Entwertetes Sparbuch mit Zinszahlungen.  | © Imago / Gerhard Leber Foto: Imago / Gerhard Leber

Umfrage

Mehrheit der Deutschen plant Bankwechsel bei Negativzins

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Seit Jahren werfen Ersparnisse auf Bankkonten kaum noch nennenswerte Zinsen ab – und einige Banken haben mittlerweile ein Verwahrentgelt für Spareinlagen eingeführt. Doch das will sich die Mehrheit der Deutschen nicht gefallen lassen, wie eine Umfrage der Investmentgesellschaft JP Morgan Asset Management zeigt: Der im Mai durchgeführten repräsentativen Befragung unter 2.000 Deutschen zufolge wollen 60 Prozent die Bank wechseln, wenn diese ein Verwahrentgelt - oft auch als Negativzins bezeichnet - für ihre Ersparnisse einführt.

Dieser Prozess sei bereits im vollen Gange, erläutert Matthias Schulz, Managing Director bei JP Morgan Asset Management. So hätten bereits rund 150 Banken Strafzinsen eingeführt und einige den Freibetrag auf 10.000 Euro reduziert.

Wenig Interesse an Kapitalmarktinvestments als Alternative
Wie die Umfrage zeigt, würde nur eine Minderheit untätig bleiben: So gaben 23 Prozent der Befragten an, einen Strafzins in Kauf zu nehmen. 27 Prozent der Teilnehmer würden hingegen eine Aufteilung ihrer Ersparnisse auf mehrere Banken vornehmen, um Strafzinsen auf ihr Guthaben zu vermeiden. Prozent der Befragten gaben an, bei Einführung eines Verwahrentgelts auf Bargeld oder Gold auszuweichen. Neun Prozent wären bereit, ihr Geld am Kapitalmarkt zu investieren.

Finanzberatung: Zu wenig genutzt
Dass nicht einmal jeder zehnte Befragte Kapitalmarktinvestments in Erwägung zieht, belegt nach Schulz‘ Einschätzung die Bedeutung einer guten Finanzberatung. Nur so ließen sich etwa teure Anlageirrtümer aus der Welt schaffen. Derzeit besteht laut Umfrage jedoch noch Aufholbedarf: So wissen elf Prozent der Befragten gar nicht, was ein Finanzberater macht. 34 Prozent der Teilnehmer gaben an, keine Finanzberatung zu nutzen, gleichzeitig hätten sich 20 Prozent in der Krise einen kompetenten Ansprechpartner in Gelddingen gewünscht.

Auch seitens der Finanzberater besteht mitunter Handlungsbedarf: So gaben zehn Prozent der Befragten an, in der Krise nicht von ihrem Berater kontaktiert worden zu sein, 14 Prozent hatten in der Vergangenheit eine Finanzberatung genutzt, aktuell aber nicht mehr.

Angesichts dieser Umfrageergebnisse sieht Schulz großes Potenzial für Finanzberater, ihren Mehrwert deutlich zu machen und dazu beizutragen, die rund 2,5 Billionen Euro in Spar- und Bankguthaben für Kapitalmarktinvestments zu nutzen.

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