Shanghai: Die Chinaexperten Hayden Briscoe und Bin Shi beurteilen die Entwicklung für 2020 positiv. | © Getty Images

UBS Asset Managements China Ausblick 2020

Warum China mehr Bedeutung im Anlageportfolio verdient

Chinesische Wertpapiere tauchen in vielen Anlegerportfolios im Rahmen der Schwellenländerallokation auf. Dies wird dem heutigen Status Chinas nicht mehr gerecht, denn die Gründe dafür, dass das Land eine eigenständige Position im Anlagemix ausmachen sollte, nehmen zu. Dafür spricht nicht nur die Bedeutung des bevölkerungsreichsten Landes als zweitgrößte Volkswirtschaft, zweitgrößtes Ziel ausländischer Direktinvestitionen und größte Handelsnation der Welt. Auch das zwar etwas abgeschwächte aber im Vergleich immer noch sehr dynamische Wirtschaftswachstum, die Neuorientierung der Wirtschaft sowie eine führende Position in neuen Industrien wie Robotik oder Elektroautos lassen China aus der Welt der Emerging Markets hervorstechen.

Chinas Regierung stützt Wirtschaft weiter mit gezielten Maßnahmen

Auch 2020 dürfte sich die chinesische Erfolgsstory fortsetzen. Schätzungen der OECD zufolge soll die Wirtschaft im laufenden Jahr um 5,8 Prozent wachsen. Chinas Wirtschaft befindet sich in einer L-förmigen Erholung. Es wird erwartet, dass sich das Wachstum in den kommenden Jahren bei 5,8 bis 6,0 Prozent stabilisiert. Die stimulierenden Maßnahmen der Regierung aus dem vergangenen Jahr sollten sich langsam in der Realwirtschaft niederschlagen. Auch in diesem Jahr wird mit einer geldpolitischen oder fiskalischen Unterstützung gerechnet. Im ersten Halbjahr dürfte die People’s Bank of China die Zinsen senken. Allerdings wird nicht davon ausgegangen, dass China den Markt weiterhin mit Geld flutet, sondern eher über ein kontrolliertes ,Bewässerungssystem‘ sehr gezielte Maßnahmen ergreift. Dafür werden vor allem zwei Gründe gesehen: Zum einen sorgt sich China, die Inflation zu sehr zu schüren. Zum anderen will es das Finanzsystem entschulden und hat daher die Entwicklung der Kreditvergabe fest im Blick.

Aktienchancen: Privater Konsum trotzt dem Handelsstreit

Eine wichtige Stütze für das Wirtschaftswachstum ist mittlerweile der private Konsum. Trotz der Unsicherheiten, die der Handelsstreit mit den USA hervorruft, sind die Einzelhandelsumsätze zuletzt deutlich gestiegen. Anleger sollten sich darauf einstellen, dass die Rivalität zwischen den USA und China noch über Jahre, wenn nicht Jahrzehnte andauert. Die Gefahr die Umwandlung der Wirtschaft zu mehr Konsumorientierung nehme dadurch Schaden besteht jedoch nicht. Vielmehr wird damit gerechnet, dass der Umbau durch Reformen noch stärker an Fahrt aufnimmt. Die UBS-AM China-Portfolios setzen verstärkt auf den Binnenkonsum und sind kaum abhängig von den Branchen, die von den Zöllen betroffen sind.

Nach einem guten Aktienjahr 2019 in China kann auch das Jahr 2020 zuversichtlich gesehen werden. Es gibt viele solide Unternehmen im Anlageuniversum von UBS-AM, die weiterhin ein stabiles Gewinnwachstum liefern sollten. Zudem wird erwartet, dass mehr Qualitätsunternehmen an die Börsen kommen werden. Hohe Qualität ist ein wichtiges Merkmal, da die Divergenz zwischen guten und schlechten Unternehmen in China zunehmen wird. Viele Sektoren sind stark fragmentiert. Durch den zunehmenden Wettbewerb bietet sich für Unternehmen mit Top-Qualität Potenzial, ihren Marktanteil auszubauen. Weitere Chancen bestehen in der Reform der staatsnahen Betriebe (SOEs): Diese könnte verstecktes Wertpotenzial in vielen Staatsunternehmen freilegen. Der Anlagefokus bleibt auf den langfristigen Trends wie die zunehmende wirtschaftliche Ausrichtung auf Konsum und Dienstleistungen, die wachsende Nachfrage nach hochwertigeren Produkten sowie die steigenden Ausgaben für Forschung, Entwicklung und Technologie.

Chinesische Anleihen: Globale Kapitalflüsse werden sich grundlegend verändern

Auch in anderen Asset-Klassen, etwa bei Anleihen, kann eine China-Allokation im Portfolio Diversifikationsvorteile mit sich bringen. Chinesische Anleihen bieten in der aktuellen Niedrigzinswelt attraktive nominale und reale Renditen. So überzeugen etwa chinesische und andere asiatische High-Yield-Bonds mit im globalen Vergleich hohen Renditen und weisen dabei eine deutlich geringere Duration als Hochzinsanleihen aus Europa oder den USA auf. Zudem verbessern sich die fundamentalen Daten der Unternehmen, einige chinesische und asiatische Firmen überzeugen mit robusteren Bilanzen. Daneben können zehnjährige chinesische Staatsanleihen, die noch ansprechende, positive Renditen bieten, als ein interessanter Baustein für das Anleiheportfolio betrachtet werden. Das Kurspotential 2020 wird insbesondere aus zwei Quellen gesehen: Erstens von den erwarteten Zinssenkungen durch die Zentralbank, und zweitens dürfte die Aufnahme chinesischer Anleihen in globale Indizes zu Kapitalzuflüssen führen. Letzterem wird eine hohe Bedeutung beigemessen und erwartet, dass sich künftig, auch schon 2020, die globalen Kapitalflüsse im Anleihebereich grundlegend verändern. Chinas Rolle an den weltweiten Kapitalmärkten wächst unaufhaltsam.

Hayden Briscoe und Bin Shi sind Leiter Fixed Income Asia Pacific und Head of China Equities bei UBS-AM und gelten als Experten für den chinesischen Markt.

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