Helge Müller ist Fondsmanager bei Genève Invest. Foto: Genève Invest

Global Income Interest & Dividend

Warum dieser Value-Fonds stark durch Krisen kommt

Allen Abgesängen auf Schnäppchenjäger zum Trotz: Beim Mischfonds Global Income Interest & Dividend sucht Helge Müller vom Vermögensverwalter Genève Invest nach eigenem Bekunden günstige Titel im Sinne einer Value-Strategie. In der Regel liegt die Gewichtung von Aktien und Anleihen bei jeweils 50 Prozent. Die Aktienquote kann Müller allerdings bis auf 70 Prozent erhöhen, derzeit steht sie knapp darunter.

„Wir suchen gezielt Unternehmen, bei denen wir eine Rendite von mindestens 15 Prozent pro Jahr erwarten“, beschreibt der Portfoliomanager seine Aktienstrategie. Die Frage sei dabei, wo eine Firma in fünf bis zehn Jahren stehe. Entscheidend für Müller: Ein tiefer Burggraben, also ein Wettbewerbsvorteil, der den Firmen langfristig hohe Gewinne sichert. Entsprechende Titel wirken oft nicht mehr ganz billig. Der Ansatz, der sich an der Strategie von Value-Urgestein Charlie Munger orientiert, ist damit keine reine Schnäppchenjagd: „Munger war immer der Meinung, dass man für Unternehmen mit sehr hoher Kapitalrentabilität ein bisschen mehr bezahlen kann“, erklärt Müller.

Überdurchschnittlich stark vertreten sind Technologie- und Gesundheitsaktien. Mit knapp 5 Prozent ist Müller etwa beim Online-Medikamentenhändler Zur Rose investiert, der beide Branchen verbindet. Mit den drei Tech-Riesen Alphabet, Paypal und Amazon ist er aber auch im Mainstream der Börse unterwegs.

Ganz anders die Anleihe-Seite. Ins Portfolio kommen Nischen-Themen, Emissionen mit einem Volumen unter 100 Millionen Euro, Anleihen ohne offizielles Rating. Der Fondslenker will Marktverzerrungen nutzen und legt den Fokus auf Branchen, die eine Krise durchlaufen. Eigene Analysen und Treffen mit den Firmen sollen das Ausfallrisiko senken. Zudem achte er auf breite Streuung. Die Laufzeiten liegen im Durchschnitt unter vier Jahren mit Schwerpunkt auf Euro-Titeln.

Derzeit nutzt Müller freigewordene Mittel, um Anleihen von krisengebeutelten Unternehmen nachzukaufen, die nun aber wieder besser dastehen. „Eine Reihe dieser Werte kann man mit 10 bis 30 Prozent Abschlag vom Ausgabekurs noch einkaufen“, sagt der Manager. Ein Beispiel sei das britische Öl- und Gasunternehmen IOG, an dem auch Mungers Beteiligungsfirma Berkshire Hathaway beteiligt ist. Anleihen sollen in vielen Fonds der Vergleichsgruppe lediglich für Sicherheit sorgen, so Müller. „Bei uns müssen die Anleihen hingegen deutlich zur Performance beitragen.“

Von Staatsanleihen mit Negativ-Rendite hält der Fondslenker wenig. Im vergangenen Frühjahr hatte Müller allerdings eine Ausnahme gemacht und sich deutsche und amerikanische Staatspapiere ins Portfolio geholt. Auf Aktienseite setzte er auf Titel, die sich bereits in vergangenen Krisen bewährt hatten, darunter Walmart, Coca-Cola sowie Goldminen- und Immobilienaktien. Mit dieser Strategie ist der Global Income – Interest & Dividend gut durch den Corona-Crash gekommen. Das sei typisch, erklärt Müller. Überdurchschnittlich schneide sein Fonds vor allem bei fallenden Märkten ab, da die Anleihewerte wenig zum Aktienmarkt korreliert seien.

Bis 2018 war der Fonds als Spezialfonds nur für institutionelle Anleger verfügbar. Heute können Privatanleger dagegen problemlos einsteigen. Über fünf Jahre verbucht er ein jährliches Plus von 13,5 Prozent.

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