 Prozent das zweitgrößte Risiko für Unternehmen weltweit. Das Ergebnis verdeutliche die zahlreichen Verflechtungen in einer immer volatileren Welt und die hohe Abhängigkeit von Lieferketten bei kritischen Produkten oder Dienstleistungen, heißt es von Allianz Commercial. Unternehmen sollten ihre Prioritäten im Risikomanagement 2024 in der Sicherstellung der Geschäftsfähigkeit, dem Identifizieren von Engpässen in der Lieferkette und dem Aufbau alternativer Zulieferer sehen.

Naturkatastrophen gewinnen global weiter an Bedeutung 

Naturkatastrophen steigen im diesjährigen „Risk Barometer“ global gesehen mit 26 Prozent von Platz 6 auf Platz 3. Das liegt aus Allianz-Sicht an vielen „Rekorden“ im Jahr 2023. Es war zum Beispiel das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Außerdem überstiegen Versicherungsschäden zum vierten Mal in Folge die Marke von 100 Milliarden US-Dollar.

 

Unternehmensrisiken auf dem Weg zur Klimaneutralität werden steigen

Physische Schäden an Unternehmenswerten durch Extremwetterereignisse seien im Zuge des Klimawandels die Hauptbedrohung. Betroffen sind laut Studie vor allem Versorger sowie Energie- und Industrieunternehmen. „Es ist zu erwarten, dass Unternehmensrisiken auf dem Weg zur Klimaneutralität und Haftungsrisiken steigen werden, da Firmen viel Geld in neue, häufig kaum bewährte Technologien mit geringem CO₂-Ausstoß investieren müssen, um ihr Geschäftsmodell zu transformieren“, so die Autoren.

Es gebe jedoch auch Grund zur Hoffnung unter den Befragten. Makroökonomische Entwicklungen fallen nach den teils heftigen wirtschaftlichen Ausschlägen der Covid-Jahre mit 19 Prozent von Platz 3 auf 5.  Daten von Allianz Research zeigten, dass die Wachstumsaussichten jedoch mau sind und 2024 weltweit kaum mehr als ein zweiprozentiges Wachstum zu erwarten ist. Für Deutschland seien die Aussichten noch schlechter: Allianz Research prognostiziert hierzulande ein Wachstum von nur 0,5 Prozent.

Kleine Unternehmen tun sich bei Risikovorsorge schwer

Eine weitere Feststellung der Studie: Unternehmen aller Größen teilten weltweit die gleichen Sorgen, aber trotz identischer Risikowahrnehmung vergrößere sich der Abstand zwischen großen und kleinen Unternehmen in Hinblick auf ihre Resilienz. Die Corona-Pandemie habe insbesondere große Unternehmen für ein erhöhtes Risikobewusstsein und damit verbundene Maßnahmen zur Steigerung der Resilienz sensibilisiert.

Kleinere Firmen hätten dagegen häufig weder die Zeit noch die Ressourcen, um eine größere Anzahl von Risikoszenarien zu entwickeln und sich effektiv darauf vorzubereiten. In der Folge dauere es bei ihnen länger, das Geschäft nach einem unerwarteten Vorfall wieder auf Kurs zu bringen.