DAS INVESTMENT: Herr Erch, Sie sind Portfoliomanager für aufstrebende Schwellenländer. Was hat Sie dazu bewogen, eine Karriere in diesem Bereich einzuschlagen?
Victor Erch (lacht): Wenn Sie mich das zu Beginn meiner Karriere gefragt hätten, wäre meine Antwort wahrscheinlich ziemlich unspektakulär gewesen. Ich wusste damals ehrlich gesagt nicht genau, was ich machen wollte. Investment Management klang einfach nach einer interessanten Erfahrung. Aber heute, nach all den Jahren, kann ich Ihnen sagen: Es ist vielleicht der faszinierendste Job der Welt.
Das klingt ja sehr enthusiastisch. Was genau macht ihn denn so besonders?
Erch: Nun, stellen Sie sich vor, Ihr Job wäre es, die ganze Welt zu verstehen – Unternehmen, Sektoren, Volkswirtschaften, besonders in den Schwellenländern. Jeder Tag bringt etwas Neues. Mal ist es eine unerwartete Unternehmensmeldung, mal eine politische Entwicklung am anderen Ende der Welt. Es fordert einen ständig heraus, analytisch zu denken und kreative Lösungen zu finden. Für jemanden wie mich, der von Natur aus neugierig ist, gibt es kaum etwas Spannenderes.
Das klingt in der Tat faszinierend. Lassen Sie uns über Ihren Fonds sprechen. Sie sind Portfoliomanager des Next Generation Emerging Markets Equity Fund. Was verbirgt sich hinter diesem Namen?
Erch: Unser Fonds konzentriert sich, wie der Name schon sagt, auf die nächste Generation der Schwellenländer. Wir haben die Strategie vor fast zehn Jahren mit zwei grundlegenden Ideen gestartet. Erstens: Die Welt bewegt sich in Zyklen, in denen Investitionen zwischen digitalen und physischen Bereichen wechseln. Zweitens: Wir glauben, dass wir an einem Wendepunkt stehen.
Können Sie das näher erläutern?
Erch: In den frühen 2000er Jahren erlebten wir eine massive Verlagerung in die physische Welt – den Aufbau von Produktionszentren, Energie- und Rohstoffexploration, hauptsächlich in den Schwellenländern. Dann, getrieben durch niedrige Zinsen und billige Arbeitskräfte, vor allem aus China, hatten wir ein Jahrzehnt der Investitionen in digitale Assets und geistiges Eigentum. Jetzt, so glauben wir, dreht sich der Zyklus wieder.
Und wer profitiert diesmal davon?
Erch: Das ist der entscheidende Punkt. Diesmal werden es nicht die großen, etablierten Schwellenländer wie China, Korea, Taiwan oder Brasilien sein, die am meisten profitieren. Stattdessen konzentrieren wir uns auf die nächste Generation – Länder wie Vietnam, Indonesien, die Philippinen, Mexiko oder Polen. Das sind die Märkte, die wir besonders spannend finden.
Tatsächlich ist über ein Drittel Ihres Fondsvermögens derzeit in Indonesien, den Philippinen und Mexiko investiert. Was macht diese drei Länder so attraktiv?
Erch: Was wir hier beobachten, ist eine Art „Re-Globalisierung“. Die Welt hat erkannt, dass wir zu abhängig von einem einzigen Land für den Großteil unserer Lieferketten geworden sind – China. Jetzt sehen wir, wie der Handel von China zu Ländern wie Indonesien, Vietnam, den Philippinen und Mexiko boomt. Globale Lieferketten werden umgestaltet, und Teile der Produktion werden von China in diese Märkte verlagert.
Können Sie das anhand konkreter Beispiele verdeutlichen?
Erch: Die Philippinen profitieren besonders im Dienstleistungssektor. Indonesien zieht Investitionen im Rohstoffbereich an. Und Mexiko erlebt einen Boom in der Fertigungsindustrie. Jedes dieser Länder hat seine eigenen Stärken und spezifischen Vorteile.
Apropos Mexiko – die politische Situation dort ist ja nicht immer stabil. Wie gehen Sie mit solchen Risiken um?
Erch: Politische Risiken sind in Schwellenländern immer ein Thema. Im Fall von Mexiko beobachten wir die Situation sehr genau. Wir haben etwa 6 Prozent unseres Portfolios in Mexiko investiert, in Unternehmen, die wir für besonders stark und schnell wachsend halten.
Und wie schätzen Sie die möglichen Auswirkungen einer potenziellen Wiederwahl von Donald Trump ein?
Erch: Das ist natürlich ein heißes Thema. Aus früheren Erfahrungen mit Trump wissen wir, dass er oft mehr bellt als beißt. Das neue Nafta-Abkommen, das er als Präsident ausgehandelt hat, war tatsächlich besser für Mexiko als das vorherige. Es gibt natürlich Risiken, etwa mögliche Zölle auf chinesische Waren, die in Mexiko produziert werden. Aber wir glauben, dass die ausländischen Direktinvestitionen in Mexiko letztendlich nicht wesentlich beeinträchtigt werden.
Das klingt recht optimistisch. Sehen Sie wirklich keine größeren Gefahren?
Erch: Verstehen Sie mich nicht falsch – wir nehmen die Risiken sehr ernst. Wir haben ein starkes Team, das sich mit makroökonomischen und geopolitischen Risiken befasst. Wir arbeiten sogar mit einer geopolitischen Beratungsfirma zusammen, die von Condoleezza Rice geleitet wird. Die Beziehung zwischen Mexiko und den USA steht ganz oben auf unserer Agenda. Aber wir glauben auch, dass die Wahl, unabhängig vom Ausgang, Gewissheit bringen und Investitionen freisetzen wird, die bisher zurückgehalten wurden.

