Graham Robertson

Graham Robertson

Trendfolger Graham Robertson von Man AHL

„Es gibt wieder mehr Geschichten am Markt“

//
DER FONDS: Können Sie mir in drei Sätzen begreiflich machen, wie das Konzept des Man AHL Trend funktioniert?

Graham Robertson: Wir versuchen Geld zu verdienen, indem wir Trends folgen. Wenn Märkte hoch gehen, kaufen wir sie; gehen sie runter, verkaufen wir. Wir werten per Computer historische Daten aus und nutzen rund 350 verschiedene Instrumente, um ein Portfolio zusammenzusetzen, das langfristig gut abschneiden und nahezu keine Korrelation mit Aktien aufweisen soll.

Sind Computer die besseren Fondsmanager?

Sie sind aufmerksamer als Menschen, im Sinne, dass sie faktenbasiert an Dinge herangehen. Computer hatten keinen Drink am Abend zuvor oder einen Streit mit der Ehefrau am Morgen. Sie sind nicht emotional. Computer analysieren einfach Daten, und das ist perfekt für Trends und Trendfolgesysteme, denn die gibt es bereits seit rund 200 Jahren.

Sie sind promovierter Seismologe. Inwieweit kommt Ihnen Ihr Studium bei Ihrer Arbeit zugute?

Es geht immer um Modelle und Zahlen. In unserem Team haben etwa 40 Prozent der Research-Mitarbeiter einen Doktortitel – und zwar aus den verschiedensten Bereichen. Manchmal ist es sehr hilfreich, das Ganze aus einem anderen Blickwinkel oder mit einem anderen fachlichen Hintergrund zu betrachten. Ich zum Beispiel erkenne eine Ähnlichkeit zwischen Charts und seismischen Wellen. Aus seismologischen Modellen kann ich mittels numerischer Verfahren Aufgaben in der realen Welt lösen und im Finanzbereich ist das genauso.

In den drei Jahren bis Anfang 2014 hat das wenig bis gar nicht funktioniert. Woran hat’s gelegen?

Jedes Modell hat seine Grenzen. In dieser Zeit waren die Märkte sehr stark durch die Eingriffe der Zentralbanken geprägt. Immer wenn Ben Bernanke, Janet Yellen oder Mario Draghi etwas gesagt haben, haben sich die Märkte bewegt. Trendfolger brauchen zwei Dinge: zum einen individuelle Märkte mit anhaltenden Trends und zum anderen eine niedrige Korrelation zwischen den einzelnen Teilmärkten. Wir betrachten über 200 Märkte, die sich unterschiedlich entwickeln müssen. In den vergangenen drei Jahren haben sich aber alle Märkte in gleicher Weise bewegt. Darunter hat unsere Performance gelitten.

Seit Anfang Januar hat der Man AHL Trend mehr als 20 Prozent zugelegt. Was hat sich jetzt verändert?

Die Korrelation ist gesunken. In der realen Welt bedeutet das, dass es wieder mehr unterschiedliche Geschichten am Markt gibt. Momentan haben wir zum Beispiel drei Zentralbanken, die unterschiedlich handeln. 2009 hat sich die ganze Welt nach den Anleihekäufen der Federal Reserve gerichtet. Jetzt haben wir die Fed, die ihre Anleihekäufe herunterfährt, während die Bank of Japan gerade mitten in einem Ankaufprogramm steckt und die EZB gerade damit anfängt. Wir haben also nicht mehr nur eine Geschichte, sondern gleich drei. Europäische Anleihen entwickeln sich anders als US-Schatzbriefe und noch mal anders als japanische Papiere. Das eröffnet uns neue Trends und somit mehr Möglichkeiten.

Welche Trends sehen Sie denn momentan genau?


Es gibt wieder einen Trend bei Öl, bei Währungen und bei Gold. Ebenso bei den Rohstoffen, vor allem bei Baumwolle und Weizen. Für uns ist etwa die Entwicklung des Euro gegenüber dem US-Dollar in den vergangenen drei bis sechs Monaten gut gelaufen. Und eben die Anleiheseite: Hat man im Januar oder Februar einen Fondsmanager gefragt, welche Strategie er im Rentenbereich fährt, hat er gesagt: Kurze Laufzeiten, denn die Zinsen werden steigen. Wir haben daran aber nicht geglaubt, denn unser Computersystem hat einen Abwärtstrend signalisiert. So haben wir in diesem Jahr mit Anleihen das meiste Geld verdient.

Haben Sie während der Durststrecke Ihre Strategie geändert oder planen Sie, diese zu ändern?


Nicht wirklich. Wir fügen lediglich weitere und häufig ganz unterschiedliche Instrumente bei der Bewertung hinzu. Statt heute 400 hatten wir 2009 erst 200 Instrumente. Hierbei gehen wir auch ungewöhnliche Wege, um die einzelnen Märkte angemessen abzudecken. Auf der einen Seite machen wir klassische Trendfolge mit Futures und Forwards – etwa auf den Dax, auf Anleihen und Gold. Dieser Bereich ist sehr anfällig für das, was die Zentralbanken sagen. Auf der anderen Seite nutzen wir Futures und Over-the-counter-Geschäfte, um von ganz speziellen Treibern zu profitieren.

Haben Sie ein Beispiel?


Hydroelektrische Energie. Der Preis dafür hängt davon ab, wie viel es beispielsweise in Norwegen regnet. Was Janet Yellen oder Mario Draghi sagen, spielt dagegen kaum eine Rolle.

Was sind Ihre Erwartungen für 2015?

Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass wir bei niedriger Korrelation eine hohe Performance erreichen können – in der Vergangenheit waren das im Schnitt 16 Prozent jährlich. Bei einer hohen Korrelation schafft ein Trendfolger dagegen nur rund ein Prozent. Ferner wissen wir anhand der historischen Daten, dass sich ein Umfeld hoher beziehungsweise niedriger Korrelationen so schnell nicht ändert. Deshalb rechnen wir für 2015 weiter mit Rückenwind und einer attraktiven Rendite.

Mehr zum Thema
Kempen Capital Management„Small Caps sind unsere DNA“