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Globale Anleihen- und Aktienmärkte

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Zehrid Osmani, Leiter für langfristige Anlagestrategien bei Martin Currie Foto: Franklin Templeton
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Martin-Currie-Portfoliomanager im Interview

„Unser Fokus liegt auf drei Megatrends“

Herr Osmani, wie sieht die konjunkturelle Entwicklung in den kommenden Monaten aus?

Zehrid Osmani: Wir sind der Ansicht, dass das Jahr 2021 von einem starken wirtschaftlichen Aufschwung geprägt sein wird. Wie stark der Aufschwung ausfällt, ist allerdings schwierig abzuschätzen. Wohl erst 2022 dürfte sich zeigen, ob wir in einen Bullen- oder Bärenmarkt eintreten. Entscheidend hierbei ist, mit welcher Geschwindigkeit die umfangreichen fiskalischen Anreize in der Realwirtschaft ihre Wirkung entfalten können. Die zukünftige Entwicklung hängt also zu einem großen Teil von den politischen Entscheidungsträgern ab.

Die Unternehmen stellen ein, sobald die Geschäfte wieder zu laufen beginnen. Was erwarten Sie im Hinblick auf die Unternehmensgewinne in den kommenden Monaten?

Osmani: Aus makroökonomischer Sicht dürfte 2021 ein Jahr mit starkem Wachstum der Unternehmensgewinne werden. Auf ein Plus beim Ertragswachstum von 23 Prozent beim MSCI World Index und 36 Prozent beim MSCI Europe (ex UK) Index gegenüber dem Vorjahr deuten die jüngsten Konsensschätzungen für 2021 von Bloomberg und FactSet hin. Natürlich bergen Gewinnerwartungen ein erhebliches Prognoserisiko und, unter uns gesagt, die meisten Jahre beginnen mit zu optimistischen Ertragsschätzungen. Doch dieses Jahr könnte das anders sein. Möglicherweise müssen die aktuellen Konsensschätzungen zur konjunkturellen Entwicklung stark nach oben korrigiert werden, sofern die fiskalischen Anreizmaßnahmen zeitnah auf den Weg gebracht werden.

Die Aktienbewertungen sind im Verlauf der vergangenen Quartale kräftig gestiegen. Wie schlagen sich europäische Aktien gegenüber US-Aktien?

Osmani: Die Bewertungsniveaus auf Basis eines eigenständigen KGVs erscheinen im Vergleich zu den historischen Niveaus problematisch. Wir sind aber der Meinung, dass die um zyklische Faktoren bereinigten Bewertungsmultiplikatoren eine wichtigere Rolle spielen, weil die Jahre 2020/21 mit ihrem starken Gewinneinbruch und der anschließenden Erholung eine so ungewöhnliche Zeit waren.

Die Bewertungen von Aktien sind für uns aufgrund der Gewinnrendite, die sie im Vergleich zu den Anleiherenditen bieten, im Allgemeinen nach wie vor chancenreich. Dies dürfte angesichts der starken Signale der wichtigsten Zentralbanken, dass die Zinsen für längere Zeit niedrig bleiben werden, das Hauptargument für eine anhaltende Aufwertung der Aktienmärkte bleiben. Hinzu kommen aber auch die Themen Demografie, Technologie, Ressourcenverknappung, die Aktien kräftig unterstützen.

Der Trend zu mehr Nachhaltigkeit hat viele entsprechende Aktien kräftig angeschoben. Bleibt uns diese Aufwärtsbewegung erhalten oder tritt hier bald eine Konsolidierung ein?

Osmani: Die Art der im Jahr 2020 durch die Pandemie ausgelösten Rezession hat Nachhaltigkeit und verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln stärker in den Vordergrund gerückt. Für Anleger hat die Unternehmensbewertung anhand von ESG-Kriterien an Bedeutung gewonnen, und wir erwarten, dass dieser Trend im Jahr 2021 an Dynamik gewinnen wird. Die Regulierung treibt dies weiter voran, und Vermögensverwalter verlegen einen immer größeren Anteil ihrer Engagements auf ESG-orientierte Strategien. Der EU-Wiederaufbaufonds begünstigt eindeutig umweltfreundliche Initiativen, sowohl in Bezug auf energieeffizientere Gebäude, Subventionen für Elektromobilität als auch die Infrastruktur für erneuerbare Energien. Dies stärkt das Momentum der Nachhaltigkeit als Teil der Wiederaufbaumaßnahmen weiter.

Durch den gefühlten Wiedereintritt der USA in die Weltgemeinschaft dürfte der Nachhaltigkeitssektor darüber hinaus weiteren Schub bekommen, oder?

Osmani: Die Bewertung der Kohlenstoffintensität und das Bestreben der politischen Entscheidungsträger, die Volkswirtschaften zu entkarbonisieren, tragen weiter zur Dynamik bei. Wir gehen davon aus, dass die USA wieder näher an Europa heranrücken und eine koordiniertere Strategie sowohl im Umgang mit China und anderen Bereichen geopolitischer Spannungen als auch bei der Bekämpfung des Klimawandels verfolgen. Allgemein wird erwartet, dass Präsident Biden die USA im Jahr 2021 wieder in das Pariser Abkommen einbinden wird. Dies wird von entscheidender Bedeutung sein, um alle wichtigen Volkswirtschaften der Welt auf eine deutliche Reduzierung der Kohlenstoffemissionen in den nächsten 30 Jahren und darüber hinaus auszurichten.

Erfreulicherweise wird für 2021 ein Jahr mit anhaltend positiven ESG- und Nachhaltigskeitsimpulsen prognostiziert, die sowohl von Anlegern, Unternehmen und Regierungen als auch von Vermögensverwaltern ausgehen.

Inwieweit könnte die Zeit nach der Pandemie für Anleger weitere Chancen beim Umbau von Wirtschaft und Infrastruktur zu mehr Nachhaltigkeit bieten?

Osmani: Wir suchen weiterhin nach attraktiv bewerteten, langfristigen Themen, von denen unsere Anleger durch unser themenorientiertes Konzept auf Basis wichtiger Trends profitieren dürften. Der Fokus liegt dabei auf drei von uns identifizierten Megatrends: Demografischer Wandel, Zukunft der Technologie und Ressourcenknappheit.

Innerhalb dieser jeweiligen Megatrends gibt es viele interessante Bereiche, die uns langfristige strukturelle Wachstumschancen bieten, und die Zeit nach dem Corona-Virus eröffnet einige interessante Möglichkeiten.

Könnten Sie einige Beispiele nennen?

Osmani: Zu erwarten sind höhere Infrastrukturausgaben zur Ankurbelung der Wirtschaft, insbesondere bei der Eisenbahn- und 5G-Infrastruktur. Hinzu kommen höhere Ausgaben für die Infrastruktur des Gesundheitswesens, um sowohl den öffentlichen Gesundheitssektor besser auf zukünftige Pandemien vorzubereiten, als auch die Investitionen in häusliche Pflege und Telemedizin zu erhöhen. Aber es dürfte auch verstärkte Anreize für Nachhaltigkeit geben, seien es soziale Nachhaltigkeit oder umweltfreundlichere Lösungen vor allem in den Bereichen Verkehr, Energieerzeugung, Infrastruktur und Bauwesen.

Ebenfalls rechnen wir mit verstärkten Investitionen in Cloud Computing und Cybersicherheit angesichts der Beschleunigung der Umstellung auf eine digitale Wirtschaft sowie verstärkte Investitionen in Robotik und Automatisierung, da die Unternehmen ihre Lieferketten widerstandsfähiger gestalten müssen. Und schließlich dürften Verbesserungen bei der Lebensmittelhygiene und der allgemeinen Hygiene, sowohl im Haushalt als auch in gewerblichen Räumen, zu erwarten sein.

Ihr Fazit?

Osmani: Insgesamt wird das Jahr unserer Ansicht nach von weniger Extremrisiken und mehr Optimismus geprägt sein. Dies wird ein positiver und dringend benötigter Kontrast zu einem außergewöhnlichen und an vielen Fronten höchst unberechenbaren Jahr. Wir werden darauf achten, wie schnell die fiskalischen Anreizmaßnahmen in die Realwirtschaft einfließen, und ob es Anzeichen für ein deutliches Anziehen der Inflationstendenzen gibt.

Wichtige rechtliche Hinweise

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