Uneinigkeit um größtes Kreditinstitut Deutschlands

Deutsche-Bank-Investoren über Strategie gespalten

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Analysten der Credit Suisse Group haben am Dienstag ihre Anlageempfehlung für die Aktie auf „Neutral gesenkt“ und argumentiert, eine Verkleinerung des Privatkundengeschäfts könnte die Finanzierungskosten der Deutschen Bank in die Höhe treiben. Anderer Auffassung sind Analysten von JPMorgan Chase & Co. und Citigroup. Sie raten zum Kauf der Aktie und gehen davon aus, dass ein Verkauf des Privatkundengeschäftes Profitabilität und Kapital stärken würden.

Die beiden Co-Vorstandschefs der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, überarbeiten ihre Strategie, nachdem ein Rückgang der Handelsaktivität ihre Gewinnziele nicht mehr erreichbar gemacht hat. Ein Verkauf des unterdurchschnittlich rentablen Privatkundengeschäfts könnte zwar die Gewinne ankurbeln, würde die Abhängigkeit der Bank von ihrer Investmentbankingsparte jedoch verstärken.

Die Deutsche Bank hat eine Reihe von Schritten unternommen, um ihre Abhängigkeit vom Investmentbanking zu reduzieren, aber es hat nicht ausgereicht um die Investoren zu überzeugen”, sagte Michael Hünseler, Fondsmanager bei Assenagon Asset Management, einem Großaktionär der Bank. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine extreme Lösung gibt, stattdessen wird wahrscheinlich das Verbrauchergeschäft eher fusioniert als verkauft.“

Die Bank erwägt laut informierten Kreisen drei Optionen. Ein Szenario sieht demzufolge vor, die Privatkundensparte 2017 an die Börse zu geben. Diese Option, bei der die Investmentbank ihren Fokus verengen würde, gäbe den schnellsten Anstieg bei den Erträgen für die Aktionäre, hieß es.

Ein Sprecher der Deutschen Bank wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. Das Kreditinstitut will im Laufe des zweiten Quartals den Investoren Neues zu seiner Strategie bekanntgeben.

Hier eine Zusammenfassung der Argumente für und gegen einen Verkauf des Privatkundengeschäfts:

PRO

  • Die Aktie: Im vergangenen Jahr haben die Aktien der Deutschen Bank 24 Prozent an Wert verloren und zeigen damit die schlechteste Entwicklung unter den Aktien der neun größten globalen Investmentbanken. „Ein Verkauf des Privatkundengeschäfts wäre ein Grund, die Aktie näher zu betrachten, weil sie sich damit auf das konzentrieren könnten, was sie am besten kennen und im Investmentbanking richtig Gas geben könnten“, sagt Daniel Hupfer von M. M. Warburg in Hamburg.
  • Profitabilität: Das Privatkundengeschäft hatte im vergangenen Jahr die geringste Eigenkapitalrentabilität und die höchste Kostenquote unter den vier Sparten der Deutschen Bank. Keiner der 19 von Bloomberg befragten Analysten erwartet, dass die Bank im nächsten Jahr ihr Ziel einer Eigenkapitalrendite von zwölf Prozent erreicht. Würde das Privatkundengeschäft ganz oder teilweise verkauft, könnte dies die Erträge verbessern, erwartet Kian Abouhossein, Analyst bei JPMorgan in London.
  • Kapital: Mit einer Leverage Ratio von 3,5 Prozent verfügt die Deutsche Bank über das geringste Kapital im Verhältnis zur Bilanzsumme unter den 22 größten börsennotierten europäischen Banken, wie Bloomberg-Daten zeigen. Die Bank muss die Kennzahl auf einen Wert von über vier Prozent steigern und ein Verkauf des Privatkundengeschäftes würde sie auf 4,6 Prozent bringen, so Analyst Kinner Lakhani von Citigroup.

CONTRA

  • Volatilität: Die Investmentbank ist immer noch die größte Sparte der Deutschen Bank und trug im vergangenen Jahr 43 Prozent zum Gewinn bei. Damit wäre die Bank einem Abschwung in diesem Geschäft stark ausgesetzt. „Es wird Phasen geben, in denen das Investmentbanking-Geschäft besser oder schlechter läuft, daher wäre eine gewisse Kontinuität mit dem Verbrauchergeschäft eine gute Idee“, sagt Hünseler von Assenagon.
  • Finanzierung: Ein Verkauf des Privatkundengeschäftes würde das Einlagenvolumen der Bank als günstige Finanzierungsquelle reduzieren und die Bank Goldman Sachs Group ähnlicher machen. Der Verlust einer stabilen Geschäftssparte könnte auch dazu führen, dass die Gläubiger von der Bank mehr Zinsen verlangen. „Ein Ausstieg aus dem Privatkundengeschäft wäre negativ für die Kreditwürdigkeit der Deutschen Bank”, da „die Diversifizierungs-Vorteile des Privatkundengeschäfts den Schutz für die Anleihegläubiger verstärken“, schreib Moody’s Investors Service in einer Studie.
  • Gewinne: Eine Erholung der Investmentbank ist nicht sicher, da die Konjunkturmaßnahmen der Zentralbanken weiterhin die Anleiherenditen belasten und die Aufsichtsbehörden von den Banken verlangen, mehr Kapital vorzuhalten. Der Investmentbank der Deutschen Bank drohe „deutlicher Gegenwind“, was Erträge, steigende Kosten und Regulierung angehe, schrieben Analysten von Mediobanca SpA vergangene Woche in einer Studie. Sie senkten ihre Anlageempfehlung von „Neutral“ auf „Underperform“.

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