Michael Kinsella von Troy AM: „Wir möchten Menschen reich halten“
Troy ist in UK für streng defensives Anlegen bekannt. Jetzt bringen die Londoner einen Mischfonds nach Deutschland, den sie mit dem bekannten Flossbach-Fonds vergleichen.
Troy ist in Großbritannien für einen streng defensiven Ansatz bekannt. Jetzt kommt die Londoner Boutique mit einem Mischfonds auf den deutschen Markt – und vergleicht ihn mit dem Platzhirsch Flossbach von Storch Multiple Opportunities.
Der Name „Troy“ geht auf ein Rennpferd zurück. Arnold Weinstock, langjähriger Chef des britischen Konzerns General Electric Company und für seine Vorsicht bekannt – er hortete Milliarden auf der Bilanz –, liebte neben der Oper auch Pferde. Eines seiner Tiere, Troy, gewann 1979 das prestigeträchtige Epsom Derby.
Nach erheblichen Verlusten während einer Unternehmenskrise betraute Weinstock seinen früheren Mitarbeiter Sebastian Lyon mit der Verwaltung seines Vermögens. Erste Maßgabe: kein Geld zu verlieren. Lyon hatte zuvor den Pensionsfonds von GEC geleitet und kannte Weinstock gut. Beide tauschten sich regelmäßig aus und hatten eine gemeinsame Marotte: Sie arbeiteten gerne auch nachts.
Von Anfang an öffnete sich Troy AM auch für externe Investoren. Heute verwaltet die Boutique rund 10 Milliarden Euro in vier Strategien. Flaggschiffprodukt des Hauses ist der Trojan Fund, ein Mischfonds, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen begeht.
Für das europäische Festland hat Troy den Trojan Fund Europe (ISIN: IE000RJ3CR66) aufgelegt. Mit diesem Fonds tritt die Gesellschaft seit einigen Monaten in Deutschland an. Zeit für ein Gespräch mit Investment-Spezialist Michael Kinsella.
DAS INVESTMENT: Herr Kinsella, der Name Ihrer Boutique, auf Deutsch Troja, geht tatsächlich auf ein Pferd zurück. Man denkt unwillkürlich an das antike Trojanische Pferd. Bringen Sie Anlegern etwas gänzlich Unerwartetes?
Michael Kinsella: Genau das Gegenteil. Der Grund, warum wir seit 25 Jahren erfolgreich sind, ist, dass wir beständig, diszipliniert und für unsere Kunden verständlich anlegen. Wir versuchen nicht, Menschen reich zu machen. Wir versuchen, sie reich zu halten.
Die meisten unserer Kunden haben ihr Vermögen bereits aufgebaut – durch jahrelanges Arbeiten, Erbschaft oder Unternehmensverkauf. Sie streben nicht um jeden Preis nach maximaler Rendite, sondern möchten vor allem den realen Wert ihres Vermögens nach Inflation erhalten, ohne zu viel Volatilität oder größere Verluste zu erleiden. Der Kapitalerhalt hat Vorrang, aber Wachstum ist ebenfalls wichtig. Dieses Ziel verfolgen wir mit einem flexiblen Asset-Allocation-Ansatz. Bei Marktstress, wenn Bewertungen attraktiver werden, sind wir bereit, mehr Risiko einzugehen und so Chancen zu nutzen.
Das Hauptprodukt, das Sie seit einigen Monaten auch in Deutschland anbieten, ist der Trojan Fund – eine Multi-Asset-Strategie, für die Troy eine kontinentaleuropäische Version aufgelegt hat.
Kinsella: Genau, der Trojan Fund Europe lautet auf Euro und richtet sich speziell an europäische Anleger außerhalb Großbritanniens.
In Deutschland gibt es schon viele etablierte Mischfondsanbieter. Was bringen Sie Spezielles mit?
Kinsella: Man könnte sagen, wir sind „The New Kid on the Block“ im deutschen Mischfondssegment. Es gibt hier schon etablierte Anbieter. Aber in unseren Gesprächen mit Investoren in den vergangenen Jahren haben wir gemerkt, dass vor allem zwei Dinge gut ankommen: unsere Anlagephilosophie und unsere Gründungsgeschichte. Troy baut auf dem Prinzip des Kapitalerhalts auf. Wir verstehen uns als defensive Komponente innerhalb eines Portfolios.
Ein wesentlicher Unterschied zu anderen Anbietern ist auch, dass wir neben Aktien und Anleihen auch eine strategische Goldposition halten. Nicht als taktisches Investment, sondern zur Diversifikation und um das Portfolio widerstandsfähig zu machen.
Wie viel Gold mischen Sie üblicherweise dem Portfolio bei?
Kinsella: Wir haben seit 2005 eine Goldallokation. Zu Beginn lag sie bei etwa 5 Prozent, aktuell sind es rund 10 Prozent. Im Januar lag sie zeitweise sogar bei 14 Prozent.
Kinsella: Nein, Gold hat eine jahrhundertelange Geschichte als Werterhalt und ist extrem liquide. Wir können 90 Prozent unseres gesamten Multi-Asset-Portfolios – zehn Milliarden Euro – in weniger als fünf Tagen liquidieren, ohne den Markt zu bewegen. Am 30. Januar dieses Jahres zum Beispiel haben wir 500 Millionen Dollar Gold in weniger als 60 Sekunden gehandelt. Das wäre mit Silber oder anderen Edelmetallen nicht möglich.
In welcher Form halten Sie Gold?
Kinsella: Über physisch hinterlegte ETCs. Zu Troy gehört auch ein börsennotierter Personal Assets Trust. Dieser lagert tatsächlich physische Goldbarren im Wert von rund 400 bis 500 Millionen Pfund in einem J.P.-Morgan-Tresor in London.
Sie haben Ihren Mischfonds auf Veranstaltungen in Deutschland schon mit dem Flossbach von Storch Multiple Opportunities verglichen. Wie treffend ist dieser Vergleich?
Kinsella: Ansatz und Ziel lassen sich gut vergleichen, aber in der Umsetzung unterscheiden wir uns sehr. Flossbach hält deutlich mehr Aktien, aktuell rund 83 Prozent. Unsere Aktienquote liegt bei etwa 38 Prozent. Auch bei Anleihen unterscheiden wir uns: Flossbach hält auch Unternehmensanleihen, wir ausschließlich Staatsanleihen. Der Unterschied zeigt sich bei den Drawdown-Zahlen: In volatilen Phasen wie der Pandemie oder dem Liberation Day fallen wir weniger, weil wir weniger in Aktien investiert sind. Wir verhalten uns bewusst defensiver.
Wie hoch ist Ihre Liquiditätsquote?
Kinsella: Aktuell 23 Prozent, das ist auch unser langjähriger Durchschnitt über 20 Jahre. Liquidität halten wir in kurzlaufenden Staatsanleihen. Das ist eine hohe Liquiditätsquote.
Befürchten Sie nicht, dass Ihnen dadurch Chancen entgehen, gerade am Aktienmarkt?
Kinsella: Die Liquidität ist kein Selbstzweck – sie macht uns flexibel, in Krisen schnell handeln zu können. In der Pandemie haben wir die Quote schon einmal innerhalb von zwei Wochen von 25 auf zehn Prozent abgebaut. Das Entscheidende ist: Weil wir weniger fallen, können wir in schwachen Märkten mutig zukaufen. Wer 30 Prozent im Minus ist, kauft dagegen nicht nach.
Natürlich bedeutet das aber auch, Chancen zu verpassen. Unsere Kunden wissen, dass wir in Aufwärtsphasen oft hinter dem Markt zurückbleiben. Die Rally von Nvidia zum Beispiel haben wir nicht mitgemacht. Aber Nvidia hat andererseits auch extreme Kursschwankungen erlebt. Das ist genau die Art von Unternehmen, die wir vermeiden wollen.
Erfolgreiche kleine Asset Manager stehen oft im Fokus größerer Investoren. Haben auch bei Troy schon Übernahmeinteressenten angeklopft?
Kinsella: Wir haben einen Minderheitsinvestor, Lincoln Peak Capital aus Boston, der Beteiligungen an Boutiquen wie Troy hält. Aber die Mehrheit der Anteile, 57 Prozent des Unternehmens, gehört den Mitarbeitern. Der Rest verteilt sich auf Lincoln Peak und die Gründerfamilie. So soll es auch in Zukunft sein: Troy soll mehrheitlich unabhängig bleiben.
Über den Interviewten
Michael Kinsella
ist in der Position Investment-Spezialist für die Multi-Asset-Strategie bei Troy Asset Management in London tätig. Bevor er 2016 zu der Gesellschaft wechselte, war er Vize-Portfoliomanager bei dem Asset Manager Veritas.
Iris Bülow ist Redakteurin Print und Online bei DAS INVESTMENT und dem private banking magazin. Dort beschäftigt sie sich schwerpunktmäßig mit Fonds, Finanzberatung und Regulierung. Vorher war sie mit Schwerpunkt Wirtschaft und Steuern für einen Hamburger Fachverlag tätig gewesen. Redaktionelle Erfahrung hat sie außerdem bei einem wissenschaftlichen Institut für internationale Schulbuchforschung gesammelt. Bülow hat Geschichte, Slavistik und Osteuropawissenschaft (VWL) an der Universität Hamburg studiert.
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