Arbeiten auf dem heimischen Balkon Foto: Foto von Daria Shevtsova von Pexels

Versicherungsschutz bei der Arbeit

„Unfälle im Homeoffice nur unzureichend abgesichert“

Die Corona-Krise hat die Homeoffice-Quote signifikant in die Höhe getrieben. Eine aktuelle Studie zeigt: Jeder vierte Deutsche arbeitet im Moment überwiegend von zu Hause. Doch wer springt eigentlich ein, wenn der Arbeitnehmer im Homeoffice einen Unfall erleidet?

Klar ist: Auf dem Weg ins Büro oder bei Arbeitsunfällen sind Arbeitnehmer über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert. Ähnlich verhält es sich, wenn man von zu Hause seinen Beruf ausübt. Für den gesetzlichen Unfallschutz ist es unerheblich, an welchem Ort sich hierzulande der Arbeitsplatz befindet. Trotzdem landen Arbeitsunfälle im Homeoffice immer wieder vor Gericht.

Denn leider ist die Abgrenzung zwischen einem Arbeits- und einem Freizeitunfall oftmals schwammig und durchaus Auslegungssache. Zudem sind Arbeitsunfälle auf dem Firmengelände, wie beispielsweise auf dem Weg zum Mittagessen in die Kantine, gesetzlich versichert – nicht jedoch Unfälle, die im Homeoffice beim Gang zur Küche passieren.

Zusammenhang mit beruflicher Tätigkeit

Es ist also nicht jede Tätigkeit, die man beim Arbeiten im Homeoffice verrichtet, durch die gesetzliche Unfallversicherung abgedeckt. Als Faustregel gilt: Ein Arbeitsunfall liegt nur dann vor, wenn er sich in Zusammenhang mit einer beruflichen und damit versicherten Tätigkeit ereignet hat.

Im Klartext heißt das, dass ein Unfall auf dem Weg vom Arbeitszimmer zum Drucker von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt ist. Anders verhält es sich aber, wenn der Arbeitnehmer in die Küche geht, um sich dort beispielsweise einen Kaffee zu holen.

Es gibt diverse Gerichtsurteile, die besagen, dass Unfälle auf dem Weg zur Toilette oder zur Küche im Homeoffice nicht gesetzlich unfallversichert sind. Paradoxerweise ist aber ein Unfall, der sich innerhalb des Betriebs zwischen Arbeitsplatz und Kantine oder Toilette ereignet, sehr wohl abgesichert.

Gesetzlicher Unfallschutz lückenhaft

Insgesamt betrachtet ist der gesetzliche Unfallschutz also lückenhaft – sowohl im Homeoffice als auch im betrieblichen Arbeitsumfeld. So zählt beispielsweise ein Unfall auf dem stillen Örtchen oder beim Essen in der Kantine oder der Küche weder beim Beschäftigten im Homeoffice noch im Betrieb als Arbeitsunfall.

Auch wenn ein Arbeitnehmer schließlich Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung hat, reichen diese häufig nicht, um unfallbedingte Zusatzkosten und/oder Einkommenslücken ausreichend abzudecken. Eine private Unfall-, Erwerbs-, Berufsunfähigkeits- und/oder Krankentagegeld-Versicherung kann daher durchaus sinnvoll sein, um sowohl die Lücken im Schutz als auch in der Leistung ausreichend abzudecken.

Andreas Buhre, die Bayerische

Über den Autor

Andreas Buhre ist Leiter Underwriting und Portfoliomanagement bei der Versicherungsgruppe die Bayerische aus München.

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