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Tops & Flops: Grenzmärkte sprinten etablierten Schwellenländern davon

Unterschiedlich positioniert: Schroders-Manager Rami Sidani (links) und Carlos von Hardenberg (Franklin Templeton).
Unterschiedlich positioniert: Schroders-Manager Rami Sidani (links) und Carlos von Hardenberg (Franklin Templeton).
Mark Mobius war einer der ersten Fondsmanager, die den neuen Trend erkannt haben. „Die Frontier Markets können die neuen Schwellenländer werden“, ermunterte der Franklin-Templeton-Star Anleger bereits 2007, auf der Börsen-Landkarte bis dato kaum in Erscheinung getretene Länder wie Nigeria, Kasachstan oder Vietnam im Auge zu behalten.

Ein Jahr später legte sein Arbeitgeber den Templeton Frontier Markets (WKN: A0RAKZ) auf, den heute mit einem Volumen von 1,6 Milliarden Euro größten Fonds für die Region. Dessen Anteilspreis hat seit dem Start knapp 90 Prozent zugelegt und damit 25 Prozentpunkte mehr als der MSCI Emerging Markets (WKN: A1JHLY), in dem vor allem Aktien aus China, Korea, Brasilien und Taiwan den Ton angeben.

Auch im laufenden Jahr gehört der von Mobius und Carlos von Hardenberg betreute Templeton Frontier Markets wieder zu den besten Schwellenländerfonds – wenn auch nicht an vorderster Front.

Einige andere, ebenfalls auf Grenzmärkte spezialisierte Produkte der Konkurrenz schnitten noch deutlich besser ab. Allen voran der Schroder Frontier Markets Equity (WKN: A1C9QA), dessen Manager Allan Conway und Rami Sidani mit einem Zuwachs von 27,44 Prozent mehr als doppelt so viel herausholten (siehe Tabelle).



Wo der Vorsprung herkommt, offenbart sehr schnell ein Blick ins jeweilige Portfolio: Während die im Vergleichsindex MSCI Frontier Markets mit 53 Prozent sehr dominanten Länder Kuwait, Katar und Vereinigte Arabische Emirate (VAE) bei Schroders in ähnlicher Größenordnung vertreten sind, machen sie im Templeton Frontier Markets nur 16 Prozent aus. Und vor allem an den VAE-Börsen Abu Dhabi und Dubai schossen die Kurse 2013 in die Höhe, weil das Land 2014 zusammen mit Katar in den MSCI Emerging Markets aufsteigt.

„Viele Manager von indexgebundenen Produkten müssen dort künftig investieren“, erläutert Templeton-Manager von Hardenberg die hohe Nachfrage. Er selbst rechnet die arabischen Scheichtümer jedoch nur bedingt seinem Anlageuniversum zu: „Katar und Abu Dhabi haben mit das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Was ist daran noch Frontier Markets?“

Kuwait wiederum sei für westliche Investoren wegen schlechter Unternehmens-Standards und künstlich hoch gehaltener Aktienkurse gänzlich uninteressant, wenn nicht sogar gefährlich.

Gute Chancen sieht von Hardenberg dagegen weiter in den rohstoffreichen Ländern Afrikas, in Kasachstan („dort haben wir nach den jüngsten Kursverlusten bei unseren Favoriten noch einmal nachgekauft“) und neuerdings auch wieder in Argentinien.

„Allmählich mehren sich die Anzeichen, dass die Ära von Präsidentin Cristina Kirchner zu Ende geht“, hofft er auf eine künftig wieder etwas wirtschaftsfreundlichere Politik.

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Während sich Mobius und von Hardenberg voll und ganz dem Stockpicking verpflichtet fühlen, beziehen Conway und Sidani auch makroökonomische Daten in ihre Anlageentscheidungen ein.

Gleichwohl sehen sie den Vergleichsindex ebenfalls nur als grobe Orientierung. „Derzeit sind 30 Prozent unseres Portfolios außerhalb des MSCI Frontier Markets investiert“, betont Sidani.

In der Regel hält das Duo zwischen 50 und 70 verschiedene Aktien, wobei aktuell auf der Branchenseite vor allem der mit mehr als 55 Prozent gewichtete Finanzsektor dominiert. Deutlich untergewichtet im Vergleich zum Index sind dagegen Telekom-, Industrie- und Konsumtitel.

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