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Lebensversicherung Überschussbeteiligung: Bafin nimmt Rückversicherung ins Visier

Verwaltungsgebäude der Bafin in Frankfurt
Verwaltungsgebäude der Bafin in Frankfurt: Die Behörde prüft, in welchen Fällen Lebensversicherer auf Rückversicherung verzichten müssen, da dies zu Lasten der Überschussbeteiligung ihrer Kunden gehen könnte. | Foto: imago images/Hannelore Förster

Um gravierende Verluste zu vermeiden, setzen viele Lebensversicherer auf die Rückversicherung. Einige nutzen dabei Rückversicherungsverträge mit Finanzierungskomponente: Sie bekommen so die erwarteten Erträge vorzeitig ausgezahlt und können Verluste vermeiden.

Bei diesen Rückversicherungsverträgen bestehe allerdings die Gefahr, dass die Belange der Versicherten nicht ausreichend gewahrt werden, warnt nun die Finanzaufsicht Bafin. Denn die Rückversicherungsprovisionen müssten zurückgezahlt werden. Das schmälere die Überschussbeteiligungen der Kunden.

„Wenn ein Lebensversicherer Verluste macht, muss er diese grundsätzlich mit Eigenkapital abdecken“, erklären Isabell Jäger, Otto Kaiser und Hannah Wesker vom Kompetenzreferat Aktuariat Lebensversicherung. Nur in eng definierten Ausnahmefällen könne er Mittel aus der Rückstellung für Beitragsrückerstattung (RfB) heranziehen, um entstehende Verluste auszugleichen, schreiben sie in einem Beitrag, der im Bafin-Journal erschienen ist. Und auch das sei nur möglich, solange die Belange der Versicherten gewahrt bleiben. „Eine entsprechende Entnahme aus der RfB ist daher nur möglich, wenn die Bafin dieser explizit zustimmt“, so die Experten.

Provisionsrückzahlung aus der Überschussbeteiligung angemessen?

Die Bafin prüft also nach eigenen Angaben, ob die Rückzahlung der Rückversicherungsprovisionen aus der Überschussbeteiligung angemessen ist. Die Grundsätze, die sie dabei zugrunde legt, hat sie am 22. Oktober 2020 veröffentlicht. „Entscheidend ist, dass die Zuführung zur RfB und die Überschussbeteiligung der Versicherten nicht unangemessen geschmälert wird“, heißt es von der Behörde.

Nun haben sich mit der Zinswende die Rahmenbedingungen geändert. In der Niedrigzinsphase hatten Versicherer höhere Bewertungsreserven, die sie aufgrund der niedrigen Marktzinsen in ihren Wertpapierbeständen aufgebaut hatten. Damit hätten sie Verluste ausgleichen können.

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Nun besteht laut Bafin die Gefahr, dass die Versicherten vollständig oder in großen Teilen die Rückzahlung der erhaltenen Rückversicherungsprovision finanzieren müssen – und zwar aus ihrer Überschussbeteiligung. Eine solche Verlustteilung erlaubt der Gesetzgeber aber nur in Ausnahmefällen.

 

 

Fazit der Bafin

Soll die Finanzierungskomponente eines Rückversicherungsvertrags genutzt werden, um einen Verlust zu vermeiden, den der Lebensversicherer nicht anders ausgleichen kann?

  • Ja. Dann geht die Bafin davon aus, dass die Versicherten durch diesen Rückversicherungsvertrag unangemessen benachteiligt werden. „In dieser Situation müssen Lebensversicherer auf den Abschluss derartiger Rückversicherungsverträge verzichten.“
  • Nein.  "Stehen dem Unternehmen grundsätzlich andere Möglichkeiten zu Verfügung, um den drohenden Verlust abzuwenden, muss es – wie bisher – darlegen, dass die Rückversicherung die effizientere Lösung darstellt. Hierbei sind die Belange der Versicherten besonders zu würdigen“.

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