Umfrage: Investoren-Optimismus zu Wirtschaft auf Fünfjahreshoch

Kurz vor Beginn des Weltwirtschaftsforums im schweizerischen Davos sagten 59 Prozent der Teilnehmer der Bloomberg-Umfrage in der vergangenen Woche, dass sich der Wirtschaftsausblick verbessere. Im November waren es nur 33 Prozent. Es ist auch das optimistischste Ergebnis seit Beginn dieser Umfragen im Juli 2009.

Die konjunkturelle Stärke in den reichsten Volkswirtschaften wurde als Hauptgrund für das Vertrauen von fast zwei Dritteln der 66 Prozent genannt, die sich positiver äußerten als vor einem Jahr. Zwar ist der Standard & Poor’s 500 Index in den vergangenen zwölf Monaten bereits um etwa 24 Prozent gestiegen. Dennoch bezeichneten mehr als die Hälfte der Befragten Aktien als ihre bevorzugte Anlagekategorie für 2014. Dabei hat die Besorgnis um eine Blasenbildung bei Vermögenswerten nachgelassen.

“Die Industrieländer spielen bei weitem die wichtigste Rolle bei der Erholung des Vertrauens in die Märkte und die Wirtschaft”, sagt Umfrageteilnehmer Wilhelm Schröder, geschäftsführender Direktor bei Schroeder Equities GmbH in München. “Zweifellos ist das Vertrauen der wichtigste Bestimmungsfaktor für das Wachstum.”

Die enthusiastische Stimmung könnte sich festigen, wenn mehr als 2500 Führungskräfte aus den Bereichen Finanzen, Unternehmen und Regierung ab Mittwoch in den Schweizer Alpen tagen. Die Treffen in Davos in jüngster Zeit wurden durch Krisen überschattet wie die Rezession im Jahr 2009 und die anschließende Besorgnis um einen Zerfall des Euroraums.

“Die Stimmung wird wohl besser und durchaus positiv sein”, sagte Nouriel Roubini, Vorsitzender von Roubini Global Economics LLC in New York, der 2007 auf der Konferenz in Davos vor bevorstehenden Wirtschaftsproblemen warnte. “Das spiegelt die verbesserte Stärke der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte wider”, sagte er.

Die Stimmungsverbesserung hat dazu geführt, dass Aktien gegenüber festverzinslichen Papieren bevorzugt werden und 53 Prozent der Umfrageteilnehmer sagten, dass Aktien im kommenden Jahr den besten Ertrag bieten werden. Das ist der höchste Wert seit Mai. Nur drei Prozent wählten Bonds aus und 39 Prozent erwarten, dass sie die schlechtesten Erträge einfahren werden. Immobilien waren am zweit beliebtesten, 16 Prozent setzten darauf.

Die Umfrage unterstreicht die veränderte Einstellung gegenüber den Industrieländern, fünf Jahre nachdem diese von Finanzkrise und Rezession erschüttert wurden. Nun sind es die Schwellenmärkte, die in der Flaute die Weltwirtschaft gestützt haben, die Grund zur Besorgnis liefern.

Zweiundsiebzig Prozent in der Umfrage sagen, dass die US- Wirtschaft sich bessere, verglichen mit 53 Prozent vor einem Jahr. Neunundvierzig Prozent prognostizieren das Gleiche für die Eurozone, was einer Verdreifachung seit Januar letzten Jahres ist und der höchste Wert seit die Frage erstmals im September 2011 gestellt wurde.

Hingegen sind nur 13 Prozent der Befragten der Meinung, dass die chinesische Wirtschaft anzieht, während 36 Prozent eine Abschwächung erwarten und die Hälfte eine Stabilisierung sieht. Bei Brasilien prognostizieren 44 Prozent das Nachlassen der Wirtschaftsaktivität.

Eine Abschwächung der chinesischen Konjunktur erwies sich als die größte Sorge der Investoren - ein Drittel der Befragten nannte das als das größte weltweite Risiko, verglichen mit 26 Prozent im November: “Es gab eine alarmierende Abschwächung in den Schwellenländern”, sagt Nariman Behravesh, ein Davos- Teilnehmer und Chefökonom bei IHS Inc. aus Lexington, Massachusetts. Er rechnet damit, dass die Volkswirtschaften der Schwellenländer in diesem Jahr den geringsten Wachstumsbeitrag seit 2010 leisten werden.

Das Geld wird dem Wachstum folgen, lautet der Tenor der weltweiten Bloomberg-Umfrage. Sechsundvierzig Prozent sagen, dass die USA zu den attraktivsten Investment-Zielen in diesem Jahr zählen werden. Vierzig Prozent nannten die Europäische Union, der höchste Wert seit die Frage erstmals im Oktober 2009 gestellt wurde.

Die zunehmende Risikobereitschaft schürt eine gewisse Besorgnis, dass Blasen bei Vermögenswerten entstehen könnten, jedoch war diese Besorgnis geringer als in einer Umfrage vom November. Vierzehn Prozent sehen die Aktien in einer Blase und 42 Prozent sagten, sie nähern sich einer, verglichen mit 20 Prozent beziehungsweise 45 Prozent im November.

Achtundreißig Prozent sind der Meinung, dass sich Internet- und Soziale-Netzwerk-Aktien in einer Blase befinden, verglichen mit 49 Prozent zuvor. Fünfunddreißig Proezent sagen das Gleiche bezüglich der Hauspreise in London, ein Rückgang von zuvor 41 Prozent. Mehr als die Hälfte sehen keine Anzeichen für eine Überbewertung bei den Treasuries.

Einige Davos-Teilnehmer sind bereits besorgt, dass die Märkte Anzeichen einer Übertreibung zeigen, die nicht durch die Konjunkturerholung gerechtfertigt ist.

Auf die Frage, wie sie verschiedene Persönlichkeiten sehen, sagten 71 Prozent der Befragten, sie hätten eine positive Meinung von EZB-Präsident Mario Draghi und 60 Prozent sagten dass gleiche von Mark Carney, dem Gouverneur der Bank of England.

Die Umfrage unter 477 Investoren, Analysten und Händlern, die jeweils Bloomberg-Kunden sind, wurde am 16. und 17. Januar von Selzer & Co., einer Gesellschaft aus Des Moines im US- Bundesstaat Iowa, durchgeführt. Sie hat eine Fehlermarge von plus oder minus 4,5 Prozentpunkten.

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