Die Commerzbank hat am Freitag ihre neue Strategie bis 2030 vorgestellt – und macht damit unmissverständlich klar: Sie will eigenständig bleiben. Der Plan richtet sich direkt gegen das Übernahmeangebot der Unicredit, das erst wenige Tage zuvor eingereicht worden war.

Ehrgeizige Finanzziele als Abwehrstrategie

Das Herzstück der neuen Strategie trägt den Namen „Momentum 2030“. Die Commerzbank will ihre Eigenkapitalrendite bis 2030 auf 21 Prozent steigern – ein enormer Sprung gegenüber den 8,7 Prozent im vergangenen Jahr. Zum Vergleich: Die Unicredit stellt für dasselbe Jahr 23 Prozent in Aussicht, allerdings nur im Fall einer erfolgreichen Übernahme. Die Deutsche Bank begnügt sich für 2028 mit einer Zielmarke von über 13 Prozent.

Hinzu kommt ein großzügiges Ausschüttungsversprechen: Solange die Kapitalquote bei 13,5 Prozent liegt, will die Commerzbank den gesamten Nettogewinn in Form von Dividenden und Aktienrückkäufen an ihre Aktionäre weitergeben.

Stellenabbau wirft Fragen auf

Um diese Ziele zu erreichen, setzt die Commerzbank verstärkt auf Künstliche Intelligenz: Zwischen 2026 und 2030 sollen rund 600 Millionen Euro investiert werden. Gleichzeitig sollen konzernweit weitere 3.000 Vollzeitstellen wegfallen – zusätzlich zu den 3.900 Stellen, deren Abbau bereits im Februar 2025 angekündigt worden war.

Eine Kehrtwende, die Fragen aufwirft: Noch im Dezember 2023 hatte die damalige Personalvorständin Sabine Mlnarsky erklärt, die Bank benötige in den kommenden zehn Jahren rund 20.000 neue Mitarbeiter, um das Ausscheiden der Babyboomer-Generation auszugleichen. Der Druck durch Unicredit hat diese Planung offenbar grundlegend verändert.

Betriebsratschef Sascha Uebel zeigte sich trotzdem pragmatisch: „Ich kann die Augen vor AI verschließen oder die Zukunft gestalten. Wir haben uns für Letzteres entschieden.“ Betriebsbedingte Kündigungen seien faktisch bis Ende 2030 ausgeschlossen, die Einsparungen sollen über Altersprogramme und natürliche Fluktuation erfolgen. Zugleich machte Uebel klar: Sollte Unicredit die Kontrolle übernehmen, stelle der Betriebsrat jede konstruktive Zusammenarbeit ein.

Commerzbank greift Unicredit scharf an

Parallel zur Strategievorstellung zog die Commerzbank scharf gegen den Übernahmeplan von Unicredit-Chef Andrea Orcel ins Feld. Dessen Plan sei „vage und birgt erhebliche Umsetzungsrisiken“ – zudem bediene er sich „irreführender Darstellungen.“ In einer Präsentation listet die Commerzbank konkrete Aussagen auf, die sie als falsch oder irreführend betrachtet, darunter den Vorwurf, sie zeige eine „unterdurchschnittliche operative Leistung“ oder investiere zu wenig in Technologie.

Das aktuelle Übernahmeangebot, 0,485 eigene Unicredit-Aktien je Commerzbank-Papier, liegt unterhalb des aktuellen Börsenkurses und ist damit für Commerzbank-Aktionäre derzeit unattraktiv. Gesprächsbereit zeigt sich die Commerzbank weiterhin, jedoch nur „sofern Unicredit bereit ist, eine attraktive Prämie zu bieten.“

Starke Quartalszahlen als Rückenwind

Rückenwind bekommt die Commerzbank durch ein starkes erstes Quartal 2026. Die Ergebnisse übertrafen die Erwartungen der Analysten deutlich. Vorstandschefin Bettina Orlopp, die die Führung im Oktober 2024 wenige Wochen nach dem Einstieg von Unicredit übernahm, zog daraus ein selbstbewusstes Fazit: „Das beweist: Unsere Strategie funktioniert – und hat mehr Potenzial als ursprünglich geplant“, sagte Orlopp. Daran, so die Vorstandschefin, müsse sich jede Alternative messen lassen.