Überleben in der Dürre So viel Sicherheitspuffer besitzen deutsche Lebensversicherer

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Einen ähnlichen Vorschlag machte Zielke Ende September auch mit Blick auf das jüngste Opfer der Marktbereinigung. Denn „anscheinend ist die Karlsruher vom Garantierisiko gefangen“, lautete seine Analyse damals. Sein Befund verweist auf die nach wie vor bestehenden Altlasten vieler Lebensversicherer hierzulande. Die vor elf Jahren eingeleitete Niedrigzinsphase beendete für sie die „goldenen Zeiten“, welche sie in den Folgejahren in ernsthafte Schwierigkeiten brachten: Vor zwei Jahrzehnten kalkulierten die Anbieter mit einem so genannten Höchstrechnungszins von bis zu 4,0 Prozent, erklärt Sebastian Ewy, Analyst des Deutschen Finanz-Service Instituts (DFSI) aus Köln. Für neu abgeschlossene Policen liegt dieser Zinssatz seit zwei Jahren zwar bei nur noch 0,9 Prozent (siehe Grafik unten). Und für das Jahr 2021 fordern Deutschlands Aktuare ein Absenken auf 0,5 Prozent. Doch je länger die Zinsdürre in der Eurozone andauert, desto schwieriger wird es, die Altverträge mit hohen Garantien zu bedienen.


Um einst gegebene Garantieversprechen auch in Niedrigzinszeiten erfüllen zu können, sollte den Versicherern eigentlich die 2011 eingeführte Zinszusatzreserve (ZZR) helfen. Doch das reservierte Geld fehlt an anderer Stelle, und die als Hilfe geplante ZZR wurde zur Last für die Branche – insbesondere weil die Lebensversicherer zu schnell zu viel Geld in den Reservetopf pumpen mussten. Seit dem vorigen Jahr müssen sie die Finanzpuffer daher deutlich langsamer aufbauen. Anstatt Geld in der ZZR zu parken, können die Versicherer das Kapital also an Kunden ausschütten. Für die Mitte Oktober vom Lebensversicherer Ideal mit einem Wert von 3,3 Prozent gestartete Saison der Überschussdeklarationen 2020 deutet sich dennoch keine Trendumkehr an. Der Effekt des sogenannten Korridorverfahrens bei der Pflichtreserve hält sich in Grenzen, da das Zinsniveau weiter gesunkenen ist.

„Sofern die Zinsen über die kommenden zehn Jahre durch die EZB so niedrig gehalten werden, könnte die gesamte Branche ins Trudeln kommen“, erwartet Uwe Eilers. „Fast jeder Laie kann mit einfachen mathematischen Kenntnissen erkennen, dass wir hier erst am Anfang einer möglichen Krise stehen“, so der Chef der FV Frankfurter Vermögen. Schließlich existiere aktuell ein Bestand von rund 83 Millionen Lebensversicherungsverträgen mit einem Gesamtvolumen von schätzungsweise mehr als einer Billion Euro. Deren Deckungsstock besteht aufgrund gesetzlicher Vorgaben vorwiegend aus Euro-Anleihen mit guter Bonität. Ihre Renditen fallen selbst bei langen Laufzeiten mittlerweile negativ aus, erklärt Eilers. „Jede Anleihe, die zurückgezahlt wird, verschlimmert die Lage der Versicherer. Schließlich muss das Geld wieder entsprechend angelegt werden.“

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