Es waren nur wenige Stunden, die die Finanzmärkte in Aufruhr versetzten. Gerüchte über eine mögliche Entlassung von Fed-Chef Jerome Powell ließen die Börsenkurse weltweit sinken, der US-Dollar schwächelte, und Anleger warfen langlaufende US-Staatsanleihen aus ihren Depots. Dann die Kehrtwende: Trump ruderte zurück, jedenfalls etwas. Nein, er plane nicht, den Fed-Chef zu entlassen, sagte der US-Präsident. Es sei „höchst unwahrscheinlich“. Außer, Powell müsse „wegen Betrugs gehen“ – was er durchaus für möglich hält. Die Märkte erholten sich dennoch. Doch der Schaden war bereits angerichtet.
Was wir am Mittwoch erlebten, war mehr als nur ein weiterer Ausbruch präsidentieller Launenhaftigkeit. Es war ein weiterer Angriff auf eines der wichtigsten Prinzipien der modernen Finanzwelt: die Unabhängigkeit der Notenbanken. Dass ein US-Präsident auch nur mit dem Gedanken spielt, den Fed-Chef wegen zu hoher Sanierungskosten zu feuern, zeigt, wie sehr die Grenzen verschoben wurden.
Die Büchse der Pandora
Vielleicht war Trumps Drohung das, was einige Medien mutmaßen: ein Testballon. Doch er hat dabei wieder mal eine Grenze überschritten. Märkte leben von Vertrauen, und dieses Vertrauen bröckelt, wenn politische Willkür über fachliche Kompetenz triumphiert. Die Türkei unter Erdogan hat vorgeführt, wohin es führt, wenn Präsidenten ihre Notenbanken an die Leine legen: Die Inflationsrate schnellte auf über 70 Prozent.
Perfide ist vor allem Trumps Argumentation. Er kritisiert Powell nicht nur für dessen Geldpolitik, sondern instrumentalisiert profane Baukosten für einen Machtkampf von historischer Tragweite. Als wäre eine Kostenüberschreitung bei der Sanierung des Fed-Gebäudes ein Grund, die Unabhängigkeit der mächtigsten Notenbank der Welt zu opfern.
Wenn Banker zu Hilfe eilen
Nun unterstützt – endlich, möchte man sagen – auch die Wall Street die Fed. Jamie Dimon, Brian Moynihan und andere Banker, die sich sonst mit politischer Kritik eher zurückhalten, sprechen jetzt Klartext. Sie wissen: Ohne eine unabhängige Notenbank kollabiert das System, von dem sie leben.
Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff brachte es vor wenigen Tagen in einem Interview mit der „Wirtschaftswoche“ es auf den Punkt: „Er will König sein. Und er duldet keine Könige neben sich.“ Um das zu gewährleisten, schwächt er systematisch die tragenden Säulen des Staates. Nach der Justiz nimmt er nun die Notenbank ins Visier. Dass die Märkte bereits bei bloßen Gerüchten so nervös reagieren, zeigt, wie real die Bedrohung ist.
Hoffnung auf Vernunft
Die schnelle Erholung der Märkte nach Trumps Rückzieher zeigt: Noch ist nicht alles verloren. Noch reagieren die Märkte auf Vernunft. Noch haben die Warnungen der Wall-Street-Größen Gewicht. Nur: Wie lange noch?
Powells Amtszeit läuft bis Mai 2026. Bis dahin bleibt die Frage: Wird Trump seine Attacken auf die Fed-Unabhängigkeit fortsetzen? Wird er beim nächsten Mal konsequenter vorgehen? Und werden die Märkte wieder rechtzeitig rebellieren?
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