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Über Eurobonds zur Aktienhausse

Gottfried Urban
Gottfried Urban
Seit zwei Jahren ist Angst der ständige Begleiter der Anleger. Aus Unsicherheit über die Zukunft der Währung und der Konjunktur haben die Investoren ihr Geld immer weiter in vermeintlich risikofreie Instrumente umgeschichtet. Der Trend ging zu inzwischen schon recht teuren Immobilien, zum Gold oder zu nahezu zinslosen Bundeswertpapieren. Bei den Staatspapieren wurden selbst negative Renditen und der reale Kaufkraftverlust durch die Inflation in Kauf genommen.

War den Anlegern vor der Jahrtausendwende ein Zins von fünf Prozent pro Jahr nicht Anreiz genug, geben sie sich heute mit weniger als einem Prozent zufrieden – bei etwa gleicher Inflation wie vor zwölf Jahren. Mit Aktien konnte man hingegen fünf Prozent an einem einzigen Tag erzielen, ohne dass es fundamentale Gründe dafür geben hätte. Die Phantasie auf weitere Kursgewinne reichte aus.

Heute locken nicht einmal die Firmensubstanz und auch nicht die Dividende, die den mit Rentenpapieren erzielbaren Zins um ein Vielfaches übersteigt, zur Investition in Aktien. Zu stark ist die Furcht, dass die Eurokrise die reale Wirtschaft schließlich mit in die Tiefe reißt.

Doch die Staatsschuldenkrise ist inzwischen an einem Punkt angelangt, der die Einführung von Eurobonds "alternativlos" erscheinen lassen wird. Kanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble werden das nur noch hinauszögern, nicht mehr verhindern können. Deutschland wird dann einfach über einen höheren Zins seinen Beitrag zur Lösung der Krise leisten.

Eurobonds entzögen den Zinsspekulationen gegen einzelne Euro-Staaten die Grundlage. Die Länder müssten sich nicht mehr selbst über den Kapitalmarkt finanzieren. Ob das langfristig eine gute Lösung ist, sei dahingestellt. Aber es würde den Markt schlagartig befreien. Die Börsen in Italien und Spanien, aber auch deutsche Aktien würden stark steigen, während die Anleihenkurse abstürzten.

Anhaltend niedrige Zinsen bei leichter Inflation, eine zunehmende Mittelschicht in Entwicklungsländern, stabile Wachstumsraten und nach Sicherheit suchende Anleger sind der Grundstein für eine lang anhaltende Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten.

Mit Produktivkapital kann man langfristig viele politische und wirtschaftliche Klippen umschiffen. Unternehmen sichern den Wohlstand und das Wachstum von Volkswirtschaften. Wir verwenden täglich Produkte von börsennotierten Konzernen. Wir konsumieren und lassen damit die Gewinne der Aktienunternehmen steigen, und das weitgehend unabhängig von politischen Ereignissen. So wie wir verhalten sich immer mehr Menschen auf der ganzen Welt. Wenn obendrein, wie im Moment, die Aktienbewertungen günstig sind, sollte man der Investmentlegende Warren Buffet nacheifern: Aktien kaufen, wenn keiner kaufen will und verkaufen, wenn alle euphorisch sind. 
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