DAS INVESTMENT: Herr von Bartenwerffer, Fisch Asset Management ist in Deutschland nicht jedem ein Begriff. Wofür steht Ihr Haus?
Torsten von Bartenwerffer: Wir sind eine unabhängige Schweizer Asset-Management-Boutique mit klarem Fokus auf Fixed Income. Gegründet wurden wir vor 31 Jahren mit einer einzigen Assetklasse: Wandelanleihen. Dafür sind wir in der Schweiz sehr bekannt, aber auch in Deutschland, und ich würde sagen, wir sind heute einer der größten europäischen Player in diesem Bereich – vielleicht sogar weltweit. Insgesamt verwalten wir heute 4,5 Milliarden Euro, wobei Corporate Bonds mit 2,8 Milliarden mittlerweile den größten Teil ausmachen.
Gerade Wandelanleihen hatten zuletzt schwierige Jahre. Wie stark hat Sie das getroffen?
Von Bartenwerffer: Der Markt ist tatsächlich stark geschrumpft und viele Wettbewerber haben sich aus dem Wandelanleihen-Bereich zurückgezogen. Wir hatten früher über 5 Milliarden Euro in Wandelanleihen, heute sind es noch gut 1,3 Milliarden. Aber relativ zum Gesamtmarkt stehen wir gut da. Interessant ist: In den letzten 18 Monaten wurden fast 200 Milliarden US-Dollar an neuen Wandelanleihen emittiert. Emissionen sind das Lebenselixier dieser Assetklasse.
Was macht Wandelanleihen derzeit so unattraktiv?
Von Bartenwerffer: Die letzten drei Jahre waren die falsche Kombination: Die Aktienmärkte sind extrem gut gelaufen, Fixed Income war relativ verhalten. Wandelanleihen profitieren aber typischerweise von kleineren, innovativen Wachstumsunternehmen. Das ist nicht immer der Fall – es gibt auch große Emittenten –, aber der Markt hat einen Tilt dahin. Diese Sektoren haben in den vergangenen Jahren gelitten.
Das klingt aber so, als ob sich das Blatt wendet.
Von Bartenwerffer: Die Kombination aus sinkenden Zinsen und einer breiteren Marktperformance ist eigentlich fast ein perfektes Umfeld für uns. Das zeigt auch die Performance: Dieses Jahr sind Wandelanleihen je nach Betrachtung besser als Aktien – das erste Mal seit Jahren – und das bei deutlich geringerer Volatilität. Und die Zinssenkungen in den USA haben ja noch nicht einmal richtig begonnen.
Aber ist es nicht so, dass zunehmend weniger profitable Unternehmen Wandelanleihen emittieren, um hohe Zinskosten zu umgehen? Müssen Investoren da nicht vorsichtiger werden?
Von Bartenwerffer: Es gibt immer wieder Unternehmen, die für Schlagzeilen sorgen – und das sind meist nicht die Musterknaben. Wir haben einen ganz klaren Fokus auf Qualität und konzentrieren uns auf Unternehmen, wo die Kreditqualität stimmt. Das ist entscheidend für die Stabilität.
Wer investiert in Ihre Fonds?
Von Bartenwerffer: Unsere Kunden sind hauptsächlich Pensionskassen, Banken und Versicherungen. Interessant ist die Verteilung: 54 Prozent unserer Kunden kommen aus Deutschland, 38 Prozent aus der Schweiz. Bei Fixed Income kommt es auf Basispunkte an – da braucht man relativ viel Firepower. Wir haben 64 Mitarbeiter, davon drei für den Vertrieb in Deutschland. Für Retail hätten wir auch nicht die richtigen Lizenzen. Aber im Wholesale-Bereich, bei Family Offices oder Banken, sehen wir Potenzial.
Nun suchen Sie öffentlich einen strategischen Partner – in einer Branche, die sonst alles hinter verschlossenen Türen verhandelt. Was steckt dahinter?
Von Bartenwerffer: Wir haben eine sehr leistungsfähige Plattform. Wir könnten fünfmal mehr Assets managen, ohne dass die Kosten hochgehen. Nach ein paar schwierigen Jahren für Wandelanleihen haben wir intern viel bewegt – die Geschäftsleitung verschlankt, Prozesse optimiert, das Vertriebsteam ausgebaut. Wir nutzen modernste Technologie wie Blackrocks Aladdin-System und sind komplett cloudbasiert. Jetzt wollen wir das Wachstum beschleunigen.
Kritiker würden sagen: Wer einen Partner sucht, hat die organische Wachstumsstrategie nicht hinbekommen.
Von Bartenwerffer (lacht): So würde ich das nicht ausdrücken. Wir sind ungeduldig im besten Sinne: Wir sind überzeugt, dass wir in den vergangenen zwei Jahren die richtigen Weichen gestellt haben. Es gibt Marktfaktoren, die man nicht beeinflussen kann – wir haben in allen Anlageklassen ein Beta, nicht nur ein Alpha. Alles, was uns hilft, unsere Infrastruktur schneller voll auszulasten, ist gut.
Was für einen Partner suchen Sie denn konkret?
Von Bartenwerffer: Etwa eine große Versicherung, die sowieso Fixed Income macht – entweder selbst oder extern. Für so jemanden wären wir ideal geeignet. Wenn dann noch Vertriebspower dazukommt, umso besser. Wir suchen niemanden, der uns kauft oder verändert. Die Legacy ist für uns und unsere Gründer unglaublich wichtig. Das Unternehmen ist zu 100 Prozent im Besitz der Gründer sowie aktueller und ehemaliger Mitarbeiter. Wir wollen jemanden, der uns für das schätzt, was wir sind.
Was sind Ihre roten Linien?
Von Bartenwerffer: Wir behalten unseren Namen, bleiben unabhängig und bewahren unsere Boutique-Eigenschaften. Kein Restrukturieren, keine Integration irgendwo hinein. Wir sind da selbstbewusst: Unsere unternehmerische DNA und unsere Zielsetzung bleiben erhalten. Unser Balance-Sheet ist groß genug – wir könnten auch noch 20 Jahre alleine weitermachen. Aber wir hätten gerne mehr Assets under Management.
Über den Interviewten:
Torsten von Bartenwerffer ist seit zwei Jahren Geschäftsführer von Fisch Asset Management. Der Portfolio-Management-Experte startete seine Karriere vor 25 Jahren bei der UBS und durchlief verschiedene Stationen bei Banken und Family Offices. Seit vier Jahren ist er bei der Schweizer Boutique, die sich auf Fixed Income spezialisiert hat und 64 Mitarbeiter beschäftigt.