Hanfpflanze Foto: imago images / Nature Picture Library

Cannabis-Aktien

UNO und EU ebnen den Weg für Investoren

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Das Interesse an der Cannabis-Branche ist in der Finanzwelt in den vergangenen Jahren gestiegen, obwohl sie spekulativ und stark von Politik und Rechtsprechung abhängig ist. Jüngst erhielten Cannabis-Unternehmen Schub durch politische Vorzeichen in den USA und zwei wegweisende Entscheidungen: einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs und dem Beschluss der Vereinten Nationen (UNO), Cannabis von der Liste der gefährlichen Drogen zu nehmen.

Anfang Dezember stimmte die Kommission für Suchtstoffe der UNO dafür, Cannabis für medizinische Zwecke aus der Kategorie der gefährlichsten Drogen der Welt zu entfernen. Diese Entscheidung könnte den Weg ebnen, die medizinische Verwendung und Legalisierung voranzutreiben. Das Votum folgte einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Damit steht Cannabis nicht mehr in einer Reihe mit Heroin. Die Entscheidung war mit 27 zu 25 Stimmen knapp. Es ist interessant, welche Mitgliedstaaten in der Kommission für Suchtstoffe dafür votiert haben: im Wesentlichen waren es alle westlichen Staaten von Nordamerika bis Westeuropa. Das Signal der UNO ist ein Meilenstein für die Cannabis-Branche. Viele Länder dürften sich daran orientieren.

Außerdem gab es kurz vor der UN-Abstimmung im November bereits ein wegweisendes Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Kernbotschaft war: Cannabidiol (CBD), einer von vielen Wirkstoffen der Hanfpflanze und wirtschaftliches Grundgerüst unserer Branche, ist kein Betäubungsmittel. Auf gut Deutsch und ein bisschen Englisch: CBD in Nahrungsergänzungs- und Lebensmitteln oder Hautcremes hat keine berauschende Wirkung. Nun gibt es in der Cannabis-Branche etwas mehr Rechtssicherheit.

Medizin, Kosmetik und Lifestyle – der Markt Marihuana für medizinische Zwecke ist in den vergangenen Jahren immer populärer geworden, und der Trend setzt sich fort. Allein die CBD-Industrie in den USA soll bis zum Jahr 2025 einen Wert von 16 Milliarden US-Dollar erreichen. Ähnlich sieht das Absatzpotenzial bei medizinischen Anwendungen in Europa aus. Studien zeigen, dass Cannabinoide wie CBD das Nervensystem schützen und Anfälle, Schmerzen, Angstzustände, Krämpfe, Stress, Schlafstörungen und Entzündungen lindern können. Der Gesamtumsatz auf diesem Markt beträgt in der EU mehr als 250 Milliarden Euro.

Die Hanfpflanze besteht aus mehr als 100 verschiedenen Cannabinoiden. Cannabidiol (CBD) ist das populärste auf dem legalen Markt und THC auf dem illegalen. CBD-Produkte sind in Deutschland nur dann legal und frei verkäuflich, wenn sie weniger als 0,2 Prozent THC enthalten und eine gewisse maximale Tagesdosis vorgeschrieben ist.

Seit Frühjahr 2017 ist Cannabis für den therapeutischen Einsatz in bestimmten Fällen in Deutschland erlaubt. Es ist aber noch unklar, wie sich CBD in Lebensmitteln („Novel Food“) entwickeln wird. Wenn dies aber möglich und sicher ist, könnte sich ein weiterer Milliardenmarkt öffnen, etwa Getränke und weitere Lebensmittel mit CBD.

Der Cannabis-Markt wird eindeutig von kanadischen Unternehmen dominiert. In Kanada ist Cannabis als Medikament landesweit zugelassen. Anders in den USA, wo dies nur in einem Teil der Bundesstaaten der Fall ist. Daher dürfen die Kanadier auch an den großen US-Börsen gehandelt werden – was sie beim Kapitalzugang bevorzugt. Die Kurshöhepunkte lagen Mitte 2018 und 2019, dann sanken die Kurse. Seit einiger Zeit geht es aber wieder bergauf. Diese Achterbahnfahrt ist übrigens auch im North American Marijuana Index (ISIN: DE000SLA24K3) abzulesen.

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