DAS INVESTMENT: Das Anlegersentiment bei Small Caps ist aktuell schlecht. Small Caps haben in den letzten Jahren aus Anlegersicht eher durchwachsene Ergebnisse erzielt. Anfang dieses Jahres war allerdings noch eine große Euphorie zu spüren.

Lukas Spang: Es war eine reine Erwartungshaltung, eine Papier-Euphorie, die sich bis dato noch nicht erfüllt hat. Aber in der breiten Masse, im S-Dax und auch unterhalb, ist nicht viel passiert. Auch der M-Dax ist sehr schwach. Allerdings haben wir im Bereich der Small Caps zwei Komponenten, um Werte zu heben: Entweder ist die Marktentwicklung gut und die Kurse steigen. Idealerweise folgt die Kursentwicklung der operativen Entwicklung der Unternehmen.  Oder – wenn das nicht so ist – kann es zu Übernahmen kommen. Die niedrigen Bewertungen wecken Begehrlichkeiten bei potenziellen Käufern.

Sie haben in einer Auswertung jüngst darauf hingewiesen, dass es in letzter Zeit verstärkt Übernahmen gab. Wie erklären Sie sich das?

Spang: In den vergangenen zwei bis drei Jahren, seit der Tigris Small & Micro Cap Growth Fund existiert, wurden in der Tat vermehrt Unternehmen aufgekauft. Beim Spezialisten für Bildverarbeitungstechnologie Stemmer zum Beispiel, der sich auch im Fondsportfolio befand, gab es jüngst ein solches Übernahmeangebot. Seit Auflegung des Fonds im Mai 2021 gab es nun sieben Übernahme-Angebote. Die Bewertungen sind aktuell sehr gering. Das weckt Begehrlichkeiten.

 

Wer sind die Käufer?

Spang: Private-Equity-Firmen oder auch Strategen, also Unternehmen, die solche M&A-Aktivitäten nutzen, um gezielt Marktanteile zu gewinnen und ihr Geschäftsportfolio strategisch zu erweitern. Dabei geht es ihnen weniger um schnelle Gewinne, sondern um nachhaltiges Wachstum und die Verfolgung langfristiger Ziele.

Schildern Sie mal bitte, wie Ihr Investment bei Stemmer aus Ihrer Sicht gelaufen ist.

Spang: In Stemmer hatte ich schon länger investiert. Im November letzten Jahres hat das Unternehmen eine neue Mittelfrist-Prognose bekannt gegeben: Bis 2026 wollten sie den Umsatz auf 240 Millionen Euro steigern – von 146,30 Millionen im vergangenen Jahr. Sie wollten eine EBITDA-Marge von 17 bis 21 Prozent erzielen nach 18,4 Prozent im Jahr 2023. Das Unternehmen war relativ günstig bewertet mit einem Enterprise Value, also dem Wert des operativen Vermögens, zu EBITDA von leicht über 7. Es muss auch nur wenig investieren, gleichzeitig erzielt es sehr attraktive Cashflows, Free-Cashflow-Renditen von knapp 10 Prozent bezogen auf den Enterprise Value. Gleichzeitig hatten sie mit Primepulse einen Großaktionär, der knapp 70 Prozent der Aktien hielt. Vor einigen Wochen hat die Private-Equity-Firma Middleground Capital allen Aktionären ein Übernahmeangebot gemacht: Sie wollten 48 Euro für einen Anteil zahlen, der gerade bei 33 Euro lag.

Halten Sie speziell nach potenziellen Übernahme-Kandidaten speziell Ausschau?

Spang: Nein. Aber das Potenzial, das in einer Aktie steckt, kann auch durch eine Übernahme gehoben werden. Denn wenn ein Interessent ein Unternehmen in Teilen oder ganz kaufen will, ist das auch eine interessante Renditequelle. Das macht sich sehr schnell am Kurs bemerkbar. Meine Strategie hat allerdings nichts direkt mit dem Thema M&A zu tun. Es ist nur quasi ein i-Tüpfelchen auf die aktuellen Bewertungen.