Umfrage von Sollers Consulting „Versicherer investieren zu viel in alte IT-Systeme“

Programmierer: In der Informationstechnologie (IT) internationaler Versicherer spielen die folgenden drei Themenbereiche derzeit die wichtigste Rolle: Automatisierung, künstliche Intelligenz, offene Schnittstellen | © hitesh choudhary

Programmierer: In der Informationstechnologie (IT) internationaler Versicherer spielen die folgenden drei Themenbereiche derzeit die wichtigste Rolle: Automatisierung, künstliche Intelligenz, offene Schnittstellen Foto: hitesh choudhary

In Kooperationen mit Insurtechs und anderen Service-Partnern wenden immer mehr Versicherungsgesellschaften neue Technologien an, um digitale Angebote für ihre Kunden zu entwickeln. Zur heutigen und zukünftigen Rolle von technologischen Innovationen in der der Versicherungswirtschaft befragte die auf die Finanzbranche spezialisierte Unternehmensberatung Sollers Consulting jetzt mehr als 300 Fach- und Führungskräfte aus 14 Ländern.

Demnach erwarten 38 Prozent der Versicherungsmanager, dass in den nächsten fünf Jahren ein Automatisierungsgrad von 30 bis 50 Prozent erreicht werden kann. Nach Ansicht von 26 Prozent der Befragten ist ein Automatisierungsgrad zwischen 50 und 70 Prozent machbar und 21 Prozent sind überzeugt, dass er sogar zwischen 70 und 90 Prozent liegen wird. Nur 11 Prozent sind der Meinung, dass es weniger als 30 Prozent sein werden.

„Es besteht die starke Zuversicht, dass die Automatisierung in der Versicherungsbranche dramatisch zunehmen wird“, kommentiert Michał Trochimczuk. „Die Automatisierung ist ein wichtiges Anliegen der Versicherer auf allen europäischen Märkten“, so der Managing Partner von Sollers Consulting weiter. „Es gibt kaum ein Projekt in der Versicherungswirtschaft, das nicht Automatisierung zum Ziel hat“, berichtet er von den Projekten der Sollers-Berater.

Fokus auf Künstliche Intelligenz

Michal Trochimczuk, Sollers Consulting

Laut Trochimczuk erwarten sich die Versicherungsgesellschaften in den nächsten fünf Jahren dabei von zwei technologische Innovationen am meisten: „37 Prozent der Versicherungsexperten glauben, dass künstliche Intelligenz eine wichtige Schlüsseltechnologie sein wird. 35 Prozent sagen, dass sie sich auf offene Schnittstellen konzentrieren werden.“ Blockchain, Internet of Things, Robotik und Cloud Computing haben Zustimmungsraten von 4 bis 9 Prozent.

Big Data und der Einsatz von Data Analytics, maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz sind laut Sollers Consulting bereits heute „zu einem der wichtigsten strategischen Ziele in der Versicherungswirtschaft” geworden. Viele Versicherer nutzen demnach bereits künstliche Intelligenz, um Schadensfälle zu bewerten, gegen Versicherungsbetrug vorzugehen und die Kundenkommunikation zu automatisieren. Hier stünden nun hohe Folgeinvestitionen an.

Altsysteme blockieren IT-Budgets

„Die Versicherungswirtschaft ist zunehmend mit Partnern aus anderen Branchen verbunden”, erklärt Unternehmensberater Trochimczuk. „Schnittstellen spielen deshalb in vielen unserer Projekte eine entscheidende Rolle.” Die klassischen Anbieter erhoffen sich dadurch einen besseren Zugang zu neuen Technologien. „Die Mehrheit der Versicherungsunternehmen strebt eine grundlegende Veränderung des Geschäftsmodells oder sogar der ganzen Unternehmenskultur an.“

Allerdings seien die IT-Abteilungen durch knappe Budgets blockiert. 56 Prozent der Versicherungsmanager sagen, dass nur 10 bis 30 Prozent der IT-Budgets für Innovationen ausgegeben werden. Lediglich 13 Prozent der Befragten gaben an, dass ihr Unternehmen mehr als 40 Prozent seines Geldes für Innovationen ausgibt. „Die IT-Budgets sind zu sehr darauf ausgerichtet, bestehendes Geschäft am Laufen zu halten und den Status quo aufrecht zu erhalten.”