Sparinvest-Chef Per Noesgaard

Sparinvest-Chef Per Noesgaard

UN-PRI: „Das macht man nicht mal eben übers Wochenende“

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DAS INVESTMENT.com: Herr Noesgaard, Sparinvest hat die Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren der Vereinten Nationen, die UN-PRI, im Dezember 2009 unterschrieben. Warum nicht schon früher?

Per Noesgaard: Wir waren einfach noch nicht so weit. Wir hatten nicht die notwendigen Ressourcen, die man dafür braucht.

DAS INVESTMENT.com: Was war der Auslöser für die Verpflichtung?

Noesgaard: Einerseits fordern immer mehr institutionelle Investoren die Berücksichtigung ethisch und sozialer Kriterien im Asset Management. Darauf mussten wir reagieren. Andererseits war das für uns als Skandinavier aber auch ein ganz natürlicher Prozess. Schließlich lernen die Kinder hier schon in der Schule, was Umweltschutz bedeutet. Sparinvest war zudem schon immer ein langfristiger, risikoorientierter Investor.

DAS INVESTMENT.com: Die UN-PRI fordern unter anderem die Integration von Umwelt- und Sozialkriterien sowie Aspekten der guten Unternehmensführung, kurz ESG-Kriterien, in die Investmentanalysen und Entscheidungsprozesse. Was hat sich dadurch geändert?

Noesgaard: Vieles haben wir schon vorher gemacht, aber es war nicht strukturiert. Wir haben darum auch keine spezielle PRI-Abteilung gegründet, sondern integrieren die Kriterien in den jeweiligen Investmentprozess.

DAS INVESTMENT.com: Wie?

Noesgaard: Die PRI-Aspekte zählen bei uns zu den nicht-finanziellen Risikofaktoren eines Unternehmens. Wir nutzen dafür die Branchenberichte von MSCI ESG Research. Daraus entwickeln wir einen Fragebogen, den wir an die Unternehmen in unserem Portfolio schicken. Die Fondsmanager entscheiden dann im Einzelfall, was für sie relevant ist.

DAS INVESTMENT.com: Haben sich die bestehenden Portfolios dadurch stark verändert?

Noesgaard: Nein, so gut wie gar nicht. Wir halten noch fast alle Firmen.

DAS INVESTMENT.com: Darunter auch den Öl-Multi Shell, der wegen der Verseuchung des Niger-Delta stark kritisiert wird.

Noesgaard: Die Firma steht bei uns auf der Watchlist. Wir wollen zunächst einmal in den Dialog treten und das Unternehmen dazu bewegen, diese kritischen Punkte zu ändern.

DAS INVESTMENT.com: Der Engagement-Ansatz ist ebenfalls in den UN-PRI festgeschrieben. Hat Sparinvest erst jetzt damit angefangen?

Noeagaard: Nein, wir haben auch schon vorher mit einigen Unternehmen diskutiert. Aber das war nicht strukturiert und hing vom jeweiligen Portfoliomanager ab. Jetzt machen wir es effizienter, haben es in den Investmentprozess integriert. In diesem Jahr haben wir zum ersten Mal auf den Hauptversammlungen abgestimmt, über die Proxy-Voting-Gesellschaft ISS.

DAS INVESTMENT.com: Sparinvest hat rund 40 Prozent dänische Mortgage Bonds, Hypothekenpfandbriefe, im Portfolio. Wie setzt man hier die Prinzipien um?

Noesgaard: Gar nicht. Wir haben lange mit den Unterzeichnern der PRI und dem „Danish Social Investment Forum“, Dansif, diskutiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die PRI hier nicht anwendbar sind. Müssen sie auch nicht, denn die die meisten Anbieter der dänischen Hypothekenpfandbriefe sind selbst Unterzeichner der UN-PRI.

DAS INVESTMENT.com: Wie weit sind Sie insgesamt mit der Integration der Prinzipien?

Noesgaard: Wir arbeiten noch dran. 70 Prozent sind erledigt. Wir sind dabei effizienter als ich am Anfang gedacht hätte. Trotzdem: Das macht man nicht eben mal übers Wochenende. Und 100 Prozent sind nicht zu erreichen, weil es immer neue Ziele gibt, der Prozess laufend im Wandel ist.

DAS INVESTMENT.com: Sie kandidieren für den Verwaltungsrat der UN-PRI. Warum?

Noesgaard: Wir wollen Einfluss haben auf die Entwicklung der PRI. Und natürlich glauben wir auch, dass wir viel von unserer Art der Umsetzung einbringen können. Wir sind einfach am effizientesten. >> Mehr über die Prinzipien des nachhaltigen Investierens >> Mehr zu Sparinvest

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