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Aktualisiert am 10.02.2020 - 17:34 Uhrin FondsLesedauer: 9 Minuten

Trauma, Fink und Aladdin Wie Blackrock die Risiken der Märkte bändigen will

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Später klingelte Notenbank-Chef Tim Geithner durch, der die Schrott-Hypothekenpapiere für 30 Milliarden Dollar letztendlich gekauft hatte. Einige weitere derartige Aufträge folgten. Larry Fink stand im Kurzwahlverzeichnis der Finanzszene.

4. Der Preis des Erfolgs


Doch Größe und Einfluss hinterlassen Spuren in der öffentlichen Wahrnehmung. So gilt Blackrock plötzlich als einer der größten Aktionäre der Welt. Nun ja, das bleibt nicht aus, wenn man so viel Geld managt. So ist zum Beispiel Blackrocks Dax-ETF mit 16,6 Milliarden Euro der größte börsennotierte Fonds Europas und muss alle Indextitel im Portfolio halten. Damit wird Blackrock zwangsläufig zum Aktionär von halb Deutschland.

Leider vergessen die Kritiker, dass es sich ausschließlich um Fonds handelt, und der Status als Vermögensverwalter verpflichtet dazu, die Stimmrechte im Sinn der Anleger auszuüben. Alles andere wäre ein Imageschaden sondergleichen. Fink selbst hat mit Stimmrechten gar nichts zu tun, sondern die 20-köpfige Abteilung um Leiterin Michelle Edkins. Sie legt Richtlinien fürs Unternehmen fest und übt Stimmrechte für die passiven Indexfonds aus. Dabei benimmt sie sich Medienberichten zufolge wie ein normaler, interessierter Investor – mit eigener Meinung, aber ohne Hang zu Krawall oder gar Revolution.

Ein weiterer Stressfaktor für Blackrock: Das Financial Stability Oversight Council, eine Art Behörde zum Schutz der Finanzmärkte, prüfte bis vor kurzem, ob es die größten Vermögensverwalter Amerikas als systemrelevant einstuft. Das hätte insbesondere Vanguard, State Street und Fidelity betroffen – und eben Blackrock.

Nur warum? Weil die Gesellschaft für andere Anleger 4,6 Billionen Dollar managt? Weil sie für weitere 60 Anleger Marktdaten und Risikoanalysen liefert? Blackrock handelt keine Wertpapiere auf eigene Rechnung. Und wenn man die - besicherten – Wertpapierleihgeschäfte herausrechnet, ist die Bilanzsumme 15-mal kleiner als jene von Lehman Brothers kurz vor der Pleite. Die Eigenkapitalquote liegt bei 62 Prozent.

Investmentfonds tauchen naturgemäß überhaupt nicht in einer Unternehmensbilanz auf, Verluste gehen auf Kosten der Anleger. Und auch hier streut sich das – zugegebenermaßen riesige – Gesamtvermögen über viele Fonds mit vielen Managern und ebenso vielen Meinungen.

Sollte Blackrock pleitegehen, bekommen Anleger ihre Fonds zurückgezahlt und müssen sich eine neue Fondsgesellschaft suchen. Es bedarf schon einiger Fantasie, um hier eine Gefahr für das System herauslesen zu wollen. Und ein Blick auf 2008 zeigt nach wie vor, welche Art von Unternehmen die gefährlichsten Pleiten hingelegt hat: Investmentbanken mit ihrem ausgeprägten Eigenhandel, nicht Vermögensverwalter.

Doch die Diskussion um Systemrelevanz hat schon einen konkreten Effekt ausgelöst: Fink will jetzt erst einmal keine größeren Unternehmen mehr zukaufen. Blackrock soll zunächst aus eigener Kraft wachsen. Die Messlatte liegt bei 5 Prozent Wachstum pro Jahr. Man braucht ja schließlich Ziele.

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Quelle: Blackrock

„Kauft endlich Aktien!“


Für Blackrock-Chef Larry Fink ist es gar keine Frage, wo man heutzutage sein Geld hinpacken sollte. „Kauft Aktien – vor allem mehr hochwertige Dividendenpapiere. Und bitte nicht zu knapp: Man sollte ordentlich in Aktien investieren“, schmetterte er vor zwei Jahren der „FAZ“ entgegen. Sei es ein Fonds von seinem Unternehmen oder der von einem anderen – egal, Hauptsache, die Menschen täten überhaupt mal etwas. Wie kaum ein anderer trommelt Blackrock in den USA für Fondsanlagen als wichtige Form der Altersvorsorge.

Doch auch in Deutschland hat die Gesellschaft einige Produkte auf den Markt gebracht, mit denen sich Finks Forderung gut umsetzen lässt. Schwerpunkte sind dividendenstarke Aktien oder widerstandsfähige Mischungen aus Anleihen und Aktien. Die Tabelle zeigt jeweils zwei Exemplare. Dass sie zum Teil in ihrer noch kurzen Historie hinter den Vergleichsindizes zurückbleiben, muss nicht irritieren. Sie sind risikoarm gemanagt, und Dividendentitel entfalten häufig erst langfristig ihre Wirkung.
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Quelle: Bloomberg - Stichtag: 21. Juli 2014

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