Trotz Kursverfall

Pensionsfonds hält Bundesanleihen die Treue

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Dänemarks Pensionsfonds ATP wird die Bundesanleihen in seinem Hauptportfolio nicht verkaufen, nachdem die Anleihekurse im April zur Talfahrt angesetzt haben.

Diese Anlagen seien eine „strategische Absicherung der ATP-Pensionsgarantien“, erklärte ATP-Chef Carsten Stendevad, dessen Pensionsfonds sich um 120 Milliarden Dollar (rund 106 Milliarden Euro) kümmert. „Wir sind daher nicht an einem Verkauf interessiert.“

Seine Äußerungen beziehen sich auf Anleihen in einem Portfolio, das mehr als 80 Prozent der Gesamtanlagen von ATP umfasst. In seinen anderen Portfolios, bei denen der Fonds für höhere Erträge größere Risiken eingeht, „sind wir positioniert, um von den steigenden Zinssätzen zu profitieren“, sagte Stendevad. ATP hielt laut Jahresabschluss Ende 2014 deutsche Staatsanleihen im Wert von 30 Milliarden Dollar, was ihn zu einem der größten Besitzer dieser Schuldpapiere in Europa machte.

ATP bekennt sich zu den Anleihen, die Europas größte Volkswirtschaft emittiert, während die Bondkurse an den Märkten seit Ende April purzeln. Grund sind aufkommende Zweifel der Anleger an der Logik der Renditen, die in einigen Laufzeitbereichen unter null lagen. Zusammen mit den sich wieder erholenden Ölpreisen und der Rückkehr der Inflation trug dies zu einem Stimmungsumschwung bei, der eine Reihe von Marktverwerfungen nach sich gezogen hat, während sich Käufer und Verkäufer um ein neues Gleichgewicht bemühen.

Die Kursschwankungen wurden durch die mangelnde Liquidität verstärkt, nachdem die Europäische Zentralbank ihr Programm zum Ankauf von Anleihen begann. Stendevad zufolge ist ein Großteil der Kursbewegungen auf kurzfristig orientierte Anleger zurückzuführen, die Derivate handeln.

„Die Liquidität und der Risikohunger am Anleihemarkt sind offensichtlich zurückgegangen“, erklärte der ATP-Chef. „Der Ausverkauf bei deutschen Bundesanleihen scheint eher von Futures als vom Kassamarkt getrieben. Ich bin daher der Ansicht, dass es eher taktische Investoren wie einige Hedgefonds sind, die unter Druck geraten.“

Der Handel mit Bund-Futures an der Terminbörse Eurex von Deutsche Börse hat sich Anfang des Monats verstärkt, was die Volumina auf das höchste Niveau seit 2011 steigen ließ, zeigen von Bloomberg zusammengestellte Daten. Anleger nutzen Derivate als Zugang zu tieferer Marktliquidität, während das Volumen der verfügbaren Anleihen abnimmt - teils wegen der Zentralbankkäufe und teils wegen strengerer Vorschriften, die Banken zum Halten ihrer Anleihen zwingen.

Die europäischen Anleihemärkte sind aber nicht die einzigen, die leiden. Die weltweite Bond-Talfahrt seit Ende April ist die schwerste seit zwei Jahren und hat an den globalen Märkten mehr als 400 Milliarden Dollar ausgelöscht.

„Die Zinsvolatilität ist eine weitere Erinnerung daran, dass traditionelle Risikomodelle nicht die tatsächlich inhärenten Risiken an den heutigen Finanzmärkten abbilden“, sagte Stendevad. „Wir erwarten in der nächsten Zeit gewiss mehr Turbulenzen, als wir es aus den vergangenen Jahren gewohnt sind.“

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