Das Jahr 2024 brachte deutschen Vollzeitbeschäftigten mehr Geld: Der Medianverdienst stieg auf 4.013 Euro brutto monatlich – ein Plus von 217 Euro gegenüber dem Vorjahr. Auch die Kaufkraft nahm zu: Während die Verbraucherpreise um 2,2 Prozent zulegten, erhöhten sich die Medianentgelte um beachtliche 5,7 Prozent. Nach Jahren der inflationsbedingten Kaufkraftverluste können Beschäftigte wieder mehr von ihrem Einkommen profitieren.
Die Daten stammen aus der aktuellen Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit, die sämtliche sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten erfasst. Der verwendete Median teilt alle Gehälter in zwei gleiche Hälften und ist weniger anfällig für Verzerrungen durch Extremwerte als der Durchschnittswert.
Finanz- und Versicherungsbranche: Spitzenreiter bei den Gehältern
Am besten ging es dabei den Fach- und Führungskräften in der Finanz- und Versicherungsbranche: Mit einem Mediangehalt von 5.860 Euro führt sie das Ranking der bestbezahlten Wirtschaftszweige an – noch vor der IT-Branche mit 5.567 Euro. Damit verdienen Beschäftigte in Finanz- und Versicherungsunternehmen fast 1.850 Euro mehr als der bundesweite Durchschnitt aller Vollzeitbeschäftigten.
| Gehaltsgruppe | Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigten | Anteil |
| bis 2.000 € | 8.734 | 1,4% |
| 2001 bis 3000 € | 28.302 | 4,4% |
| 3001 bis 4000 € | 74.005 | 11,5% |
| 4001 bis 5000 € | 108.037 | 16,8% |
| 5001 bis 6000 € | 119.390 | 18,5% |
| über 6000 € | 305.498 | 47,5% |
Quelle: Bundesagentur für Arbeit
Bei einer detaillierteren Betrachtung der Tätigkeitsfelder landen Versicherungs- und Finanzdienstleistungsberufe mit einem Mediangehalt von 5.797 Euro auf Platz drei aller Berufsgruppen – nur übertroffen von der Humanmedizin (7.372 Euro) und IT-Berufen (5.907 Euro).
Fast die Hälfte der 478.000 Beschäftigten in diesem Kernbereich (46 Prozent) verdient mehr als 6.000 Euro brutto monatlich. Gleichzeitig arbeitet nur ein Prozent im Niedriglohnbereich unter 2.000 Euro.
| Gehaltsgruppe | Anzahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigten | Anteil |
| bis 2.000 € | 4.655 | 1,0% |
| 2.001 bis 3.000 € | 16.018 | 3,3% |
| 3.001 bis 4.000 € | 56.168 | 11,7% |
| 4.001 bis 5.000 € | 85.351 | 17,8% |
| 5.001 bis 6.000 € | 96.271 | 20,1% |
| über 6.000 € | 219.943 | 46,0% |
Die regionalen Unterschiede fallen auch in der Finanz- und Versicherungsbranche deutlich aus: Beschäftigte in westdeutschen Unternehmen verdienen durchschnittlich rund 550 Euro mehr als ihre Kollegen in den östlichen Bundesländern. Diese überdurchschnittlich große Lohndifferenz zwischen den Landesteilen zeigt sich in ähnlicher Ausprägung nur im verarbeitenden Gewerbe und im Bausektor.
Qualifikation und Bildung bringen bis zu 3.000 Euro mehr Gehalt
Die Bedeutung von Ausbildung und Qualifikation für das Einkommen wird in den aktuellen Zahlen besonders deutlich: Fachkräfte verdienen im Median 857 Euro mehr als ungelernte Hilfskräfte. Noch drastischer fällt der Unterschied bei Akademikern aus, die fast 3.000 Euro mehr erhalten als Beschäftigte ohne Berufsabschluss.
Dieser Aspekt dürfte auch die Gehälter in der Finanz- und Versicherungsbranche mit ihren vielfältigen Anforderungsprofilen erklären. Die sehr niedrige Quote von Geringverdienern in Versicherungs- und Finanzdienstleistungsberufen (nur 1 Prozent unter 2.000 Euro) spiegelt die hohen Qualifikationsanforderungen wider: Von der kaufmännischen Ausbildung über spezialisierte Fachbereiche wie das Aktuariat bis hin zur Rechts- und Unternehmensberatung erfordert die Branche fundiertes Fachwissen, das entsprechend honoriert wird.
Fachkräftemangel treibt Löhne in Engpassberufen
Der deutsche Arbeitsmarkt verzeichnete 2024 durchschnittlich 1,4 Millionen offene Stellen bei gleichzeitig 2,79 Millionen Arbeitslosen. Diese scheinbar paradoxe Situation erklärt sich durch den Qualifikationsmangel: Während über 20 Prozent der Arbeitslosen keine formale Qualifikation besitzen, richten sich die meisten Stellenausschreibungen an Menschen mit Berufs- oder Hochschulabschluss.
In Engpassberufen führt der Fachkräftemangel zu überdurchschnittlichen Lohnsteigerungen. Zwischen 2021 und 2023 verzeichneten beispielsweise Fachkräfte in Gastronomie und Hotellerie Gehaltszuwächse von mehr als 25 Prozent. Gleichzeitig wächst der Anteil ausländischer Fachkräfte: Bereits heute besitzt fast jeder sechste sozialversicherungspflichtig Beschäftigte eine ausländische Staatsangehörigkeit.
Gender Pay Gap: In Ostdeutschland verdienen Frauen mehr als Männer
Der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen, das sogenannte Gender Pay Gap, ist nach wie vor groß: Bundesweit verdienen Männer im Median 345 Euro im Monat mehr als Frauen. Allerdings werden Frauen nicht in ganz Deutschland benachteiligt: In Ostdeutschland verdienen Frauen im Mittel sogar 105 Euro mehr als Männer. Dies dürfte vor allem an den niedrigeren Männergehältern im Osten liegen, da industrielle Großbetriebe mit überdurchschnittlichen Löhnen und hohem Männeranteil überwiegend in den westlichen Bundesländern angesiedelt sind.




