Unabhängige Vermögensverwalter im Gespräch „Jetzt ist die Zeit für aktives Fondsmanagement“

Von links nach rechts: Dr. Lars Slomka, Hansen & Heinrich AG; Andreas Hauser, Habbel, Pohlig und Partner; Peter Ulrik Kessel, R.I. Vermögensbetreuung; Hans-Otto Trümper, GAP Vermögensverwaltung; Rainer Fritzsche, OVIDpartner; Frederik Hildner, Salm-Salm & Partner | © Piotr Banczerowski

Von links nach rechts: Dr. Lars Slomka, Hansen & Heinrich AG; Andreas Hauser, Habbel, Pohlig und Partner; Peter Ulrik Kessel, R.I. Vermögensbetreuung; Hans-Otto Trümper, GAP Vermögensverwaltung; Rainer Fritzsche, OVIDpartner; Frederik Hildner, Salm-Salm & Partner Foto: Piotr Banczerowski

DAS INVESTMENT: Starten wir mit einer Marktanalyse. Sind Sie bei Aktien weiter positiv gestimmt?

Andreas Hauser: Wir sind optimistisch. Wir haben eine größere Korrektur erlebt, es wird auch noch weitere geben. Angesichts der Grundsituation in Europa bei niedrigen Zinsen mangelt es an Alternativen. Daher ist die Aktie für uns ein ganz wichtiges Medium für die Zukunft. Dax-Unternehmen haben im laufenden Jahr mitunter zwischen 30 und 40 Prozent verloren, besonders stark im Oktober und November. Wenn man nicht nur in Halbjahren oder Quartalen denkt, ist jetzt die Zeit, das Portfolio wieder so aufzustellen, dass man die nächsten Jahre gut voranschauen kann.

Lars Slomka: Wir sehen eine gesunde Konsolidierung. Der berühmte Draghi-Put und auch der Fed-Put laufen langsam aus. Das führt zu Wechsel. Man sieht das in der Sektor-Rotation. Tech ist out, und defensivere Werte sind in, weil mit der Normalisierung der Geldpolitik die Wachstumsraten zurückgehen und der Tech-Sektor darauf besonders empfindlich reagiert. Aufgrund steigender Zinsen in den USA werden vielleicht auch bald wieder Treasuries interessant. Dass der Semiconductor-Sektor trotz relativ guter Zahlen so unter die Räder kommt, liegt im Wesentlichen auch an Trumps Handelspolitik.

Peter Ulrik Kessel: Wir sehen das ähnlich, für uns ist die Aktie alternativlos, wenn man langfristig positive Realrenditen erzielen will. Wir zielen auf Qualitätsaktien ab und sehen im Zuge der Korrektur Möglichkeiten, dass man gezielt Einzeltitel nachkaufen oder neue Positionen aufbauen kann. Die Volatilität ist für uns normal, bei einem Investment im Aktienmarkt gehören Schwankungen mit dazu, das ist kein Grund zur Besorgnis.

Frederik Hildner: Auch wir sind konstruktiv gestimmt. Auf der Fixed-Income-Seite hat man im Wesentlichen bei guten Krediten viel Duration und wenig Rendite. Bei besserer Konjunktur passen sich die Renditen entsprechend an, insofern sind Aktien nach wie vor relativ attraktiv. Ungewöhnlich ist nicht die aktuelle Korrektur, sondern die zwei vorangegangenen Jahre mit historisch geringer Volatilität. Volatilität gehört zum Alltag und bietet uns immer wieder Kaufchancen.

Rainer Fritzsche: In den 90er Jahren ging ein mittelfristiges Investment über drei bis fünf Jahre. Heute umfassen mittelfristige Analysen sechs oder acht Monate. Vermögensverwalter denken aber in längeren Zyklen und kommen damit auf sehr ansehnliche Durchschnittsrenditen. Eine Aktie ist ein realer Wert und gehört in jedes diversifizierte Portfolio, von daher bin ich weiterhin optimistisch. Für uns stehen nachhaltige Werte im Vordergrund. Ich möchte nicht mehr in Rheinmetall oder Boeing investieren.

Hans-Otto Trümper: Kurz- bis mittelfristige Prognosen sind schwierig, von den langfristigen Aussichten von Aktien sind wir nach wie vor überzeugt. Es gibt genügend Treiber für positive Konjunkturanstöße. Wir gehen einen Mittelweg zwischen fundamentaler Betrachtung und Markttechnik. Letztere hat sich zusehends verschlechtert, daher agieren wir momentan sehr zurückhaltend. Entscheidend ist, wie es weltweit mit der Konjunktur weitergeht. Wenn es nicht bald zu einer Einigung im Handelsstreit kommt, wird das weiter negative Auswirkungen haben. Wir mahnen zur Vorsicht.

Welche Erwartungen haben Sie zur Zinsentwicklung?

Kessel: Wir erwarten weiterhin negative Realrenditen, gerade am kurzen Ende. In den USA gibt es nach dem Zinsanstieg leicht positive Realrenditen, die Inflationserwartungen sind dort aber auch stärker. Grundsätzlich ändert sich nicht viel am Bild, viele Staaten sind weiterhin stark verschuldet. Gerade mit Blick auf Südeuropa kann es sich die EZB nicht erlauben, die Realzinsen groß anziehen zu lassen.

Slomka: In den USA werden die Zinsen steigen, weil die Konjunktur gut läuft, die Steuerreform hat dies bestärkt. In Europa wird die EZB weiter auf der Rasierklinge zwischen Italien und Deutschland laufen. Womöglich muss Deutschland mit höherer Inflation bei niedrigen Zinsen leben. Wir sehen, dass die Renditen in Italien doch steigen können, also bleiben die Zinsen zumindest dort nicht niedrig. Wenn politische Fehler passieren, können die Zinsen auch in Europa steigen.

Hauser: Wir sehen das anders und gehen davon aus, dass die Fed vielleicht noch ein oder zwei Zinsschritte macht, es dann aber zu einer Stabilität der Zinslandschaft kommt. Es wird bereits diskutiert inwieweit die steigenden Zinsen für die Wirtschaft gesund sind. Wir glauben, dass wir diesen Punkt bereits erreicht haben und weitere Zinsschritte eher negativ wirken. Ein Zinstrend wie in den USA der letzten drei Jahre wird in Europa nicht passieren.

Trümper: Für uns ist entscheidend, Konjunktur und Inflation im Blick zu behalten, weil das die wichtigsten Kriterien für weitere Zinsentscheidungen sein werden. Sollte der Handelsstreit nicht bald beigelegt werden, wird der Zinserhöhungszyklus der Fed bald ein Ende finden. Im anderen Fall wird es zu weiteren Zinserhöhungen kommen und möglicherweise auch zu einem Überschießen wie in früheren Jahren. Einem weiteren Zinsanstieg in den USA wird sich dann auch Europa nicht entziehen können.

Fritzsche: Die Frage greift mir zu kurz. Damit wird häufig in der Öffentlichkeit ein Markt pauschalisiert, der mittlerweile sehr differenziert ist und nicht mehr nur aus Staatsanleihen besteht. Das verunsichert Anleger, die dann Anleihen aus ihrem Portfolio werfen. Dabei finden Sie ausreichend Anleihen, die einen interessanten Zinskupon und Stabilität liefern. Ich muss stets prüfen, was die Quelle des Zinseinkommens ist. Anleger wie Stiftungen und Pensionskassen möchten Kapitalstabilität mit begrenzter Schwankungsbreite haben.

Hildner: Es wird in den Medien tatsächlich sehr heiß gekocht, dabei haben alle Zentralbanken gesagt, sie werden pfadabhängig agieren. Höhere Zinsen können demnach nur einhergehen mit besserer Ökonomie und höherer Kerninflation. Zum Glück sind wir bei Wandelanleihen deutlich weniger zinssensitiv. In allen Zinsanstiegsphasen in den USA, in denen zehnjährige Treasuries innerhalb von zwölf Monaten mehr als ein Prozent zugelegt haben, hat unser Wandelanleihe-Index positiv performt. Wenn die Aktienmärkte laufen, kann eine Wandelanleihe steigende Zinsen nicht nur kompensieren, sondern überkompensieren.