Die italienische Großbank Unicredit hat am 5. Mai ihr formelles Übernahmeangebot für die Commerzbank eingereicht. Die Italiener bieten 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Papier – den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreis, den die Bafin auf Basis des volumengewichteten Durchschnittskurses der vergangenen drei Monate festgelegt hat. Das Angebot läuft bis zum 16. Juni 2026.
Den Weg dafür hatte die Unicredit-Hauptversammlung am Montag freigemacht: Die Aktionäre stimmten einer Kapitalerhöhung zu, die als Grundvoraussetzung für das Angebot galt.
Die Offerte ist jedoch an zahlreiche Bedingungen geknüpft: Bis Mitte 2027 muss Unicredit grünes Licht von einer Reihe von Regulatoren einholen – darunter EU-Kartellbehörden, die EZB sowie Finanzaufseher in mehreren Ländern wie den USA, Polen und Frankreich.
Unicredit hält bereits knapp 30 Prozent an der Commerzbank und ist seit 2024 bei dem Frankfurter Institut eingestiegen. CEO Andrea Orcel erwartet zwar nicht, mit dem aktuellen Angebot die Mehrheit zu erlangen. Es soll jedoch die 30-Prozent-Schwelle überschreiten, die ein gesetzliches Pflichtangebot an alle übrigen Aktionäre auslösen würde.
Unicredit erzielt Rekordgewinn
Gleichzeitig mit dem Angebot veröffentlichte Unicredit heute seine Quartalszahlen – und kann dabei aus einer Position der Stärke heraus agieren: Im ersten Quartal 2026 erzielte das Mailänder Institut einen Rekordgewinn von 3,2 Milliarden Euro, 16 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr peilt Unicredit nun einen Nettogewinn von mindestens 11 Milliarden Euro an.
Der Ton zwischen beiden Häusern ist seit Wochen rau: Unicredit hatte der Commerzbank zuletzt vorgeworfen, sich tiefergehenden Gesprächen zu verweigern – die Bafin untersagte dem Institut daraufhin sogar unsachliche Kritik im Übernahmekampf.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp und die Bundesregierung als zweitgrößter Aktionär lehnen eine Übernahme weiterhin ab. Die Commerzbank will am Freitag ihre eigene Strategie bis 2030 vorstellen und dabei auch konkret auf das Unicredit-Angebot eingehen.

