Unbekanntes Universum

Es gibt sie, doch kaum einer kennt sie: Der Markt für steuerlich transparente und damit für Anleger interessante Single-Hedge-Fonds ist fast vollkommen intransparent.

Christina Klein sucht noch. Die Juristin aus der Zentrale des Bundesverbands Alternative Investments (BAI) in Bonn kommt aktuell auf 23 Single-Hedge-Fonds, die in Deutschland aufgelegt wurden. 24 müssten es nach Auskunft der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) sein. Doch die Suche nach dem fehlenden Fonds gestaltet sich schwierig: Mehr als die bloße Zahl möchten Bafin-Mitarbeiter auch auf Nachfrage nicht nennen. Denn Single-Hedge-Fonds dürfen im Gegensatz zu Hedge-Dachfonds weder öffentlich angeboten, noch beworben werden.

Doch die 24 deutschen Fonds sind ohnehin nur ein kleiner Teil des Universums, das Anlegern an Single-Fonds zur Verfügung steht. Denn prinzipiell können deutsche Anleger auch in Fonds investieren, die auf den Cayman Islands, den Bahamas, auf Guernsey oder in der Schweiz aufgelegt wurden. Das lohnt sich allerdings nur, wenn die Fonds ihre Erträge dem deutschen Steuerrecht gemäß aufschlüsseln.

Welche und wie viele Fondsmanager das tun, weiß heute niemand genau. Wer sich für ausländische Hedge-Fonds interessiert, muss sich daher wie Christina Klein auf die Suche begeben. Die Fonds zu finden ist aber selbst für Profis nicht leicht.

Thorsten Pörschmann, Chef der Bremer Vermögensverwaltung Nordtreuhand und Hedge-Fonds-Spezialist, schätzt die Zahl der transparenten Produkte auf „50 bis 80 Fonds“. Michael Busack, Vorstandsmitglied des BAI, geht davon aus, dass es „etwa xx solcher Produkte“ gibt. Peter Udo Schröder, Initiator des Hedge-Fonds-Awards, den er im November an die besten steuertransparenten Fonds vergeben will, spricht gar von über 470 Fonds. Welche das sein könnten, will oder kann Schröder knapp zwei Monate vor der Preisverleihung nicht sagen; Einblick in seine Datenbank gewährt er nicht.

Einen Vermögensverwalter, der alle transparenten Hedge-Fonds anbietet, gibt es ebenso wenig wie einen Überblick über die Fonds. „Kontakt zu Kollegen und Fondsgesellschaften, Branchenmeetings und Recherche im Internet“, seien ein Weg, die Fonds ausfindig zu machen, erklärt Matthias Reinhardt von der Vermögensberatung Reinhardt & Foldenauer.

Er stützt sich wie auch seine im Bereich Hedge-Fonds aktiven Kollegen Andreas Rühl von der Vermögensberatung IFL Rühl und Thorsten Pörschmann zu einem großen Teil auf das Angebot der Fondsplattform des Bankhauses Metzler.

Bei der Metzler Fund Xchange können aktuell aber auch gerade einmal zwölf Single-Fonds gehandelt werden, damit bietet sie dennoch die größte Auswahl in Deutschland.

Das ist allerdings nur sehr kleiner Teil der transparenten Fonds. Tatsache ist, dass es neben den Produkten, die über die Plattform gehandelt werden können, mindestens 88 weitere Fonds gibt, die ihre Erträge dem deutschen Steuerrecht gemäß aufschlüsseln.

Dazu zählen einige der teilweise recht erfolgreichen deutschen Single-Fonds der DWS, aber auch viele ausländische Produkte. Etwa von großen Häusern wie Morgan Stanley, das für die drei Hedge-Fonds The Latin America Discovery Fund, The Malaysia Discovery Fund und The Thai Fund Steuerdaten liefert, und der britischen Fondsgesellschaft Threadneedle.

Auch Fonds von etablierten Boutiquen wie Ennismore, Charlemagne und ZA International des ehemaligen Schroders-Managers Zafar Ahmadullah finden sich unter den transparenten Produkten. Neben etablierten Hedge-Fonds-Häusern bieten zudem zahlreiche Banken und Nischenanbieter steuertransparente Single-Fonds an.

An die Produkte heranzukommen ist freilich nicht immer leicht. Nicht alle nehmen jederzeit neues Geld, manche richten sich ausschließlich an institutionelle Investoren, viele verlangen hohe Summen. Aber das gilt selbst für einige Fonds, die die Berater über die Metzler Fund Xchange anbieten und an die Anleger daher noch relativ leicht herankommen, indem sie sich an Berater wie Pörschmann, Reinhardt oder Rühl wenden.

Bei den übrigen Produkten haben Anleger nur die Chance, einen findigen Vermögensberater auszumachen, der die Gepflogenheiten der Branche kennt und den Kontakt zur Fondsgesellschaft aufnehmen kann, oder selbst diesen Kontakt herzustellen. Grundsätzlich kann man Single-Fonds, wenn sie denn neues Geld nehmen, direkt bei der Gesellschaft zeichnen. Sie verwahrt dann auch die Anteile.

Ob sich das lohnt, ist indes alles andere als gewiss. Die Steuertransparenz ist kein Qualitätsmerkmal, sondern bloß Ausschlusskriterium. Die besten Manager haben es gar nicht nötig, Steuerdaten zu liefern. „Die Top-Manager bekommen das Geld hinterher getragen und haben somit kein existentielles Interesse an zusätzlichem Volumen, welches in Deutschland sowieso nicht sonderlich hoch ausfallen sollte“, sagt Reinhardt. „Das ist schade, denn so bleiben für den deutschen Anleger häufig nur mittelmäßige und schlechte Manager übrig, die bei Misserfolg die Fonds wieder schnell schließen.“ So erging es erst kürzlich einem europäischen Long-Short-Fonds der Sparkassen-Tochter Deka.

Welche der transparenten Fonds einen näheren Blick lohnen, finden Sie jeweils in den aktuellen Ausgaben von DAS INVESTMENT.

Mehr zum Thema