Bischof Stephan Ackermann bei seiner Amtseinführung 2009. <br> Quelle: Bistum Trier

Bischof Stephan Ackermann bei seiner Amtseinführung 2009.
Quelle: Bistum Trier

Unfreiwilliger Nebenjob: Finanzberater wird zum Teilzeit-Bischof

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Dass Finanzberater gut zuhören müssen, steht in fast jedem Beratungs- und Verkaufsratgeber. Die Zuhörer-Qualitäten des Trierer Beraters Stephan Ackermann werden jedoch besonders hart auf die Probe gestellt. Seit sein Namensvetter im Frühjahr 2009 zum Bischof ernannt wurde, klingelt bei dem 40-jährigen Finanzberater häufiger das Handy.

Hilfesuchende und verärgerte Menschen, die Ackermanns Mobilfunknummer im Telefonbuch gesehen haben, rufen an und glauben, mit dem Bischof zu sprechen. Der erste Anruf kam im Frühjahr 2009 von einer Gruppe indischer Nonnen, die seinem Namensvetter zur Bischofsernennung gratulieren wollten, erzählte Ackermann der Tageszeitung „Trierischer Volksfreund“. Seitdem rufen mehrmals die Woche Menschen an, die mit dem Bischof über ihre Probleme und Sorgen sprechen oder einfach ihrem Ärger über die katholische Kirche freien Lauf lassen wollen.

Besonders schlimm sei es gewesen, als die ersten Fälle des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche auftraten, berichtet Ackermann. Es folgten zornige Anrufe und Beschimpfungen.

Viele Anrufer legten auch dann nicht auf, als sie erfuhren, dass nicht der „richtige“ Stephan Ackermann am Telefon ist. Das längste Telefonat mit jemandem, der eigentlich den Geistlichen sprechen wollte, dauerte zwei Stunden.

Seine Telefonnummer will Ackermann jedoch nicht ändern. „Ich habe die Anrufe nie als Bürde gesehen, sondern höre mir die Probleme der Menschen gerne an“, sagte Ackermann zum „Trierischen Volksfreund“. Dabei sehe er Parallelen zu seinem Beruf als Finanzberater. „Man hat immer mit anderen Menschen zu tun und lernt viele unterschiedliche Charaktere kennen".

Einige der Menschen, die schwerwiegende Probleme schildern, leitete Ackermann an die entsprechende Diözesanstelle weiter. So kam er auch mit seinem geistlichen Namensvetter in Kontakt, der ihn daraufhin zum Essen einlud.

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