Union-Investment-Vertriebsleiter im Interview „Mit unserem eigenen Fintech testen wir neue Vertriebsmodelle im Internet“
Einige Marktteilnehmer bezeichnen Robo-Advisor als den Fonds-Vertriebsweg der Zukunft, als digitale Antwort auf die vertrieblichen Herausforderungen in der Fondsbranche, die 95 Prozent der Bevölkerung den Weg zur privaten Vermögensbildung öffnen wird. Würden Sie sich dieser These anschließen?
Das sehe ich nicht so. Zwar ist das Angebot der Robo-Advisor in den vergangenen 24 Monaten gestiegen. Wir gehen aber davon aus, dass sich der Markt in den kommenden Jahren konsolidieren wird. Denn das Vertrauen der Kunden muss erst gewonnen werden. Für Anleger handelt es sich um eine neue Form der Geldanlage.
Aller Voraussicht nach werden die Kundenzahlen in den kommenden zwei Jahren nur langsam steigen. Erst danach dürfte das Interesse ansteigen – aber nur beim kleinen Teil der Selbstentscheider oder der onlineaffinen Kunden, die nicht in eine Bankfiliale gehen.
Für die allermeisten Menschen hingegen bleibt die persönliche Beratung in der Bank auch in Zukunft der wichtigste Faktor bei der Geldanlage. Dies sehen auch die Anleger so. Bei der jüngsten Umfrage im Rahmen unseres Anlegerbarometers gaben 71 Prozent der Befragten an, dass ihnen ein persönliches Gespräch mit einem Bankberater bei der Entscheidung über die Geldanlagen wichtig ist.
Welche Konsequenzen ergeben sich aus dem Trend „Robo-Advisor“ für Ihr Haus? Wie wollen Sie von diesem Trend profitieren?
Riester: Union Investment hat im März das Fintech VisualVest gestartet, um unter Marktbedingungen neue Vertriebsmodelle im Internet rund um Online-Beratung und Angebote zur Geldanlage für Privatanleger zu erproben und ein Forschungs- und Innovationslab zu etablieren. Mit dem Wissen, das wir mit VisualVest erwerben, wollen wir uns zukunftsfest aufstellen, um unsere Partnerbanken und schließlich alle Anleger auch künftig bei der Geldanlage zu unterstützen.
Welche Regelungen im Rahmen von Mifid ll finden Sie gut und sinnvoll, wo sehen Sie Nachbesserungsbedarf?
Riester: Mehr Verbraucherschutz unterstützen wir generell. Allerdings fragen wir uns, ob die vielen unterschiedlichen Regulierungsvorhaben mit zum Teil ähnlichen, aber nicht deckungsgleichen Anforderungen nicht zu mehr Verwirrung als zu mehr Aufklärung führen. Wir würden uns hier mehr Abstimmung in Brüssel wünschen. Auch wäre es wünschenswert, wenn neue Regulierungsmaßnahmen erst einmal ihre Wirkung entfalten könnten, anstatt immer neue Anforderungen zu stellen und die Marktteilnehmer dadurch zu verunsichern.
Wie werden Sie sich auf die neuen Anforderungen einstellen?
Riester: Wir sehen uns hier generell auf einem guten Weg. Durch den engen Austausch in der genossenschaftlichen FinanzGruppe wird sichergestellt, dass die neuen Anforderungen bestmöglich und vertriebsunterstützend implementiert werden können.
Meistgelesen
Top-News
