Am Montagmorgen hat Unicredit per Ad-hoc-Mitteilung bekannt gegeben, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für die Commerzbank abzugeben. Das Angebot ist als Tauschangebot konzipiert: Die Mailänder bieten den Commerzbank-Aktionären 0,485 neue Unicredit-Aktien je Commerzbank-Aktie. Das entspricht laut der Mitteilung einem impliziten Preis von 30,80 Euro je Aktie – einem Aufschlag von 4 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Die Commerzbank wird damit insgesamt mit rund 35 Milliarden Euro bewertet.
Um die neuen Aktien ausgeben zu können, will Unicredit eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen – spätestens bis zum 4. Mai 2026. Der Verwaltungsrat soll dabei ermächtigt werden, die notwendige Kapitalerhöhung nach italienischem Recht umzusetzen. Der Vollzug des Angebots steht unter dem Vorbehalt kartell- und investitionskontrollrechtlicher Freigaben sowie der Genehmigung durch die Europäische Zentralbank und die Bafin.
Strategisches Ziel: Die 30-Prozent-Schwelle
Unicredit ist bereits größte Einzelaktionärin der Commerzbank. Die Italiener halten direkt rund 26,02 Prozent am Grundkapital; inklusive Total Return Swaps kommen sie auf insgesamt knapp 29,9 Prozent. Das Übernahmeangebot verfolgt einem Begleitschreiben zufolge ein konkretes Ziel: die im deutschen Übernahmerecht relevante 30-Prozent-Schwelle formal zu überschreiten, ohne dabei die Mehrheit an der Commerzbank zu erwerben.
Hintergrund ist, dass die Commerzbank derzeit ein Aktienrückkaufprogramm durchführt – was Unicredit bislang zwingt, laufend eigene Commerzbank-Aktien zu verkaufen, um nicht unfreiwillig die 30-Prozent-Marke zu überschreiten. Mit einem regulär genehmigten Überschreiten dieser Schwelle entfiele diese Notwendigkeit, und Unicredit könnte am Markt weitere Anteile zukaufen.
Politischer Gegenwind bleibt
Das Angebot trifft auf erklärten Widerstand. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp hat sich wiederholt gegen eine Übernahme ausgesprochen. Auch die Bundesregierung lehnte die Avancen zuletzt klar ab: Das Bundesfinanzministerium erklärte, man setze „weiterhin auf die Eigenständigkeit der Commerzbank“. Der Bund hält nach dem Abbau seiner Beteiligung in den vergangenen Monaten noch einen relevanten Anteil an der Bank.
Die endgültigen Angebotsbedingungen werden nach Gestattung durch die Bafin in einer formellen Angebotsunterlage veröffentlicht.
