Screenshot der Webseite des<br>Bundesfinanzministeriums

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Bundesfinanzministeriums

Umfrage: Sind garantierte Rentenfaktoren ein Problem?

Rudolf Pichlmayer, Verantwortlicher Aktuar, Universa

Wenn es sich, wie bei der Universa, um eine echte Garantie handelt, die nicht nach unten angepasst werden kann, sollte sich etwa die Lebenserwartung ändern, ist ein garantierter Rentenfaktor zwangsläufig niedriger als ein Rentenfaktor ohne Garantie.

Bei Produkten, die eine Günstigerprüfung zum Rentenbeginn enthalten, ist das Ausmaß der Sicherheitsabschläge aber nur von untergeordneter Bedeutung. Hat der Versicherer zu vorsichtig kalkuliert, wirkt sich das in diesem Fall nicht negativ für den Kunden aus.

Norbert Ras, Geschäftsführer, Legal & General Deutschland

Solche Garantien stellen nach Einschätzung von Legal & General ein erhebliches Risiko dar; nicht zuletzt, weil sie bereits bei Vertragsbeginn für die Anspar- und die Rentenbezugszeit gestellt werden müssen und damit leicht 50 Jahre und mehr überspannen.

Unter solchen Bedingungen wäre Legal & General aber nicht mehr in der Lage, eine konkurrenzfähige fondsgebundene Rentenversicherung anzubieten. Denn soweit bisher bekannt, werden andere Versicherer diese Garantiefaktoren nicht in ihrer Kostenkalkulation berücksichtigen. Deshalb bietet Legal & General die Finanzmarkt-Rentenpolice zunächst nicht weiter an.

Christoph von Forstner, Leiter Produktmanagement, Aspecta

Bei einigen Tarifen der Aspecta aus den Jahren 2005 bis 2007 gab es Nachbesserungsbedarf. Allerdings hatte dies weder Auswirkungen auf die Preise noch auf die Rendite.

Lars Heermann, Bereichsleiter Lebensversicherung, Assekurata

Der Stellhebel bei der Produktgestaltung wird künftig darin liegen, welche Sicherheiten die Unternehmen in den Rechnungsgrundlagen einkalkulieren und wie hoch die garantierte Rente dann tatsächlich ausfällt. Ob Rentenfaktoren die Policen verteuern, hängt entscheidend von der Höhe der Garantie und den verwendeten Kalkulationsgrundlagen ab.

Grundsätzlich müssen Garantien auch langfristig finanzierbar sein. Mit neuen oder gesteigerten Garantiezusagen kann auch die zu erwartende Rendite des Kunden sinken.

Stefan Giesecke, Vorstand fpb AG, Friends Provident Gruppe

Der garantierte Rentenfaktor ist für uns ein wichtiges ergänzendes Produktmerkmal, mit dem wir sicherstellen, dass der Friends Plan die steuerlichen Anforderungen an eine fondsgebundene Rentenversicherung erfüllt.

Friends Provident hat den garantierten Rentenfaktor bewusst so kalkuliert, dass die Gesellschaft die Kosten trägt, um die Leistungsfähigkeit des Produktes aus Kundensicht nicht einzuschränken.

Martin Zsohar, Chef der Produktentwicklung, Morgen & Morgen

Die Problematik, Rentenfaktoren garantieren zu müssen, spielt im Wesentlichen nur bei den Versicherern eine Rolle, die sich eher als Fondsanbieter im Sinne eines Versicherungsmantels um einen Fondssparplan sehen; also fondsgebundene Lebens- und eben nicht Rentenversicherungen. Dies sind eher auch ausländische Versicherer, die eben sehr „fondsnah“ sind. Insofern werden eher nur vereinzelte Anbieter hiervon betroffen sein.

Michael Franke, Geschäftsführer, Franke & Bornberg

Als Sachwalter des Kunden sollte der Makler jetzt dafür sorgen, dass der vermittelte Vertrag die Voraussetzungen für die Steuervorteile erfüllt. Ratings bieten dabei eine gute Orientierung.

Hintergrund

Versicherungen haben gegenüber Bank- und Fondsprodukten den Vorteil, dass Zinserträge und Dividenden nicht jährlich mit dem Abgeltungssteuersatz von 25 Prozent versteuert werden müssen. Erst beim Ablauf der Policen hält der Fiskus die Hand auf. Ist der Kunde dann aber mindestens 60 Jahre alt und besteht die Police seit mindestens zwölf Jahren, muss er nur die Hälfte des Ertrags mit dem persönlichen Steuersatz versteuern.

Seit dem 1. Juli 2010 verlangt das Bundesfinanzministerium bei fondsgebundenen Versicherungen einen garantierten Rentenfaktor in den Versicherungsbedingungen, damit diese Steuervorteile weiter gelten. Mit dem Rentenfaktor berechnen die Versicherer die spätere Rente.

Dabei sind zwei Variablen entscheidend: die Lebenserwartung in Deutschland und der Rechnungszins. Dabei müssen die Versicherer vorsichtig rechnen, damit das Kundenguthaben auch für eine lebenslange Rente reicht. Deshalb gehen die Anbieter von einer längeren Lebenserwartung aus, als etwa das Statistische Bundesamt ausweist.

Weiteres Sicherheitsnetz für die Versicherer ist die Treuhänderklausel. Sie besagt, dass Anbieter bei starker Änderung der Rechnungsgrundlagen den Rentenfaktor senken dürfen. Für Kunden nicht so schön, deshalb verzichten manche Anbieter auf diese Klausel.

Der Rentenfaktor steht im Vertrag meist als Eurobetrag: pro 10.000 Euro Fondsguthaben beträgt er zum Beispiel 30 Euro. Dann bekommt der Kunde bei einem Fondswert von 200.000 Euro eine monatliche Rente von 600 Euro.

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