Umfrage Finanzberater warnen vor Fokussierung auf passive Investments

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Deutsche mit unrealistischen Erwartungen

Die Untersuchung zeigt, dass deutsche Investoren einen jährlichen Gewinn von 10 Prozent erwarten, während ihre Berater 5,3 Prozent für eine realistische Gewinnerwartung halten.

Für 82 Prozent der deutschen Berater sind Gespräche über die unrealistischen Gewinnerwartungen ihrer Kunden ein vorrangiges Thema, wenn sie erfolgreich sein wollen.

Alternative Anlagen, unkorrelierte Strategien

Die meisten deutschen Berater (73 Prozent und 73 Prozent weltweit) sind der Ansicht, dass der traditionelle Anlagemix von 60/40 in Aktien/Rentenwerten im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld nicht länger geeignet ist, um Gewinne für ihre Kunden zu generieren und das Risiko zu steuern.

78 Prozent der deutschen Befragten (im Vergleich zu 69 Prozent weltweit) denken, dass neue Portfolio-Techniken – mit stärkerer Nutzung von alternativen Anlageformen und nicht korrelierten Anlageklassen – zum Zwecke der Diversifizierung besser geeignet sind.

Laut Studie haben viele deutsche Anleger während der letzten 12 Monate nach konkreten Lösungen zur Kontrolle der Volatilität (36 Prozent im Vergleich zu 55 Prozent weltweit) und der Aufstellung einer Finanzplanung (41 Prozent im Vergleich zu 27 Prozent weltweit) gefragt.

Deutsche an ESG-Investitionen interessiert

37 Prozent der deutschen Berater gaben an, dass die Kundennachfrage nach Investitionen im Bereich Umwelt, Soziales und Unternehmensführung in den vergangenen drei Jahren zugenommen hat. Weltweit trifft dies auf 32 Prozent der Berater zu. „Die Nutzung von ESG-Investitionen im Portfolio kann zur Diversifizierung und besseren Risikokontrolle beitragen“, erläutert Knaf.

„Die deutschen Berater scheinen sich dieser Tatsache immer bewusster zu werden: Fast die Hälfte der Befragten (43 Prozent) äußerte, dass die Aufnahme von ESG-Investitionen innerhalb von fünf Jahren zu ihren Standardverfahren gehören wird. Weltweit galt dies für 34 Prozent. Im Gegensatz zu ihren internationalen Kollegen sind deutsche Berater (54 Prozent) stärker davon überzeugt, dass ESG-Investitionen Risiken der Unternehmensführung und soziale Risiken mindern (im Vergleich zu 40 Prozent weltweit).“

Automatisierte Anlageberatung für Jüngere

Finanzberater sind der Überzeugung, dass neue, technologiebasierte Geschäftsmodelle oder automatisierte Beratungsplattformen, die auch als „Robo-Berater“ bezeichnet werden, eine Lösung für die bevorstehende Beratungslücke bieten können – und zwar insbesondere unter jungen Anlegern und Investoren mit geringem und mittlerem Einkommen.

66 Prozent (im Vergleich zu 53 Prozent weltweit) der deutschen Studienteilnehmer glauben, dass eine vorgelagerte automatisierte Beratungsplattform eine Möglichkeit sein könnte, ihre eigene Geschäftstätigkeit noch effizienter und erfolgreicher zu gestalten.

Die Mehrheit der Berater von 75 Prozent (im Vergleich zu 72 Prozent) ist nicht besorgt, dass traditionelle Beratungsmodelle, welche sehr stark auf die individuellen Bedürfnisse jedes Kunden eingehen, durch automatisierte Anlageberatung ersetzt werden könnten. Dies kann jedoch auch der Tatsache geschuldet sein, dass Robo-Berater nach Ansicht der Studienteilnehmer nie den Grad an taktischer Portfolio-Strukturierung bieten können, der insbesondere bei fallenden und fluktuierenden Märkten erforderlich ist.