Sand im Getriebe Wie die aktuellen Krisen an der Globalisierung rütteln
Kannst Du Dich daran erinnern, vor der Corona-Krise jemals über Lieferketten gesprochen zu haben? Wer nicht gerade als Logistiker arbeitet, kam mit diesem Thema bis zum Frühjahr 2020 nur selten in Kontakt. Dabei wäre es wert gewesen, öfter und auch öffentlich über das Thema zu sprechen. Schließlich sind gut geölte Lieferketten das A und O unseres Wohlstands. In den ersten 25 Jahren nach dem Fall der Mauer wuchsen sie explosiv. Konzerne verteilten ihre Produktionsstandorte auf der ganzen Welt und der globale Handel in diesem fein verästelten und hoch optimierten System erreichte eine Rekordintensität.
Die Finanzkrise warf zum ersten Mal Sand ins Getriebe. Es folgten politische Krisen, Abschottungsversuche, der Brexit. Und der Konflikt zwischen China und den USA trat von Jahr zu Jahr deutlicher zutage. Und dann auch noch die Covid-Pandemie: erkrankte Spediteure, geschlossene Grenzen, unterbrochene Lieferketten. Seitdem vergeht kaum ein Tag, an dem Fachleute, Politiker und Medienmacher nicht über das drohende Ende der Globalisierung sprechen.
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Überraschend kommt die Anfälligkeit nicht. Schon viele Jahre vor Corona warnten viele Ökonomen. Arvind Subramanian und Martin Kessler, Volkswirte am Peterson Institute in Washington, beschrieben bereits 2013 in einem Thesenpapier drei grundlegende Herausforderungen für das internationale Handelssystem:
- In den Industrieländern müsse die innerstaatliche Unterstützung für die Globalisierung angesichts der wirtschaftlichen Schwäche aufrechterhalten werden.
- China müsse mehr Verantwortung übernehmen, um den freien Handel aufrechtzuerhalten.
- Alle Beteiligten seien aufgefordert zu verhindern, dass der Aufstieg des sogenannten Megaregionalismus’ zu Diskriminierung und zur Quelle weiterer Handelskonflikte führt.
Subramanian und Kessler schlugen einen Weg nach vorn vor – einschließlich neuer Bereiche der Zusammenarbeit wie Steuern –, um das offene multilaterale Handelssystem aufrechtzuerhalten und sicherzustellen, dass es allen Ländern zugutekommt.
Doch neun Jahre nach ihrem Papier ist zu wenig passiert. Sicherlich, in vielen Staaten wurde einiges getan, um auf die Bedeutung weltwirtschaftlicher Zusammenarbeit aufmerksam zu machen. Doch es mangelt bis heute an ernst gemeinter Kooperation auf politischer Ebene. Und auch China verfolgt mit seinen Ambitionen in Afrika zumeist nur das Ziel, die eigene Macht und Position zu stärken.


