Die meisten europäischen Exporteure werden die 15-prozentige Zollgebühr auf so ziemlich alles nicht auf eigene Rechnung nehmen können. Ihre Gewinnmargen geben das einfach nicht her. Sie werden kaum darum herumkommen, die Preise in den USA zu erhöhen – wenn vielleicht nicht um die vollen 15 Prozent, so doch zumindest spürbar.

Neben den europäischen Exporteuren werden also vor allem die amerikanischen Verbraucher die Zeche für den angeblich großartigen Zoll-Deal zahlen. In den USA entfallen rund 70 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf Dienstleistungen. Damit ist das Land auf Güterimporte angewiesen. Das ermöglicht es den Exporteuren, in vielen Bereichen Preiserhöhungen durchzusetzen.

Wahre Wirkung der Strafzölle zeigt sich erst noch 

Das mag zwar beispielsweise bei französischem Wein oder italienischem Käse nicht unbedingt der Fall sein – dort können die amerikanischen Verbraucher auf alternative Produkte ausweichen. Anders sieht es jedoch bei Zulieferteilen und Vorprodukten für die Industrie aus. Hier sind amerikanische Firmen zum Teil auf Importe aus der EU angewiesen, wenn sie ihre Produktion nicht einstellen wollen. Im vergangenen Jahr exportierten die 27 Mitgliedstaaten der EU Waren im Wert von 533 Milliarden in die Vereinigten Staaten.

Hinzu kommen die Importe aus Japan, die ebenfalls mit 15 Prozent verzollt werden. Bei den Verhandlungen mit China wird es wahrscheinlich auf einen ähnlichen Deal hinauslaufen.

Im Juni stiegen die Verbraucherpreise in den USA bereits um 2,7 Prozent, obwohl die Strafzölle zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht galten. Ihre Wirkung wird sich erst in den kommenden Monaten Schritt für Schritt zeigen.

 

Erschwerend kommt hinzu, dass die Regierung unter Trump illegale Einwanderer außer Landes bringt. Das belastet den Arbeitsmarkt, vor allem im Niedriglohnsektor. Die 15-prozentigen Strafzölle in Kombination mit einem geringeren Angebot preiswerter Arbeitskräfte – wahrscheinlich kann nur ein Stopp des Wirtschaftswachstums in den USA einen größeren Inflationsschub verhindern.

Die Preise für Edelmetalle wie Silber oder Platin sind zuletzt stark gestiegen. Dasselbe gilt für den Goldpreis, der sich allein seit Jahresanfang um 27 Prozent verteuert hat. Dies zeigt, dass die Anleger bereits eine höhere Teuerungsrate in den USA befürchten. Die inflatorische Wirkung der Strafzölle wächst sich erst nach einem Jahr gewissermaßen heraus, daher steckt die amerikanische Notenbank bis auf Weiteres in einem Dilemma.

Da sich die Konjunktur in den Vereinigten Staaten abkühlt, müsste die Fed eigentlich die Leitzinsen senken. Zur Erinnerung: Die bislang letzte geldpolitische Lockerung fand im Dezember 2024 statt. Allerdings würde eine Leitzinssenkung zu noch stärker steigenden Inflationserwartungen führen. Die Folge wären höchstwahrscheinlich steigende Renditen langlaufender Staatsanleihen von mehr als fünf Prozent pro Jahr. Vor diesem Hintergrund scheint eine Verkürzung der Duration bei Anleihen sinnvoll.

Duration verkürzen und Gold kaufen

Gleichzeitig könnten die Aktienmärkte in diesem Jahr bereits ihre besten Tage gesehen haben. Gemessen am S&P 500 und am Stoxx Europe 600 bewegen sich die Börsen in den USA und in Europa auf Rekordniveau. In den Vereinigten Staaten schwächt sich das Wirtschaftswachstum jedoch ab, während es in Europa stagniert. Angesichts dieses Umfelds dürfte es den Unternehmen schwerfallen, ihre Gewinne weiter zu steigern. Eine Rally, die vor allem auf einer Ausweitung der Bewertungen basiert, ist zumindest fragil. Das gilt insbesondere für die Wall Street, wo die KGVs der Aktien bereits sehr hoch sind.

Erschwerend kommt hinzu, dass Renten an Attraktivität gegenüber Aktien gewinnen, sollte die Inflation in den USA tatsächlich steigen und die Renditen von Anleihen mit mittlerer und längerer Laufzeit mit nach oben ziehen. In der aktuellen Situation gibt es schlichtweg weniger Argumente für weiter steigende Aktienkurse.

Neben einer Verkürzung der Duration im Rentenbereich sollten Anleger auch Gold in Betracht ziehen. In einem für die USA durchaus denkbaren Stagnationsszenario würden Edelmetalle höchstwahrscheinlich zu den Gewinnern zählen. Hinzu kommt das wachsende Misstrauen der Anleger gegenüber der hohen und weiter steigenden Staatsverschuldung der USA.

Im Mai des kommenden Jahres endet die Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell. Donald Trump wird mit Sicherheit einen Nachfolger ernennen, der leichter zu beeinflussen ist und zu einer lockereren Geldpolitik neigt. Mögliche Zinssenkungen wären ein weiteres Argument für Gold.

@Albrecht, Kitta & Co

Über den Autor:

Michael Wittek leitet das Portfoliomanagement bei Albrecht, Kitta & Co. und ist dort für die Anlagestrategie der Vermögensverwaltung verantwortlich.