Martin Siegel, Geschäftsführer der Fondsboutique Stabilitas und Oleg Biryulyov, Manager des JPM Russia

Martin Siegel, Geschäftsführer der Fondsboutique Stabilitas und Oleg Biryulyov, Manager des JPM Russia

Tops & Flops 2014

Goldminen holen auf, Russland stürzt ab

„Eine Verdreifachung bis Ende 2015 ist locker drin

Im Interview: Martin Siegel

DER FONDS:
Fast 40 Prozent Plus in zwei Monaten – war es das erstmal wieder bei Goldminenaktien?

Martin Siegel: Möglich, dass einige Anleger jetzt Gewinne mitnehmen. Aber vor dem Hintergrund, dass der faire Goldpreis eigentlich bei 1.800 Euro liegt, ist noch weit mehr drin. Verglichen mit der Entwicklung in den Jahren 2009 bis 2011 können sich viele Aktienkurse bis Ende 2015 vom heutigen Niveau aus locker noch einmal verdreifachen. DER FONDS: Im Sommer 2013 sind Goldaktien ebenfalls sehr schnell gestiegen, dann aber prompt wieder hart gelandet. Was ist dieses Mal anders?

Siegel: Damals waren die Umsätze viel geringer. In den vergangenen vier Wochen hingegen ging es sogar dann noch weiter nach oben, als die Minen für mittlerweile mehr als eine Milliarde Dollar neues Kapital platziert haben. Die Nachfrage ist also da.

DER FONDS:
Trotzdem bleibt die Lage in der Minen-Industrie kritisch.

Siegel: Unter dem Eindruck jahrelang steigender Preise haben viele Gesellschaften eher schlecht als gut gewirtschaftet. Das rächt sich im aktuellen Umfeld. Manche Manager haben jedoch sehr schnell ihre Produktion gedrosselt und die Kosten angepasst. Und die werden auch in Zukunft sehr genau abwägen, bevor sie neues Geld ausgeben. Ein gutes Zeichen für den nächsten Aufschwung.



DER FONDS: Sie setzen bei all Ihren Goldfonds den Schwerpunkt auf Australien. Warum?

Siegel: Zum einen, weil ich diesen Markt und seine Akteure seit Jahrzehnten kenne. Zum anderen sind australische Minen nicht schlechter als kanadische oder US-amerikanische – was ihre jüngste Performance be-stätigt. Firmen wie Kingsgate oder Evolution zahlen hohe Dividenden, und vergleichbare US-Produzenten sind deutlich teurer. Doch natürlich gibt es nach der jahrelangen Talfahrt auch in Nordamerika noch immer großartige Kaufgelegenheiten.



„Russische Aktien sind derzeit konkurrenzlos günstig"

Im Interview:
Oleg Biryulyov

DER FONDS:
Wie tief können die Kurse in Moskau angesichts der weiter schwelenden Krim-Krise noch fallen?

Oleg Biryulyov: Das kann seriös niemand beantworten. Russische Aktien schwanken generell sehr stark, deshalb meiden viele Anleger den Markt schon seit längerer Zeit. Auch die Rubel-Schwäche schreckt potentielle Investoren ab.



DER FONDS: Wird die Zentralbank den Rubel weiter stützen, wenn der Druck zunimmt?

Biryulyov: Davon gehe ich aus. Sie verfügt derzeit über ausreichend Reserven. Außerdem könnte Russland ähnlich wie jüngst die Türkei regulatorisch eingreifen.

DER FONDS: Was spricht im Moment überhaupt für Russland?

Biryulyov: Vor allem die niedrige Bewer tung. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 4,8 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,6 sind russische Aktien derzeit konkurrenzlos günstig. Sberbank zum Beispiel schafft eine Eigenkapitalrendite von mehr als 20 Prozent, notiert aber mit einem KBV von unter Eins. Auf Dauer wird das keinen Bestand haben.



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