Um Sohn zu retten

Banker kündigt Job und gründet Biotech-Firma

Ilan Ganot, einst Hedgefonds-Banker bei der US-Bank JPMorgan Chase & Co., hat sein Leben in der Finanzwelt hinter sich gelassen. Er widmet sich stattdessen einer ganz anderen Branche. Das Leben seines Sohnes könnte von Ganots Erfolg in dieser anderen Branche abhängen.

Nachdem bei seinem zweijährigen Sohn vor einem Jahr die tödliche genetische Erkrankung Duchenne-Muskeldystrophie (DMD) festgestellt wurde, kündigte Ganot seinen Job in London und zog mit seiner Familie in die Nähe von Boston. Dort sammelte er 17 Millionen Dollar ein und gründete eine Biotechnologiefirma.

Der 40-Jährige ehemalige Hauptmann der israelischen Armee gehört zu einer Generation Eltern, die selbst die Initiative ergreifen, wenn Medizin und Industrie nicht schnell genug reagieren, um das Leben ihrer Kinder zu retten.

Statt des konventionellen Ansatzes, eine Interessensgruppe zu gründen oder zu unterstützen, nutzt Ganot seine Wurzeln in der Finanzwelt, um selbst ein Unternehmen zu gründen, das Medikamente auf den Markt bringen soll.

„Er ist wirklich ein außergewöhnliches Beispiel für ein Elternteil, das sagt: ’Ich nutze meine Fähigkeiten und wende sie bei diesem Problem an’“, sagt Sharon Hesterlee, Vizepräsidentin für Forschung bei der gemeinnützigen Parent Project Muscular Dystrophy.

Ganot will mit dem Geld seiner Firma Finanzierungslücken schließen, die vielversprechende Projekte in frühen Phasen aufhalten könnten. Er steht am Beginn einer Mission, die über das nächste Jahrzehnt gleich eine ganze Reihe von Medikamenten gegen die Krankheit auf den Markt bringen soll.

Sein erster Schritt dabei war, festzustellen, wer in der Lage ist, Auskunft zum Stand der Medikamentenentwicklung zu geben. Das führte ihn zu Andrea Ponti, bei JPMorgen der Co-Chef für das Investmentbanking im Bereich Gesundheitswesen. Dieser erklärte sich bereit, zu helfen.

Ponti erinnert sich in einem Interview mit Bloomberg News: „Er sagte ‚Ich bin geschockt und versuche, herauszufinden, was ich machen soll. Und die einzige Sache, die ich kann, ist, Geld einzusammeln. Glaubst Du, wir könnten Kapital einsammeln, um die Krankheit zu heilen?’“

Ganots Investoren erwarten Rendite


JPMorgan wurde zu einem der Investoren. Und Ponti plant, im Board der Firma als Vertreter der Bank zu sitzen. Ganot nannte das Unternehmen Solid Ventures. Neben JPMorgan sind eine Reihe von privaten Investoren und der Hedgefonds Perceptive Advisors als Geldgeber an Bord gekommen. Anders als bei manch anderen Eltern-Projekten erwarten Ganots Investoren von ihrem Engagement durchaus eine Rendite.

Solid Ventures will künftig vielversprechende Projekte von wissenschaftlichen Labors oder anderen Firmen kaufen beziehungsweise Lizenzen erwerben, diese anschließend mit Hilfe von Auftragsforschungseinrichtungen durch die frühen Test-Stadien bringen - und sie schließlich an große Pharma-Unternehmen verkaufen, die in der Lage sind, ein Medikament auf den Markt zu bringen. Vorstellbar seien auch Partnerschaften mit diesen großen Pharma-Unternehmen. Vor allem die späten Entwicklungsphasen bei Medikamenten sind sehr teuer.

Ganot wird mehrere Jahre lang warten müssen, bis er weiß, ob sein Ansatz funktioniert hat. Durchschnittlich kostet die Entwicklung eines Medikaments mehr als 1 Milliarde Dollar - und es dauert meist zehn Jahre, bis ein Mittel auf den Markt kommt. Das geht aus Daten der Lobby-Gruppe Pharmaceutical Research and Manufacturers of America hervor.

Eine Gefahr für Solid Ventures könnte die persönliche Betroffenheit von Ganot sein. Schließlich wird es immer dringlicher werden, eine Behandlung für seinen Sohn zu finden. Vor diesem Hintergrund hat das Unternehmen Vorkehrungen getroffen, denen zufolge Ganot immer dann aus dem Entscheidungsprozess herausgenommen werden soll, wenn es zu einem Interessenkonflikt kommen könnte.

„Werde ich meinen Sohn retten? Ich werde mein Bestes versuchen“, sagt Ganot. „Ich werde definitiv die Zukunft für ihn und alle anderen Jungen mit DMD verändern.“

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