Unabhängiges Swift-System der EU Warum der US-Dollar Reservewährung der Welt bleibt

Reservewährungen: Anteile des US-Dollars und des Euros an den weltweiten Währungsreserven. | © Quelle: IMF; Grafik: Assenagon Asset Management

Reservewährungen: Anteile des US-Dollars und des Euros an den weltweiten Währungsreserven. Foto: Quelle: IMF; Grafik: Assenagon Asset Management

Der deutsche Außenminister hat vor kurzem einen interessanten Vorschlag zur Weiterentwicklung der Europäischen Union gemacht. Europa solle, so sagt er, „von den USA unabhängige Zahlungskanäle einrichten, einen Europäischen Währungsfonds schaffen und ein unabhängiges Swift-System aufbauen“.

Damit könne es mehr Verantwortung in der Welt übernehmen und in einer „balancierten Partnerschaft“ zu einem Gegengewicht zu den Vereinigten Staaten werden.

Unmittelbarer Anlass für diese Forderungen ist natürlich der Wunsch, Geschäfte mit dem Iran auch nach der Kündigung des Iran-Abkommens zu ermöglichen. Langfristig aber geht es darum, den Euro als Reservewährung in der Welt zu stärken.

Reservewährungen

Martin Hüfner, Assenagon Asset Management

Grundsätzlich ist alles, was Europa nutzt, in der gegenwärtigen weltpolitischen Situation zu begrüßen. Amerika zieht sich aus seiner internationalen Verantwortung zurück. Die übrig bleibenden Mächte sortieren sich neu. Auch Europa muss seinen Platz finden. Es kann sich nicht mehr wie bisher einseitig auf die transatlantische Allianz verlassen. Das gilt natürlich auch für die Währung. Die Frage ist allerdings, ob die Vorschläge des Ministers dazu geeignet sind.

Aus der geschichtlichen Erfahrung gibt es darauf zwei unterschiedliche Antworten. Die eine ist, dass sich die Bedeutung von Währungen in der Welt in der Tat sehr schnell ändern kann. Das war zum Beispiel vor etwas mehr als 100 Jahren der Fall, als der amerikanische Dollar das Britische Pfund als Welt-Reservewährung ablöste.

Weltfinanzzentrum

Vor dem ersten Weltkrieg war das Pfund noch die wichtigste Währung der Welt, der niemand das Wasser reichen konnte. Das beruhte damals auf der Rolle Großbritanniens als koloniale Macht und dem überragenden Finanzzentrum London. Weniger als zehn Jahre später war das zu Ende. Der Dollar wurde zur dominierenden Währung. Das beruhte zum einen auf der wirtschaftlichen Schwächung Europas durch den Ersten Weltkrieg.

Zum anderen erlebten die USA einen unvergleichlichen wirtschaftlichen und politischen Aufstieg. Es geht also, dass Währungen aufsteigen, unabhängiger werden und an Bedeutung gewinnen. Das erfordert allerdings außergewöhnliche Maßnahmen und Umstände. Die sind heute nicht gegeben.

Relativ unbeweglich

Die zweite Antwort aus der Geschichte: Im Normalfall ist die Struktur der Reservewährungen relativ starr und unbeweglich. Die obige Grafik zeigt die Entwicklung seit Beginn des Euros 1999. Da bewegt sich in der Tat relativ wenig. Der Anteil des Euros an den Weltwährungsreserven liegt heute mit 20 Prozent kaum höher als zu Beginn der Währungsunion (18 Prozent) vor 20 Jahren.

Zwischenzeitlich ist er mal auf 27 Prozent gestiegen, hat sich dann aber in der Eurokrise schnell wieder verringert. Der Anteil des US-Dollars ist in dieser Zeit von 71 auf 62 Prozent zurückgegangen. Es gibt also Änderungen, sie halten sich aber in Grenzen. Damit wäre der deutsche Außenminister sicher nicht zufrieden.