Übernahmen und Fusionen

Dating-App für Investmentbanker

//
Die Gratis-Anwendungen Mergersclub und Dealnexus, letztere von Intralinks Holdings, richten sich vor allem an jene Investmentbanker und Private-Equity-Firmen, die nach möglichen Transaktionen Ausschau halten.

Sie erweisen sich besonders in jenen Branchen als nützlich, in denen Berater wenige Kontakte haben, sagt Alfredo Arahuetes von der Wirtschaftsfakultät der päpstlichen Universität Comillas in Madrid. Der Mergersclub ist in Madrid ansässig.

“Das funktioniert wie eine Online-Dating-Webseite”, erklärt er in einem Interview mit Bloomberg News. “Sie kann Bankern helfen, genau das Passende zu finden.” Bei den Apps listen Berater für Fusionen und Übernahmen potenzielle Verkäufer und Käufer auf.

Sie liefern unter anderem Beschreibungen ihrer Kunden und Details, wonach sie suchen. Die Namen der Firmen werden nicht genannt. Meist handelt es sich um kleine bis mittelgroße Deals.

Dealnexus führt Transaktionen von bis zu 500 Millionen Dollar (379 Millionen Euro) auf, sagt Philip Whitchelo, Vize Präsident für Strategie und Produkt-Marketing bei dem Unternehmen.

Mitglieder, die mehr Informationen zu den gelisteten Firmen wollen, müssen eine Premium-Mitgliedschaft erwerben. Enrique Quemada, Chef der Beratungsfirma Onetoone Corporate Finance in Madrid, sagt, M&A-Apps wie Mergersclub sind ein unverzichtbarer Teil seines Jobs.

“Wenn man anfängt, sie zu nutzen, kann man nicht mehr davon lassen und es ist schwer, aufzuhören”, erklärt er. Seitdem seine Firma vor weniger als zwei Jahren Mitglied wurde, ist sie schon rund 20 Mal für Transaktionen angeheuert worden.

In zwei Fällen sei es zu einem Abschluss gekommen. Um welche Firma es sich handelte, wollt Quemada nicht verraten. Mergersclub war 2012 an den Start gegangen und hat nach eigenen Angaben mehr als 4750 Mitglieder in aller Welt.

Dazu würden Investmentbanker von kleine Boutique-Beratern, Banken wie UBS und Bank of America, Private-Equity-Fonds und M&A- Abteilungen von Unternehmen zählen.

Konkurrent Dealnexus ist in New York beheimatet. Die Plattform hat nach eigenen Angaben rund 10.000 Mitglieder von 6000 Institutionen. Kunden sind auch hier beispielsweise Banken sowie Private-Equity-Firmen.

Jonathan Rubin, Partner bei der Gründer-Investmentbank Westbury, findet die Seiten vor allem wegen ihrer globalen Reichweite nützlich. “Wenn ich zu meinem Kunden mit einer Liste internationaler Käufer gehe, dann stärkt das die Glaubwürdigkeit meiner Arbeit”, sagt er.

Es gibt aber auch warnende Worte. So macht sich Yoshiharu Ohi, Gründer und Chef des japanischen Investmentberaters Global Business Consulting, Sorgen um die Qualität einiger Nutzer. Mitglieder könnten sich in ein falsches Licht setzen.

Er nutzt Mergersclub in etwa einmal pro Woche. “Minimale Zeugnisse sollte es geben”, fordert er. Dealnexus-Mitbegründer Anthony Hill zufolge schaut sich sein Unternehmen jeden Berater, der Mitglied werden will, zunächst genau an. Dahinter stehe das Ziel, “die Qualität der Transakionen sicherzustellen”.

Der Wettbewerber Mergersclub verlangt unterdessen von potenziellen Käufern oder Verkäufern einen Jahresumsatz von mehr als 5 Millionen Euro oder einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 500.000 Euro. Berater Quemada ist sich sicher, dass die Apps auf lange Sicht seinen Ruf und seine Beziehungen zu Kunden verbessern werden.

“Ein Kunde fragte mich einst nach Partern in Südafrika. Und ich war in der Lage, sechs zu finden”, erinnert er sich. “Er zeigte sich von meinem globalen Netzwerk sehr beeindruckt. Natürlich wusste er nicht, dass Mergersclub dahintersteckte.”

Mehr zum Thema
Ex-Telekom-ChefWarburg Pincus will René Obermann einstellen Horton-KaufWarren Buffett hilft Burger King