Trotz Rettungspakete Deutschland profitiert von der Griechenland-Krise

Viele Griechen haben es schon während der Straßendemonstrationen im Zuge der Griechenlandkrise immer wieder vermutet und herausgerufen: Deutschland profitiert von ihrem Leid. Es zieht vermutlich ein gutes Sümmchen Profit aus anderer Leute Elend.

Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung aus Halle hat jetzt eine hypothetische Berechnung unternommen und festgestellt, dass Deutschland tatsächlich profitiert hat, genauer gesagt: deutsche Staatsanleihen. Jedes Mal, wenn aus dem südosteuropäischen Land schlechte Neuigkeiten kamen, hätten Anleger vermehrt in sichere Anlageformen wie heimische Staatsanleihen investiert. Dadurch seien deren Zinsen gefallen: teilweise um bis zu 30 Basispunkte an einem Tag.

Die Zinsen deutscher Staatsanleihen wären ohne die Schuldenkrise zwischen 2010 und 2015 rund 3 Prozent höher als sie heute tatsächlich liegen. Damit haben die Anleihekurse deutlich profitiert, denn der krisenbedingt niedrige Zinskupon hat den deutschen Staat und damit die Steuerzahler entlastet. Mehr als 3 Prozent des Bruttoinlandprodukts seien im deutschen Haushalt so eingespart worden. Die Einsparungen ließen sich laut Leibniz-Institut zumindest zum Teil direkt auf die Griechenlandkrise zurückführen.

Bei ihrer Berechnung sind die Wissenschaftler von einem Modell ausgegangen, das eine von äußeren Einflüssen unabhängige deutsche Geldpolitik simuliert. Stellt man die Zinsentwicklung auf dieser Berechnungsgrundlage mit der tatsächlich eingetreten gegenüber, lässt sich der Effekt bestimmen, den äußere Einflüsse wie die Griechenlandkrise auf die Entwicklung genommen haben.

Diesen Einfluss beziffern die Leibniz-Wissenschaftler auf 100 Milliarden Euro Einsparungen innerhalb der letzten viereinhalb Jahre. Die Einsparungen überträfen damit sogar die Kosten, die hierzulande aufgrund der Krise anfallen. Der deutsche Anteil aus den Rettungspaketen beläuft sich auf „nur“ 90 Milliarden Euro: Selbst wenn Griechenland seine Schulden gar nicht zurückzahlte, würden durch die günstige Entwicklung der Anleihe-Zinsen damit die Einsparungen überwiegen. 

Auch die Anleihen anderer Länder wie der  USA, Frankreichs oder der Niederlande hätten auf diese Weise von der Krise profitiert, jedoch in einem deutlich geringeren Ausmaß, stellte das Leibniz-Institut fest.


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