EZB-Chef Jean-Claude Trichet (Foto: EZB)

EZB-Chef Jean-Claude Trichet (Foto: EZB)

Trichet hebt Zinsen – und bleibt wachsam

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Zuerst die neuen Zinssätze: Der Hauptrefinanzierungssatz für Banken steigt von 1,25 auf 1,5 Prozent. Die Spitzenrefinanzierungsfazilität, also der Übernacht-Kredit-Satz bei der EZB, steigt von 2,0 auf 2,25 Prozent. Und die Einlagefazilität, also die kurzfristige Geldanlage bei der EZB, steigt von 0,5 auf 0,75 Prozent.

„Im ersten Quartal ist das reale Bruttoinlandsprodukt um starke 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gewachsen“, verkündet Trichet vor Journalisten. Gedankenspiel: Auf’s Jahr gerechnet entspräche das einem Wirtschaftswachstum um mehr als 3,2 Prozent p.a. (Basiseffekt nicht vergessen). Und so gibt sich auch Trichet zuversichtlich, dass „die wirtschaftliche Aktivität in der Eurozone auch im zweiten Quartal weiterhin expandiert sein wird, wenn auch mit geringerem Tempo“.

Den durchschnittlichen Preisanstieg beziffert Trichet für die Eurozone mit 2,7 Prozent im Juni, verglichen mit dem Vorjahr. „Auch über die kommenden Monate wird die Inflationsrate deutlich über 2 Prozent bleiben“, kündigt Trichet an. 2 Prozent sind für die EZB die magische Zielmarke, bei der die Preise als stabil gelten.

Dies und noch etwas anderes spricht dafür, dass die EZB den Leitzins im Oktober erneut – und dann auf 1,75 Prozent – heben wird. Er sagte die wichtigen Worte: „Wir werden weiterhin sehr genau alle Entwicklungen in Hinblick auf Preisrisiken beobachten.“

„Es sind dieselben Worte, die er schon im April kurz nach dem letzten Zinsanstieg benutzt hat“, kommentiert Marco Valli, Chefvolkswirt für die Eurozone bei Unicredit und geht deshalb ebenfalls von einem weiteren Zinsschritt aus.

Insgesamt allerdings, so Trichet weiter, sei die Geldpolitik noch immer sehr wirtschaftsfreundlich. Sie unterstütze noch immer das Wirtschaftswachstum und neue Jobs.

Historisch gesehen, sind die Leitzinsen tatsächlich noch sehr niedrig. Noch Mitte 2008 hatte Trichet den Hauptrefinanzierungssatz auf 4,25 Prozent gehoben. In einem beispiellosen Rutsch ließ er ihn wenige Monate später bis Mitte 2009 auf 1 Prozent sinken, um Wirtschaft und Geldmarkt zu stützen.

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